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Kirche in WDR 3 | 07.06.2021 | 07:50 Uhr

Nichts besonderes

Guten Morgen!

Gestern war ein großes Fest, nicht nur in meinem Kloster in Duisburg-Hamborn, sondern in meinem ganzen Orden. Gestern haben wir nämlich unseren Ordensgründer gefeiert, den Heiligen Norbert von Xanten. Der hat vor 900 Jahren unseren Orden gegründet: Die Prämonstratenser Chorherren oder auch Norbertiner, wie wir im Englischen genannt werden.

Eigentlich sollten Norbert und das Ordensjubiläum ganz groß gefeiert werden in Magdeburg, wo Norbert damals Erzbischof war. Aber Corona hat auch unserem Ordensjubiläum einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir feiern aber, so gut es geht. Und daher möchte ich Ihnen heute etwas über meinen Orden erzählen.

Heute gibt es in Deutschland noch fünf Klöster unseres Ordens und sogar Norbertusschwestern. Das war einmal deutlich anders. Denn nach der Gründung in Frankreich hat sich der Orden in ganz Europa rasend schnell ausgebreitet. Etwa 500 Klöster für Frauen und Männer wurden schon bald gezählt. Warum war der Orden so erfolgreich? Nun, das lag bestimmt auch an dem charismatischen Wanderprediger Norbert. Aber es war auch eine Zeit, als die Kirche damals wieder einmal eine Reform benötigte, quasi ein „Reset“: zurück zu den Ursprüngen. Und so suchte Norbert einem Ideal zu folgen, das in die frühe Kirchengeschichte zurückreicht, in die Zeit der Apostel (vgl. Apg 4,32-35). Von denen heißt es nämlich in der Bibel: „Alle waren ein Herz und eine Seele, und niemand nannte etwas sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam“, eine Art freiwilliger Minikommunismus also.

Alle Klöster, die damals bestanden, waren selbständig, und die Mitbrüder und -schwestern banden sich jeweils an einen bestimmten Ort. Dort haben sie gelebt, gebetet und gewirkt. Was sie vor Ort taten – das war ganz unterschiedlich: Einige Klöster in ländlichen Regionen lebten eher abgeschieden von der Landwirtschaft. Andere, gerade in den Städten, waren stark in der Seelsorge tätig. Oft wurden die Klöster zu Stätten der Kulturpflege oder auch – das muss man kritisch eingestehen – zu Verwahranstalten für nachgeborene Adelige.

Die Geschichte meines Ordens kennt jedenfalls ein Auf und Ab, wie das bei jeder Institution ist, wenn sie über Jahrhunderte besteht. Und da geht es dann auch um die Frage: Was macht uns eigentlich aus? Vor 400 Jahren spottete ein Theologe aus dem noch jungen Orden der Jesuiten über uns, die Prämonstratenser: „Ordo Prämonstratensis nihil habet speciale.“ „Der Orden der Prämonstratenser hat nichts Besonderes.“

Klingt nicht sehr rühmlich. War wohl auch genau so gemeint. Jedenfalls fuchste das die Prämonstratenser, und sie suchten danach, was denn wohl das Besondere des Ordens im allgemeinen und auch ihres jeweiligen Klosters sei.

Ich persönlich denke ja, dass dieser Jesuit etwas Richtiges getroffen hat: Mein Orden hat nichts Besonderes, aber genau das hat ihn überleben lassen in den 900 Jahren seines Bestehens bis heute. Nichts Besonderes ist vielleicht gerade das Besondere. Hört sich paradox an: Aber es hängt vielleicht damit zusammen, dass alle Klöster meines Ordens sich immer wieder den Herausforderungen vor Ort gestellt haben, also an dem Ort und in der Situation, in der sie waren. Sie haben reagiert auf die Nöte und Fragen der Menschen und haben versucht, darauf eine Antwort zu geben, nicht zuletzt indem sie an Gott erinnert haben, um so Trost und Hoffnung zu spenden.

Nichts Besonderes ist vielleicht gerade das Besondere. Jedenfalls denke ich mir das bei so vielen Gelegenheiten: Es kommt nicht darauf an, aufsehenerregend und sensationell zu handeln, sondern es kommt darauf an, ganz unaufgeregt das zu tun, was gerade anliegt, was notwendig ist, wo ich dem Nächsten helfen kann. Dafür muss man kein Prämonstratenser sein, dafür muss ich nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und bereit sein, anzupacken, dort, wo es Not tut – eigentlich nichts Besonderes.

Einen guten Start in diese Woche wünscht Pater Philipp Reichling von den Prämonstratensern aus Duisburg-Hamborn.


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