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Kirche in WDR 5 | 19.03.2021 | 06:55 Uhr

Ohne Pappkamerad

 

Fast 30 Jahre ist es her: Als Mitglieder im NABU trafen wir uns zu Naturerkundungen, beide auf dem Rad - und mit Fernglas und offenen Ohren.  Doch dann kam es zwischen ihm, dem erklärten Atheisten, und mir, dem überzeugten Christen, immer wieder zu heißen Diskussionen. Er, der Atheist, bekämpfte das gängige, menschengemachte Bild von Gott. Und ich verteidigte „meinen Gott“. Es entwickelte sich ein stumpfsinniges Hin und Her. Immer unfreier fühlte ich mich, weil ich das Gottesbild, das er bekämpfte, ebenso ablehnte oder höchstens als Krücke gelten ließ. Irgendwann zog ich die Reißleine, und es brach aus mir heraus: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht“, riss ich das Ruder herum, um aus dieser Verstrickung herauszukommen. „Einen Gott, den es gibt, wie es all die Dinge hier gibt, den gibt es nicht. All unsere Vorstellungen verstellen und entstellen das Weltgeheimnis `Gott´. Von ihnen müssen wir uns – soweit es geht – frei machen.“ – Irritierte Stille. Dann begannen wir, mehr aufeinander hörend zu sprechen – und auf einen gemeinsamen Horizont hin. Wir wurden nicht einig, doch nun saßen wir im selben Boot und steuerten – beide suchend und nicht wissend – auf einen gemeinsamen Horizont zu. Die Linie des Horizontes schien ganz klar feststellbar in der gemeinsam wahrgenommenen Realität. Doch keiner von uns beiden konnte den Horizont erreichen. Je näher wir ihm kamen, desto weiter entfernte er sich. Jeder von uns beiden hatte Gott zu einem Bild, zu einem Pappkameraden gemacht, der eine zum Draufschlagen, der andere zum Verteidigen. Er schien wie das Stofftier der Kinder – aus menschlichen Fantasien und Leidenschaften zusammengenäht. Obwohl wir beide uns doch einbildeten, den religiösen Kindergarten hinter uns zu haben.

Heute – nach dem damaligen Bildersturm – greife ich wieder gern zu Bildern, doch ganz anders: Spielerisch. Frei. Und nie mehr sollen sie mir den göttlichen Horizont verstellen. Ich gebrauche sie, weil unser Gehirn gar nicht bilderlos denken und sprechen kann, und weil ein Mensch erst recht vom göttlichen Geheimnis nicht ohne Bilder sprechen kann. Und dann lasse ich sie allesamt fallen ins Schweigen, das uns verbindet wie es Liebende verbindet nach einer offenen Aussprache.

Gott, nimm mir immer wieder all die Pappkameraden, die ich vor dir aufstelle. Unverstellt will ich dir begegnen. Ich will dich wirklich – „Du, mein Unsichtbarer, du in allem und in jedem Blick Gesehener!“ (Nikolaus von Kues)

Aus Aachen grüßt Sie

Spiritual Georg Lauscher.

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