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Das Geistliche Wort | 12.01.2020 | 08:40 Uhr

Prominente und die Bibel

Autor: Platz eins auf der ewigen Bestsellerliste bei den Büchern mit großem Abstand: die Bibel. 3,9 Milliarden Exemplare wurden in den letzten fünf Jahrzehnten weltweit verkauft (1). Das hat Gründe:

O-Ton Prantl: Es gibt kein anderes Buch, in dem so viele unglaublich spannende Menschen versammelt sind, geschildert sind. Diese Bibel ist tatsächlich ein Weltbuch.

 Autor: Findet der Politik-Journalist und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl.

O-Ton Prantl: Da sind die fantastischsten Romane ein schwacher Abglanz dagegen.

Autor: Naja, die Harry-Potter-Romane rangieren immerhin auf Platz drei, knapp hinter der sogenannten Maobibel. Heribert Prantl ist mit der jüdisch-christlichen Bibel großgeworden.

O-Ton Prantl: Ich saß auf dem Lehnstuhl meiner Großmutter, meine Großmutter hatte die Bibel in der Hand, auf der rechten Seite waren wunderbare Bilder, auf der linken Seite war der Text, und meine Großmutter hat die Bibel vorgelesen. Ich habe mit der Bibel lesen gelernt.

Autor: Die Bibel: Ein Lesebuch voller Gedanken und Geschichten von Gott und den Menschen. Über die Welt und das Leben, wie es ist und wie es sein könnte. Wer sich dazu auf Spurensuche begibt, bekommt interessante Eindrücke geschildet. Neben dem Journalisten Prantl habe ich mit dem Politiker Sven Giegold, dem Soziologen Hartmut Rosa und der Fernsehmoderatorin Anja Reschke über das Buch der Bücher gesprochen.

Musik 1: Track 9In my life“, von CD 2: The Beatles - 1962-1966, Interpreten: The Beatles, Text: John Lennon, Melodie: Paul McCartney & John Lennon, Label: Apple (Universal Music) 1973, EAN-Nr: 5099990675225.

Autor: Anja Reschke moderiert seit vielen Jahren das Fernsehmagazin Panorama. Auch sie kennt die Bibel aus Kindertagen.

O-Ton: Reschke: Ich hab in der Kindheit viel Krippenspiel gemacht und dann hatten wir immer so Kindergottesdienste, und da haben wir ja schon auch so Bibelstellen durchgearbeitet bei diesen Kindergottesdiensten. Und da wurde mir eigentlich immer der gütige gute Gott nahegebracht. Den stellt man sich als Kind dann so onkelig vor, so‘n netter gütiger Opa so.

Autor: Der bei allem und jedem immer nur die Augen zudrückt? Ein Bild von Gott, das die in München aufgewachsene Journalistin längst hinter sich gelassen hat. Gott ist für Anja Reschke:

O-Ton Reschke: das allgemein Gute, also wie in der Philosophie, wo du sagst: über allem steht irgendwas, was das Gute meint.

Autor: Konkret gesagt:

O-Ton Reschke: eine Erzählung, die Menschen ein Gerüst gibt, wie gutes Zusammenleben sein soll.

Autor: Bis heute geht der mit sich selbst und ihrem Publikum oft strengen Moderatorin die Geschichte von den beiden Söhnen nach, die Jesus erzählt hat - Lukasevangelium, Kapitel 15.

O-Ton Reschke: Der eine hat sich ordentlich verhalten, und der andere hat sich doof verhalten und ist weggegangen,

Autor: lässt sich das Erbe seines Vaters auszahlen und verprasst das Geld mit zweifelhaften Menschen an zweifelhaften Orten, bis er schließlich in der Gosse landet.

O-Ton Reschke: Und trotzdem wird er mit offenen Armen wieder aufgenommen.

Autor: Als Kind kam Anja Reschke das ungerecht vor. Da fühlte sie sich eher an der Seite des pflichtbewussten und anständigen älteren Bruders, der mit ansehen muss, wie sein Vater für den verlorenen Sohn sogar noch ein Willkommensfest veranstaltet.

O-Ton Reschke: Aber dieser Gedanke: es gibt eine Art zu Hause oder eine Umarmung, die, auch wenn du auf Irrwegen warst, noch da ist, ist ‘ne Geschichte, die mir immer mal wieder in den Kopf kommt.

Autor: Mit dem onkelig-harmlosen lieben Gott hat das nichts zu tun. Irrwege bleiben Irrwege. Aber,

O-Ton Reschke: wenn man so auch in meinem Beruf, wir urteilen ja sehr viel, wir beurteilen auch Situationen, wir beurteilen Menschen. Wenn man dann liest, irgendjemand hat was Schlimmes getan, und dann prangt da auf der Titelseite der Bildzeitung: hier ist das Monster und so. Wo ich immer denke, wow, so’n Rest Versöhnung muss man irgendwo noch in sich tragen.

