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Kirche in WDR 4 | 10.09.2021 | 08:55 Uhr

Niemand nimmt sich gern das Leben

Guten Morgen,

sie ruft bei ihrer Reinigungsfrau an. Ein Mann geht an den Apparat. „Ja?“ „Guten Tag, Ihre Frau putzt bei uns, sie war heute Morgen nicht da. Kann ich sie bitte mal sprechen?“ Schweigen. Dann: „Das geht leider nicht, sie ist tot.“ „Wie tot?“ „Tabletten,“ kommt von der anderen Seite der Leitung und dann nur noch „Auf Wiederhören.“ Später erfährt sie, dass die Frau in Polen beerdigt wurde und die Kinder jetzt dort bei den Großeltern sind. Das beschäftigt sie lange. Hätte sie erkennen müssen, dass es der jungen Frau nicht gut ging? Ja, manchmal schien sie überfordert zu sein mit Kindern, Haushalt und der Arbeit und wirkte psychisch etwas angeschlagen. Aber wer hätte denn gedacht, dass sie Tabletten nimmt und womöglich absichtlich eine Überdosis? So etwas kommt häufiger vor, als man denkt. Rund 10 000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. Jeder, jede hinterlässt bis zu sieben Angehörige. Arbeitskolleginnen, Vereinsfreunde, Nachbarinnen und Mitschüler noch nicht mitgerechnet. Leider alltäglich. Auch wenn man kaum darüber spricht.

Um das Thema aus der Tabuzone zu holen ist jedes Jahr am 10. September Weltsuizidpräventionstag. Selbsthilfegruppen, Telefonseelsorge, Psychosoziale Dienste, psychiatrische Fachkliniken u.a. machen durch Vorträge, Interviews in der Presse und Stände in den Fußgängerzonen auf ihre Hilfsangebote aufmerksam. Für Menschen mit psychischen Problemen und Suizidgedanken, für deren Angehörige und für Hinterbliebene. Und seit einigen Jahren engagieren sich auch die Kirchen mit Gottesdiensten und Fürbitten. Der Bibel ist nichts Menschliches fremd. Also berichtet sie auch von Menschen mit Depressionen, die ihres Lebens überdrüssig sind. Zum Beispiel von Elia. Er liegt unter einem Ginsterstrauch und wünscht sich sehnlich, zu sterben. Oder von Hiob. Er hadert mit seinem Schicksal so sehr, dass er bedauert, jemals geboren worden zu sein. Ihm ist ein ganzes Buch in der Bibel gewidmet. Und sie berichtet von Suiziden. Zum Beispiel von König Saul oder von Judas, nachdem er Jesus verraten hat. Und an keiner Stelle werden sie verurteilt.

Ja, als evangelische Pfarrerin glaube ich: Unser Leben ist uns von Gott geschenkt worden. Und ein Geschenk wirft man nicht einfach weg. Aber einfach tut man das eh nicht. Niemand nimmt sich gern das Leben. So helfen Christen Menschen in Not, ihr Leben zu bewältigen, wo immer es geht. Und wenn sie ihm gleichwohl ein Ende setzen, dann lassen wir sie nicht fallen, sondern halten die Not mit aus bis zum Ende. Und wir sind bei den Angehörigen. Denn Gottes Liebe ist stärker als jede Not und Verzweiflung, stärker als Schmerzen und Trauer, sogar stärker als jeder Tod. Auch als ein Suizid.

Wer selbst von einem Suizid betroffen ist und wer Suizidgedanken hat, muss nicht alleine damit bleiben. Es gibt die genannten Anlaufstellen. Die Telefonseelsorge wurde vor etwa 60 Jahren eigens für die Suizidvorsorge gegründet. Rufen Sie an – was immer Sie quält, hier ist es gut aufgehoben.

 


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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