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Kirche in WDR 4 | 19.08.2019 | 08:55 Uhr

Rituale

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja.

Jeder Mensch hat Rituale. Das ist gut. Rituale, also Handlungen mit einem Symbolgehalt, die sich immer wiederholen, stabilisieren das Leben. Stärken in der Krise. Schaffen Solidarität, Gemeinschaft und Verbindung.

Abends, vor allem an den Wochenenden sitzen Menschen vor der Agneskirche rund um ein Büdchen. Sie holen sich ein Bier oder eine Cola, quatschen miteinander und begrüßen den Abend. Ein Ritual. Vielleicht um eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen.

Mein Montagsritual ist das Laufen. Joggingschuhe an. Runter zum Rhein. Die Kühle des Morgens spüren. Den Herzschlag und die Schritte. Ich lebe. Ich spüre meine Kraft. Wie schön. Die Woche kann kommen.

Auch am Ende des Lebens gibt es Rituale. Mir hat mal jemand erzählt, dass sich die Familie nach dem Tod der Oma im Nebenzimmer versammelt und gemeinsam gegessen habe. Gemeinschaft über den Tod hinaus. Ein schönes Ritual. Ein Grab aussuchen. An Allerheiligen eine Kerze aufstellen. Einen Gedenkstein aussuchen. Rituale der Erinnerung.

Rituale verändern sich. Sie werden individueller. Gerade das Internet schafft interessante und kreative Möglichkeiten für Erinnerungskultur.

Bei uns im Viertel gibt es den Musikproduzenten Ekki Maas. Und der hat ein besonderes Ritual für das Totengedenken geschaffen. Stirbt ein Musiker, der ihn sehr geprägt hat, dann macht er für den eine Coverversion eines seiner bekannteren Songs. Zuletzt, als der amerikanische Musiker Dr. John gestorben ist, hat er dessen Hit „Iko Iko“ neu aufgenommen. „Dr. John ist mein ultimativer Held“ schreibt Maas. „Seine Platte "Dr.John's Gumbo" hat meine Einstellung zur Musik komplett auf links gedreht.“ Grund genug wohl für ein musikalisches Totengedenken. Inzwischen gibt es im Internet eine stattliche Liste mit Coversongs gestorbener Heldinnen und Helden, denen Ekki Maas ein musikalisches Denkmal gesetzt hat: „Please don´t eat the daisies“ - einst gesungen von Doris Day, „I don´t believe you“ von Mark Hollins oder „America“, bei dem der im Frühjahr verstorbene Joe Osborne Bass gespielt hat.

Wo Menschen sich erinnern, da verliert der Tod, das Nichts seine Macht. Wo es eine Erinnerungskultur gibt, wo Rituale der Erinnerung gepflegt werden oder auch neu entstehen – da trotzen Menschen dem Tod, dem Vergessen, dem Nichts. Erinnerung plädiert für die Möglichkeit, dass es weitergehen könnte. Fromm gesagt: In der Erinnerung beginnt Auferstehung.

Und wenn Menschen einander die Geschichten erzählen, wo ein Anderer das eigene Leben geprägt, verwandelt, „auf links gedreht“ hat, wie Ekki schreibt – da erzählen sie davon, wie andere Menschen durch ihr Leben, ihre Kunst, ihr Talent, ihre Liebenswürdigkeit das eigene Leben bleibend – für immer - verändert haben.

Das Leben gewinnt. Die Verbindung bleibt. Schön, dass Menschen das einander zeigen können. Zum Beispiel durch Rituale. Erinnerungsorte. Zeugnisse. Einen Grabstein. Oder durch ein Lied. Auch an einem Montagmorgen.

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