Musik 2: Track 11 „Dona Nobis Pacem“ von CD: Hymns, Interpretin: Beth Nielsen Chapman, Text und Melodie: trad., Label: BNC Records 2004, EAN-Nr: 635759161025.

O-Ton Prantl: Ach, es gibt ganz ganz viele Personen, die einen faszinieren.

Autor: in den Texten und Geschichten der Bibel. Erzählt der scharfsinnige und meinungsstarke Kolumnist Heribert Prantl aus der fränkischen Oberpfalz.

O-Ton Prantl: Im Alten Testament ist es jemand wie der David, der als kleiner mickriger Mensch den Riesen Goliath besiegt. Ein Vorbild gerade für einen jungen Menschen. Da ist jemand, der nimmt es mit den Gewalten, den Gewaltigen auf, mit den Riesen.

Autor: Von David erzählt die Bibel aber dann auch, dass er sich nicht im Griff hat, sich gehen lässt und zum Ehebrecher wird.

O-Ton Prantl: Daneben auch jemand wie Petrus, der seine ganz schwachen Stunden hat, wo er nachgibt, wo er feige ist, und dann wieder die Stunden, die Tage, wo er ganz ganz groß ist, der Fels ist, auf dem die Kirche errichtet wird. Man findet in der Bibel ganz viele Menschen, in denen man sich selber wiederfindet. Da ist Vorbildhaftes. Da ist Sündhaftes.

Autor: David hat eine Affäre. Petrus ist feige. Die Liste lässt sich fortsetzen: (Noah betrinkt sich), Jakob ist ein Betrüger, Paulus ein Fanatiker.

O-Ton Prantl: Es ist tatsächlich ‘ne Hilfe zu sehen, dass auch die ganz großen Gestalten, die Helden und Heiligen, ihre ganz schwachen Stunden hatten.

Autor: Dennoch hat Gott sie berufen, gebraucht und immer wieder neu aufgebaut als Zeugen und Vorbilder des Glaubens, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Gute.

O-Ton Prantl: Das kann einem in schwachen Stunden, wo man sich selber mies fühlt und elend, weil man Fehler gemacht hat, schon helfen.

Autor: „You don't need to be perfect, but be connected“. Zitat des amerikanischen Franziskaner Paters und spirituellen Lehrers Richard Rohr. „Du musst nicht perfekt sein, aber sei in Verbindung“ - mit den Menschen, die du liebst und die dich lieben, mit denen du zusammenlebst und -zusammenarbeitest. Verbindung nicht nur über WhatsApp und Facebook, auch von Angesicht zu Angesicht und von Herz zu Herz. So ist das dann nämlich auch mit Gott, der sagt: Sucht mich von Herzen, ich lasse mich von euch finden und ich finde euch. (2)

Musik 3: Track 4 „You might say“ von CD 1 New Conception Of Jazz: Sharing, Interpreten: Bugge Wesseltoft & Sidsel Endresen, Text: Sidsel Endresen, Melodie: Bugge Wesseltoft, Label: Jazzland Recordings 1998, LC-Nr.: 0699, EAN-Nr.: 731453827820.

Autor: Nein, keiner von uns muss perfekt sein. Du bist geliebt wie du bist, von den Menschen, die dich lieben und von Gott. Und deswegen: Ja! Bleib in Verbindung - egal, was bei dir war und was sein wird! Der Wissenschaftler Hartmut Rosa hat sich aus soziologischer Sicht mit dem Thema ‚In Verbindung Sein‘ beschäftigt. Seine These: Elementare Verbindungen entstehen und bleiben, indem ich Resonanz bekomme und zurückgebe. 

O-Ton-Rosa: Dasein ist in Resonanz sein, in Verbindung treten mit etwas, was uns meint, dass da etwas ist, was von sich aus zu mir spricht

Autor: und oft genug an mir vorbeigeht, weil ich’s nicht wahrnehme oder nicht wahrnehmen will. Weil ich nur mit mir selber beschäftigt und auf mich bezogen bin, oder weil ich der Resonanz misstraue. Meint da wirklich jemand mich?

Hartmut Rosa stammt aus einer Kleinstadt im südlichen Schwarzwald. In seiner späten Jugendzeit hat er dort den Weg zur Kirche und zum Glauben gefunden. Sein Buch „Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung“ ist zu einem der vielbeachteten Sachbücher geworden. Eine seiner Lieblingsgeschichten in der Bibel ist die von den Kindern - Matthäus, Kapitel 18 - wie Jesus die Kinder segnet und zu den Erwachsenen sagt:

O-Ton-Rosa: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.

Autor: Lange Zeit war dem Soziologen unklar, was Jesus wohl damit sagen will, uns, den Erwachsenen.

O-Ton-Rosa: Also er kann nicht meinen, wenn ihr dumm werdet oder naiv oder unfähig oder so etwas. Oder hab oft gedacht: ja, reinen Herzens oder so.

