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Kirche in WDR 4 | 18.07.2019 | 08:55 Uhr

Paul Schneider

Sprecher: (rufend) Kameraden, hört mich. (…) Hier wird gefoltert und gemordet. So spricht der Herr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben!“ (1)

Autor: Weiter kommt der Mann nicht. Er wird vom vergitterten Fenster, das zum Innenhof des Gefängnisses liegt, weggezogen und brutal zusammen geschlagen. Das geschieht am Ostersonntag des Jahres 1938. Der Mann, von dem hier die Rede ist, heißt Paul Schneider.

Seit November 1937 ist er Insasse im KZ Buchenwald. Immer wieder fordert er die Aufseher des Lagers heraus. Bei einem Fahnenappell anlässlich des Führergeburtstages am 20. April 1938 will Paul Schneider seine Mütze nicht abnehmen. Seine Begründung lautet: „Dieses Verbrechersymbol grüße ich nicht!“ Zur Strafe wird er öffentlich mit Stockschlägen bestraft und in eine Einzelzelle des Arrestgebäudes gesperrt.

Paul Schneider ist zu jener Zeit eigentlich Pfarrer auf dem Hunsrück. Schon kurz nach Januar 1933 werden den Kirchen vom Nazi-Regime Auflagen gemacht, die Paul Schneider nicht gutheißen kann. Die Pfarrer sollen beispielsweise dafür sorgen, dass „Nichtarier“ von den Gottesdiensten ausgeschlossen werden.

Als Reaktion darauf kommt es in der Evangelischen Kirche 1933 zur Gründung des Pfarrernotbundes. Ein Jahr später wird auf der Barmer Bekenntnissynode die Richtung klar formuliert: Man will den Einfluss, den die Nationalsozialisten auf die Kirche ausüben, zurückdrängen.

Das führt dazu, dass Kirche und Staat immer wieder aufeinanderprallen. Auch auf den Dörfern des Hunsrücks bahnen sich immer wieder Konflikte an – und Paul Schneider mittendrin. Er lässt sich nicht beirren. Wird ein erstes Mal verhaftet, dann wieder und kommt schließlich ins KZ Buchenwald.

Dort lässt er sich trotz schwerster Misshandlungen nicht daran hindern, aus seinem Gefängnis heraus das Evangelium zu verkünden. So wurde er für seine Mithäftlinge zum „Prediger von Buchenwald“.

Am 18. Juli 1939 wird Paul Schneider vom Lagerarzt ermordet. Der verabreicht Schneider eine Überdosis des Herzmedikaments Strophantin. Am 21. Juli 1939 wird Pfarrer Paul Schneider, der Prediger von Buchenwald, in seiner Gemeinde auf dem Hunsrück unter großer Anteilnahme beerdigt.

Heute jährt sich der Todestag Paul Schneiders zum achtzigsten Mal. Grund genug, sich an diesen mutigen und unbeirrbaren Mann zu erinnern und ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren.

Aber nicht nur das. Seine Geschichte ist auch dazu geeignet, Freiheit und Demokratie, neu schätzen zu lernen. Dankbarkeit dafür zu empfinden, dass wir hier bei uns Religionsfreiheit haben und dass dies für alle gilt, die hier leben. Diese Freiheit muss immer wieder neu gesucht werden, sie ist nicht ein für alle Mal da.

Seine Geschichte ist aber auch ein ermutigendes Beispiel für alle Christen, die es ernst meinen mit ihrem Glauben.

„Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht missbrauchen.“ So heißt ja das zweite Gebot. Paul Schneider hat im Geist des zweiten Gebotes die Freiheit eines Christenmenschen gelebt. Er hat dagegen protestiert, dass der Name Gottes missbraucht wird und dafür sein Leben gegeben.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )

Gott mit Ihnen an diesem Tag- das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Marialinden.

 

( 1 ) https://www.evangelisch.de/galerien/154677/27-01-2019/geistliche-den-konzentrationslagern-der-nazis - zuletzt abgerufen am 09.07.2019 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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