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Kirche in WDR 5 | 06.12.2019 | 06:55 Uhr

Nikolaus zu Gast

Guten Morgen!

Und - war er schon da? Wird er noch kommen? Oder geht er einfach an Ihnen vorbei – dem 6. Dezember zum Trotz?

"Sei gegrüßt lieber Nikolaus! / Wieder gehst du von Haus zu Haus / alle Kinder lieben dich /

warten schon und freuen sich…" (Komponist: Detlev Jöcker und Text: Rolf Krenzer), singen die Kinder in Kindergärten und Schule. Helle Freude. Keine Angst vorm Nikolaus.

Was mich betrifft: Ich stamme aus einer anderen Zeit. In meinem Kindergarten der 60er Jahre löste der Ruf "Heute kommt der Nikolaus" stets noch gemischte Gefühle aus. Denn der kann die braven von den bösen Kindern unterscheiden. Das war die pädagogisch brachiale Botschaft. Und tatsächlich trug St. Nikolaus ein goldenes Buch für die braven Kinder mit sich und ein schwarzes Buch für die bösen Kinder.  

So sehr ich Naschwerk und Kekse schätzte: Ein leichter Grusel griff immer nach meiner Kinderseele.

Keine Frage: Gott Lob, dass die schwarze Nikolaus-Pädagogik meiner Kindheit heute verpönt und verboten ist. Man macht Kindern keine Angst! Punkt. Erstens haben sie auch so genug davon - kein Kind braucht künstlichen Grusel. Und zweitens führt Angst allzu oft auf den Holzweg.

„Sei gegrüßt lieber Nikolaus! / Wieder gehst du von Haus zu Haus…“

Wollte Gott, er käme wirklich mal! Der Heilige aus der alten Stadt Myra, heute Demre in der Türkei. Roten Mantel, Stiefel und den wallend-weißen Rauschebart bräuchte er von mir aus nicht.

Ich stelle mir vor: Er sieht einfach aus wie viele, die in der Türkei zuhause sind.

Und geht von Haus zu Haus, klingelt bei Ihnen und bei mir. Tritt ein. Bringt ein paar türkische Kekse mit. Mit Pistazien und Mandeln und türkischem Honig.

Nimmt Platz auf dem Sofa. Und gebe Gott, ich wäre dann so geistesgegenwärtig, gastfreundlich erst einmal Tee zu kochen. Wie das in der Gegend um Demre heute jeder augenblicklich tut, wenn ein Gast durch die Tür kommt.

Sei gegrüßt, lieber Nikolaus.

Und dann fängt Nikolaus an zu erzählen. Wie er damals heimlich drei Klumpen Gold durch das offene Fenster armer Leute geworfen hat. Was für ein diebisches Vergnügen! Seine ganze Erbschaft ist dafür drauf gegangen. Aber er ist plötzlich frei wie nie.

Und weiter erzählt Nikolaus wie er sich lauthals gestritten hat mit muskelstrotzenden Matrosen von einem Getreideschiff. Bis sie dann doch ihre Ladung Korn an die Hungernden der Stadt verteilt haben. Man braucht eben Mut, sagt Nikolaus. Nur nicht einschüchtern lassen, wenn’s um Menschenleben geht.

Vor so viel Heiligkeit meines Gastes wird mir allmählich mulmig. Soll ich das auch? Alles teilen? Mutig mich überall einmischen? Doch da höre ich ihn schon: „Es langweilt mich, die Leute in Brave und Böse einzuteilen. Schließlich sind wir doch alle nur Menschen: Mal hilfreich, mal auf den eigenen Vorteil bedacht. Mal mutig, mal feige. Wir sind Menschen. Heilige und Sünder zugleich. Ich muss das wissen – ich bin Sankt Nikolaus.“

Sei gegrüßt, lieber Nikolaus. Kommst gerade recht. Und zeigst uns, wie wir leben können. Glücklich und frei. Kein Grund für gemischte Gefühle. 

Einen frohen Nikolaustag wünscht Ihnen, Ulf Schlüter, Bielefeld.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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