Autor: Aber das allein konnte es auch nicht sein…

O-Ton-Rosa: Bis ich auf mein eigenes Resonanzkonzept kam, und dann dachte ich: ja klar, weil kleine Kinder, und das sagt wirklich die Entwicklungspsychologie, sie sagt es, und sie zeigt es auch: Man muss eigentlich nur mal Kinder beobachten, bevor sie Sprache haben. Da sind sie nicht Verstandeswesen, sie sind nicht Vernunftwesen, sondern sie sind eigentlich reine Bezogenheit, sie sind Resonanz-Wesen. Nicht nur ihre Augen leuchten auf, ihr ganzes Wesen strebt danach, mit einem anderen, der Mutter oder dem Vater in Kontakt und in Resonanz zu kommen. Und ich dachte, ja, vielleicht meint er das: Wenn ihr nicht zu reinen Resonanzwesen, zu Wesen der Bezogenheit werdet, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Autor: In der Beziehung und Verbindung mit Gott kann und wird es immer auch Stillstand und Störungen geben. Da sind Zweifel und Fragen, und nicht immer denke ich daran oder fühle ich, dass Gott mich meint und zu mir spricht. Ähnlich wie in der Beziehung mit Menschen. Zum Beispiel: Wenn Eltern kein Auge auf ihr Kind haben, weil sie nur auf ihr Smartphone schauen.

Aber so ist Gott nicht. Er sieht mich, und er will mich, will Verbindung und Beziehung mit jedem Menschen an jedem Ort. Auch zu dir und zu mir. Auch dann, wenn wir uns auf Irrwegen verrannt und verloren haben, wenn wir uns elend und mies fühlen. Dann, ja genau dann helfen uns das unbändige kindliche Verlangen nach Beziehung und Resonanz und das ungetrübte Vertrauen, nicht enttäuscht zu werden.

Ja, so hat Jesus das gemeint: Wir brauchen kindliche Verbindung mit Gott, dem Vater, im kindlichen Vertrauen, von ihm und seiner Liebe umgeben zu sein.

O-Ton-Rosa: Und diesen Gedanken habe ich später von Theologen ergänzt gefunden um die Idee, dass es bei Gott nicht anders ist. Er braucht auch uns.

Musik 4: „You might say“ von CD New Conception Of Jazz: Sharing.

Autor: Gott wartet auf Antwort, auf Resonanz von den Menschen, die er gewollt und geschaffen hat und die er liebt: jede und jeden von ihnen, grenzenlos und ohne Vorbehalte. Der Politiker Sven Giegold stimmt (gerne) zu. Der zweifache Familienvater ist Abgeordneter der Grünen im Europaparlament. Die christliche Prägung durch die Umgebung, in der er groß wurde, ist ihm wichtig. So auch die Bibel mit ihren Vorstellungen und Vorgaben für das Zusammenleben der Menschen.

O-Ton Giegold: Was ich persönlich ganz großartig finde, ist das Pfingstereignis, wirklich ein Essential der Bibel aus meiner Sicht, das uns heute noch viel zu sagen hat. Es wirkt so unglaublich, alle verstehen alle Sprachen und zeigt so deutlich: Das war nicht eine Religion eines Volkes, sondern eine Religion für alle. Ja, und das sagt doch, das ist doch ein großartiger Fingerzeig, wohin diese Welt sich eigentlich entwickeln sollte, nämlich eins zu werden in Unterschiedlichkeit aber in gegenseitigem Verständnis, weg von den historisch gewachsenen Nationalstaaten, hin dazu, dass der Nationalstaat ergänzt wird um eine Weltgemeinschaft und Weltdemokratie, die getragen ist durch Menschen, die sich eben bewusst sind, dass sie nicht nur Deutsche oder Franzosen oder Chinesen oder Amerikaner und Ecuadorianer und so weiter sind, sondern eben auch Weltbürger.

Musik 5: Track 1 „One world one promise“, von CD Colors, Interpret/Text/Melodie: Freeze 4U, Label: Intermedia 2013, EAN-Nr.: 4026305009988. (3)

O-Ton Giegold: Und da ist das sogenannte Pfingstwunder doch ein ganz irrer Start einer Religion. Das ist großartig.

Autor: Und damit auch Herausforderung und Aufgabe für alle, die an dem Gerüst für ein solches Zusammenleben mit bauen wollen.

Die Bibel: Ein Buch voller Gedanken und Geschichten von Gott und den Menschen. Über die Welt und das Leben, wie es ist und wie es sein könnte. Einen guten Sonntag wünschen der Autor dieses Beitrags, Pfarrer Dietmar Silbersiepe aus Erkrath-Hochdahl, und Traugott Vitz als Sprecher.

Musik 6: Track 10 „God“, von CD Too hot to Freeze, Interpret/Text/Melodie: Freeze 4U, Label: Intermedia 2019, EAN: 9008798291571.

 

Anmerkungen:

(1) http://www.literaturtipps.de/topthema/thema/best-of-bestseller-die-meistgelesenen-buecher.html

(2) Jeremia 29, 13.14

(3) http://www.freeze4u.com/projekte/

 

Redaktion: Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel

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