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Kirche in WDR 3 | 18.03.2021 | 07:50 Uhr

Nicht ohne deinen Atem

Mein erster Laut war ein Schrei – aus Atem-Not. So begann ich bei meiner Geburt zu atmen. Der Bildsprache der Bibel folgend war mein erstes Einatmen das Ausatmen Gottes: „Da formte Gott den Menschen… und blies in seine Nase den Lebensatem.“ (Gen 2,7) Mein letztes Ausatmen im Sterben würde demzufolge wieder ein Einatmen Gottes sein. „Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin,“ betet jemand in der Bibel (Ps 104,29).

Alles bloß Bilder. Und doch ahne ich, dass sie an eine tiefere, unaussprechbare Wirklichkeit rühren.

Atem-Not bedeutet: an der Todesgrenze leben. Im vergangenen Jahr, kurz nachdem ich die Morgenandachten hier im Sender gesprochen hatte, liebe Hörerinnen und Hörer, war ich der Todesgrenze sehr nahe. Mit Corona plus doppelseitiger Lungenentzündung durchlebte ich sie. An dieser Stelle will ich nicht näher darauf eingehen. Ich möchte aber diese Erfahrung der Atemnot tiefer durchdringen. Damals galt es, mich zu sammeln in dem Rest Lebensatem, der noch da war.

Atemnot ist schlimm. Der ganze Mensch japst nach Atem. Ein Ringen, ein Betteln um Atem. Der ganze Mensch wird – was die Bibel auf Hebräisch näfäs nennt – Kehle, die nach Atem japst, Seele, die nach Leben lechzt. Beten mit vielen Worten geht da nicht. Aber Sich-sammeln mit Leib und Geist und Seele ins Schweigen hinein, das geht.  Ganz Kehle, ganz Seele, die lechzt nach dem lebendigen Gott.

Eine jüdische Interpretation der vier Buchstaben für den unaussprechbaren Gottesnamen lautet: Der Gottesname sei ein lautmalerisches Abbild des Lebenshauches. Das bedeutet, dass wir im Atmen Gott anrufen, also beten. Beten wir also vom ersten bis zum letzten Atemzug? Wenn auch unbewusst und unreflektiert – bete ich schon, wenn ich atme? Brauche ich zuerst einmal nur sanft meiner Atembewegung zu folgen?

 Dass ich atme, ist nicht selbstverständlich – noch in der verpesteten Stadtluft – noch hinter der lästigen Viren-Schutzmaske.

Wenn Gott wirklich ist, dann wäre er noch in der Wahrnehmung unseres beschränkten Atmens zu ahnen.

„Danke, Gott, dass ich lebe. Ich bin nicht ohne Deinen Atem!   Alles, was atmet, lobt den Herrn!“

Aus Aachen grüßt Sie Georg Lauscher.

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