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Kirche in WDR 4 | 04.12.2020 | 08:55 Uhr

Paartherapie

Guten Morgen.

Es kommt bei mir eher selten vor, dass ich in Buchhandlungen länger stöbere und noch seltener, dass ich noch im Buchladen anfange zu lesen. Wie bei einem Titel von Sophia Fritz: „Gott hat mir nie das Du angeboten“. Gleich beim ersten Blättern stolpere ich über einen interessanten Satz: „Gott und ich bräuchten eine Paartherapie.“ (1)

Offenbar geht es um keine einfache Beziehung. Sophia Fritz erzählt von sich, dass sie im Glauben groß geworden ist, im Glauben an einen Gott, der jeden Menschen liebt. Einen Gott, der es gut mit einem meint. Für den sie gerne in die Kirche geht. Und T-Shirts mit frommen Aufschriften trägt.

Dieser Gott kann alles. Er kann Menschen gesund machen und jede Menge Wunder tun. So hat man es ihr erzählt. Doch wenn dann allabendlich die Nachrichten liefen, dann war für sie von diesem Gott nichts mehr zu sehen. Die Wunder blieben aus. Und sie kriegte das beides nicht überein.

Ich muss dabei an Postkarten mit wunderbaren Sonnenuntergängen denken, auf denen Verse stehen wie: „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen.“ (Psalm 91,11f) (2)

Vielen Menschen fühlen sich durch solche Karten getröstet und ermutigt. Für andere sind solche Hochglanzkarten mit Hochglanzversen einfach nur ein Ärgernis. Weil sie andere Bilder im Kopf haben, Bilder von Kriegen und von unsäglichem Leid. Mit einem Gott, der hier nicht hilft, wollen sie gar nicht per Du sein.

Sophia Fritz fragt etwas provokant, ob Gott sich nicht wegen „unterlassener Hilfeleistung“ schuldig, wenn nicht sogar strafbar macht. Wie untätige Gaffer nach einem Unfall. Soweit das Buch, das mich daran erinnert, wie oft ich Gott bitte, dass er eingreift: wo Menschen versagen und wo wir nicht alles tun, was nötig und was möglich wäre.

Denn wir Menschen sind ja eigentlich die Gaffer, die täglich Bilder des Leids konsumieren. Betroffen sicher, aber oft auch teilnahmslos.

Doch wir können Gott aus all dem Schlamassel auch nicht raushalten. Und ich bin froh, dass er sich selbst nicht raushält. Die Evangelisten schreiben über Jesus, dass das Leid ihm an die Nieren geht.

Aber er schaut auch nicht bloß zu. Er kommt mitten hinein. Nicht, um seine Größe zu beweisen. Oder dafür, damit wir uns durch ihn größer und stärker fühlen. Jesus, von dem die Bibel schreibt, ist kein Supermann, der nur darauf wartet, alle Missstände dieser Welt zu beseitigen und allem Leid ein Ende zu setzen. Er erfüllt nicht all die Erwartungen, mit denen Menschen zu ihm kommen. Aber denen, die nichts zu erwarten haben, hat er den Himmel aufgetan.

Ich stelle mir vor: Jesus ist bei den Kranken in den Intensivstationen und bei den Einsamen in den Altenheimen. Und auch bei allen Opfern von Gewalt und Terror, bei all den Kindern in den Flüchtlingslagern. In ihnen leidet Gott mit: überall auf dieser Welt. Jesus ließ sich sogar auf´s Kreuz legen und hat das äußerste Leid selbst durchlitten. Aber er war immer in Gottes Hand und er reicht mir seine. Jesus lebt. Und er hat mir das Du angeboten. Er bietet allen das Du an. Ja mehr noch, er bietet das Leben an und nennt uns Freundinnen und Freunde.

 

Das glaubt Ihr Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.

 

(1) Sophia Fritz, Gott hat mir nie das Du angeboten, Herder, Freiburg 2019, S. 158.

 (2) Die Bibel nach der Übersetzung von Martin Luther, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2016.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

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