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Kirche in WDR 3 | 11.01.2020 | 07:50 Uhr

Ökumene? Zu spät ...

Als Patenonkel sorgt man sich um sein Patenkind, auch wenn es schon über 30 Jahre alt ist. In meiner Fürsorge kann ich den Pfarrer nicht verleugnen. „Wie hältst du es denn mit der Kirche?“ Jedes Mal antwortet mir mein Neffe: „Keine Sorge, ich bin nicht ausgetreten. Ich habe einen frommen Onkel, den ich mit der Kirchensteuer finanzieren muss.“ In seinem Alter scheint es unüblich zu sein, sich mit Kirche zu beschäftigen. „Und wie ist es sonntags mit dem Kirchgang?“ Ich sehe, wie er mit den Schultern zuckt, und ich erhalte eine ernüchternde Antwort. „Tut mir Leid, die Zeiten der Gottesdienste waren mir schon als Jugendlicher zu früh. Aber selbst wenn ich hier aus dem Bett käme, im Viertel kenne ich keine Kirche. Jeden Freitagnachmittag strömen die Menschen in die Moschee. Sonntags sehe ich keinen einzigen auf der Straße. Wie sollte ich eine Glocke hören, wenn ich nirgendwo einen Kirchturm entdeckt habe.“ Er unterbricht sich selbst, überlegt kurz und fährt fort. „Ehrlich gesagt, zwei U-Bahn Stationen von hier habe ich eine Kirche gesehen. Vielleicht ist sie evangelisch. Denn es ist kein Hahn auf dem Turm.“ Als er klein war, hatte ich ihm immer den Hahn auf einem katholischen Kirchturm gezeigt. Er fuhr fort: „Na ja, es interessiert mich wenig. Ich gehe doch nicht hin.“

Die Antwort hatte mich bedient. Das eigene Patenkind kannte in seiner Nachbarschaft keine Kirche, egal ob sie evangelisch oder katholisch war. Sollte er sich sonntags einmal in einem Gottesdienst verirren, müsste schon eine Pfarrerin auftreten, damit er den Unterschied zwischen evangelisch und katholisch bemerkte. Mir ging wieder einmal auf, wie wenig die nachfolgende Generation mit dem Streit der Konfessionen anfangen kann. Wahrscheinlich interessiert sie sich für Kirche überhaupt nicht mehr. Das, was Kirchen in unterschiedlichen Bekenntnissen anbieten, hat in ihrem Leben keinen Platz. Darüber hatte ich schon in schlauen Büchern gelesen. Aber es fühlt sich anders an, sobald es in der eigenen Familie erlebt wird. Theorie und Praxis sind doch verschiedene Zugänge zur Wirklichkeit. Kirche spielt bei meinem Neffen keine Rolle, und erst recht nicht die Ökumene.

In den kommenden Tagen beginnt die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Während mich diese Zeit an die unselige Spaltung der Kirchen erinnert, ist das Ganze für meinen Neffen kein Thema mehr.

Wahrscheinlich weiß er nicht einmal, was Katholisch, Evangelisch oder Orthodox bedeutet. Ob die Kirchen zur Einheit finden, fragt er überhaupt nicht.

Ökumene bleibt ein Thema der Alten, die im Lauf ihres Lebens unter der Kirchentrennung gelitten haben. Die Jungen langweilen sich dabei. Ich erinnere mich an ein Wort von Michael Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Für mich sieht es so aus, als ob die Ökumene viel zu spät kommt. Dabei hätte die junge Generation die eine Kirche nötig, die eine frohe Botschaft verkündet.

Deshalb lade ich Sie ein, in der Gebetswoche für die Einheit der Kirchen mitzubeten. Gott hilf uns, nicht zu spät zu kommen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag. Albert Damblon aus Mönchengladbach

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