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Kirche in WDR 5 | 19.11.2020 | 06:55 Uhr

Niemand kann aus seiner Haut!?

Guten Morgen.

Wie gern käm´ ich mal raus aus meiner Haut. Einfach besser leben. (#wieleben) Geht das?

Lindolfo Weingärtner, ein brasilianischer Dichter und evangelischer Theologieprofessor erzählt dazu:

 

Sprecherin: „Eine stachelige Raupe sprach zu sich selbst: „Was man ist, das ist man! Man muss sich annehmen, wie man ist, mit Haut und Haaren. Was zählt ist das Faktische. Alles andere sind Träume. Meine Lebenserfahrung lässt keinen anderen Schluss zu. Niemand kann aus seiner Haut!“

Als die Raupe das gesagt hatte, flog neben ihr ein wunderbarer Schmetterling auf. Es war, als ob Gott gelächelt hätte.“ (1)

 

Ich grüße Sie an diesem Morgen mit dieser kleinen kostbaren Geschichte. Sie rüttelt mit einer zärtlichen und zugleich energischen Kraft an festen Überzeugungen. Die Raupe kann nicht glauben, dass es für sie noch eine andere, ungleich schönere und sehr wertvolle Veränderung in ihrem Leben geben wird. Sie denkt, sie kann nicht aus ihrer Haut. Was sie nicht ahnt: Sie wird ohne ihr eigenes Zutun einmal ein Schmetterling werden, ihre Raupenexistenz, die ausschließlich dem Fressen gewidmet ist, wird sich auf wunderbare Weise verwandeln. Fast jedes Kind kennt das Kinderbuch von der kleinen Raupe Nimmersatt und weiß, sie wird ein bunter, hin und her tanzender Schmetterling werden. Und das ist kein Traum.

Und ich als Mensch? Wie verwandle ich mich? Es gibt Tage, da denke ich: Ich komme nicht raus aus meiner Haut. Ich bleibe immer der, der ich bin – und das gefällt mir nicht. Ich bin immer noch so kleinlich, ungeduldig, ängstlich, feige, aufbrausend…

Obwohl ich es besser weiß, kriege ich es oft einfach nicht hin, das Gute zu tun und das Schlechte zu lassen. Es gibt Tage, da habe ich keine Hoffnung mehr, dass aus der argen, bösen Welt eine Welt werden kann, in der es menschlich und freundlich zugeht.

In so einem Zustand bin ich wie die Raupe, die sich in der Macht des Faktischen einrichtet und nichts mehr erhofft.

Dann halte ich mich an Hoffnung fest, die mir meine christlichen Glaubensgeschwister durch tausende von Jahren erzählen: Es ist Gottes Geist, der die Herzen und Gedanken der Menschen bewegen kann. Wir müssen nicht länger als solche leben, die kein Vertrauen auf eine bessere, gerechtere und friedvollere Zukunft unserer Welt haben. Gottes Geist schärft uns ein: Vergiss nie die Achtung vor der Würde jedes Menschen. Die ist dein Maßstab für jedes Handeln.

Gottes Geist gibt uns den Mut jedem Hass entschlossen entgegenzutreten, sich nicht selbst zum Hass gegen Andersdenkende verleiten zu lassen: „Meinen Hass bekommt ihr nicht!“ so äußerte sich Antoine Leiris nach dem Attentat von Terroristen auf den Konzertsaal Bataclan am 13. November 2015 in Paris. Seine Frau war dort als das Schreckliche geschah. An die Terroristen richtete er unter anderem diese Worte:

 

Sprecherin: Ihr habt „das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht.“ (2)

 

In diesen Gedanken von Antoine Leiris leuchtet für mich auf: Gott kann etwas in uns verändern. (Und wir verändern die Welt.)

 

Darum grüße ich Sie hoffnungsvoll aus Siegen. Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr.

 

 

(1) Quelle: Cornelia Haverkamp: Damit für dich die Sonne scheint. Brunnen-Verlag 2019, S.27 ursprünglich: Lindolfo Weingärtner, Die Macht des Faktischen, aus: Einer soll heute dein Nächster sein, Schriftenmissions-Verlag, Neukirchen – Vluyn 1986.

 

(2) https://www.anderezeiten.de/anders-handeln/3-leiris/ (letzter Abruf 01.11.2020).

 

Mehr Informationen zu einem guten Leben mit und in Krisen:

ARD-Themenwoche: #wieleben

https://www.rbb-online.de/themenwoche/

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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