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Kirche in WDR 5 | 15.03.2019 | 06:55 Uhr

Pumpennachbarschaft

Guten Morgen!

Ein Kollege vom Niederrhein erzählt mir neulich von seiner Idee, aus seiner Kirchengemeinde wieder so etwas wie eine Pumpennachbarschaft zu machen. Ich hatte diesen Begriff noch nie gehört. Und war überrascht, welche Geschichte sich hinter diesem Wort verbirgt: Diese Pumpengemeinschaften gehen auf die vorindustrielle Zeit in unserm Land zurück. Damals war es nötig, vor der Erschließung von Wohngebieten, fließendes Wasser zu haben. Damals gab es in jeder Häusergemeinschaft eine mechanische Wasserpumpe, mit der sich die Anwohner mit Trinkwasser aus dem Grundwasser versorgen konnten. Bevor es Feuerwehren gab, waren es die Pumpennachbarn, die einander bei Bränden halfen und über Eimerketten das Wasser von der Pumpe von Hand zu Hand dorthin brachten, wo es brannte. Die Pumpe stellte, wie in anderen Kulturen auch heute noch – ein soziales Zentrum dar. An der Pumpe wurden Neuigkeiten ausgetauscht und Probleme erörtert. Die Pumpennachbarschaft war eine Gemeinschaft, die in Freud und Leid zusammenhielt. Heute findet man oft auf einem eigens reservierten Grundstücksstreifen nur noch eine liebevoll betreute Pumpe, die manchmal sogar richtiges Grundwasser zieht, mit ein paar Bänken zum Ausruhen. Und es gibt Vereine, die diese Tradition wachhalten durch fröhliche Nachbarschaftsfeste. Eine Kirchengemeinde als Pumpennachbarschaft. Also als eine Gemeinschaft, in der keiner alleingelassen wird. Eine kleine überschaubare Gesellschaft, in der man sich gegenseitig hilft. Und man Zeit hat, zum gemeinsamen Essen und Trinken. Ganz gleich ob die Rechtsanwältin der Metzger oder die Wohnungslose. Diese Vision hat mein Kollege am Niederrhein aus dieser alten Tradition vor Augen. Und in der Tat gibt es eine noch viel ältere Geschichte, die von einer etwas anderen Pumpennachbarschaft erzählt. Auch zurzeit Jesu war es wichtig, in einem Wohngebiet mit Wasser versorgt zu sein. Und wenn man eine Quelle gefunden hatte, baute man dort einen Brunnen. Am Brunnen fand auch damals schon das soziale Leben einer Dorfgemeinschaft statt. Das Wasser wurde dann jedoch nicht mit einer Pumpe, sondern mit Eimern aus der Tiefe des Brunnens geschöpft. Eine anstrengende Arbeit, die damals vor allem die Frauen zu erledigen hatten. Meist am frühen Morgen, wenn es noch kühl war. Als Jesus einmal auf der Durchreise mit seinen Leuten zu einem solchen Brunnen kommt, trifft er dort mitten in der Mittagszeit eine Frau. Jesus plaudert mit dieser Frau. Seine Schüler sind verwundert. Denn das gehört sich für einen Mann und besonders für einen Lehrer nicht, sich mit einer Frau öffentlich zu unterhalten. Doch dieses Gespräch am Brunnen zieht Kreise. Am Ende wird das Leben im ganzen Dorf aus dem diese Frau kommt, zu einer Art Pumpennachbarschaft. Plötzlich geben sie wieder neu Acht aufeinander. Ich finde das eine schöne Vision: Die Kirchengemeinden in unserem Ortsteil als eine besondere Pumpennachbarschaft. Mit Nachbarschaftsfesten, bei denen es was Gutes zu essen und zu trinken gibt. Und mit einem Platz für alle, die suchen. Die nach Quellen suchen, die unseren geistigen und spirituellen Durst löschen. Das kann sehr spannend werden. Und beglückend.

Ihr Pastor Christoph Neumann aus Hemer.

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