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Kirche in WDR 3 | 08.02.2021 | 07:50 Uhr

Riechen

Guten Morgen!

Es ist Winter. In Köln heißt das meist: Es ist nass, kalt und ungemütlich. Ich bin unterwegs und steige in die Straßenbahn. Hier ist es wenigstens etwas wärmer. Ich setze mich auf einen Platz am Fenster. Und dann! Etwas ändert sich. Ich schließe die Augen. Auf einmal wird mir warm. Die Luft schmeckt staubig. Vor meinem inneren Auge sehe ich die stechende Sonne des Südens. Ich sehe bunte Farben auf dem Bazar, Kuppeln und schmale Türme und die Pyramiden. Ich öffne die Augen und sitze immer noch in der Linie 12 Richtung Köln-Zollstock. Auf der anderen Seite - mir schräg gegenüber - sitzt ein junger Mann. Als sich unsere Blicke treffen, nicke ich ihm kurz zu und versuche, mit den Augen über der Maske zu lächeln. Er scheint etwas verwirrt; genau wie ich.

Was war gerade passiert? Erst kann ich es mir selbst gar nicht erklären. Dann merke ich: Hier riecht es nach Ägypten; mitten in Köln; in der Straßenbahn der Linie 12. Meine Nase hat trotz Maske einen winzigen Geruch aufgenommen und sofort bin ich zurück in den Straßen von Kairo. Vor über zwölf Jahren war ich mit einer Gruppe Studenten in Ägypten. Eine Reise voller Eindrücke und voller Gerüche. Und ausgerechnet ein Geruch scheint mir bis heute so intensiv in der Nase zu liegen. Dabei ist er so profan. Ich hatte auf der Reise mein Deo vergessen und das erstbeste im Supermarkt am Flughafen gekauft. Dieser Duft ist für mich der Duft von Ägypten. Dabei hat er sonst so gar nichts mit Ägypten zu tun. Und der Mann in der Bahn, der hatte einfach dasselbe Deo.

 

Es ist verrückt, wie sehr Gerüche in unserer Erinnerung bleiben. Das Parfüm beim ersten Date. Der modrige Geruch im Keller, in dem meine Großmutter bei Luftangriffen kauerte. Die alte Strickjacke ihres Mannes, die die Witwe beim Trauergespräch in den Händen hält.

Mein Kopf weiß sofort was und wen ich gut riechen kann. Tief gespeichert scheinen diese Erinnerungen. Verknüpft mit Bildern, Geräuschen und Gefühlen.

 

Und auch Gott kann riechen. Die Bibel erzählt das an vielen Stellen.

Der Wohlgeruch ist in der Bibel ein Ausdruck einer guten Beziehung zwischen Gott und den Menschen: Weihrauch, Gewürze, Duftöl und Kräuter.

Auch heute hat einiges davon noch einen Platz in den Religionen. Der Weihrauch im katholischen Gottesdienst oder die duftenden Öle bei der Taufe oder der Firmung. Oder in der evangelischen Kirche bei der Tauferinnerung und bei manchen Segenshandlungen. Es sind kleine symbolische Zeichen. Zeichen für meine Beziehung zu Gott. Ein Versuch diese unbegreifliche Beziehung mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

 

Nur sehr sparsam werden solche Düfte eingesetzt. Gerade in der evangelischen Kirche.

Ich denke manchmal, vielleicht ist das Risiko zu groß. Ich kann nie abschätzen welche Gefühle und Erinnerungen sie wecken. Behutsam eingesetzt können sie aber ein Segen sein. Können an die empfangene Zusage erinnern: Du bist Gottes geliebtes Menschenkind. Du gehörst zur Gemeinde, zur Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Du bist von Gott gehalten.

Das kann ich spüren. Mitten im Alltag. Wenn mir in der Straßenbahn ein Duft in die Nase steigt.

 

Ihr Pfarrer Oliver Mahn aus Köln.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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