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Sonntagskirche | 11.10.2020 | 08:55 Uhr

Rosenkranz - der ganze Glaube in einer Hand


Wer früher zur Erstkommunion ging, erhielt neben einem Gebetbuch einen Rosenkranz als Geschenk. Mit diesem Geschenk war – unausgesprochen - die Pflicht verbunden, an den Rosenkranzandachten teilzunehmen, die traditionell im Oktober stattfinden. Die Katholiken nannten ihn früher auch den „Rosenkranzmonat“.

Sicher gibt es heute noch Rosenkranzandachten im Oktober; sie bilden aber wohl eher Ausnahmen. In manchen Gegenden Deutschlands wird noch am Abend vor einer Beisetzung der Totenrosenkranz gebetet. Zu sehen ist er noch an der einen oder anderen Ordenskutte. Eine absolute Spitzenposition hat der Rosenkranz aber im Sarg: Bei den Katholiken ist er die mit Abstand häufigste Grabbeigabe.

Ist der Rosenkranz nur noch für die Toten gut? Ohne Frage gehört der Rosenkranz zum Inventar des Christlichen. Als im 3. Jahrhundert die ersten Männer in die Wüste zogen und ein Leben als Mönch suchten, war die Aneinanderreihung von Gebeten bereits bekannt. Die Wüstenväter benutzten zum Zählen Steinchen, Knoten in Schnüren oder auf einer Schnur gereihte Fruchtkerne. Übrigens: Schnüren zum Abzählen von Gebeten sind in allen Weltreligionen bekannt.

Der Rosenkranz, wie er heute noch bekannt ist, hat sich aus alten Mariengebeten entwickelt. Diese Form des Rosenkranzes entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch den Kölner Dominikanerprior Jakob Sprenger. 1475 gründete er in Köln die erste Rosenkranzbruderschaft.

Das Wort „Rosenkranz“ ist vom lateinischen „rosarium“ abgeleitet. Bis in das 13. Jh. hatte dieses Wort nur profane Bedeutung. Es bezeichnete Lyriksammlungen oder einen realen Kranz aus Rosen, den man im Mittelalter gern an Festtagen als Kleidungsstück trug oder als Ehrengabe seiner verehrten Dame schenkte und auch einer Statue der Gottesmutter Maria aufsetzte. Denn als „Rose ohne Dornen“ wurde Maria geehrt. Der Kranz von Gebeten ersetzte mit der Zeit den Blumenkranz, weil nahe lag, dass die Gottesmutter an Gebeten mehr Freude hat, als an welkenden Blumen.

Einen wahren Boom erlebte das Rosenkranzgebet nicht durch eine blumige Veranstaltung, sondern durch einen Krieg. Der Sieg über die Türken in der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 wurde dem Rosenkranz zugeschrieben, denn zum Zeitpunkt der Schlacht beteten in Rom die Rosenkranzbruderschaften um einen Sieg. Der damalige Papst Pius V. (1566–1572) ordnete deshalb für den ersten Jahrestag des Sieges ein Marienfest an. 300 Jahre später bestimmte Papst Leo XIII. (1878–1903) für den Oktober eines jeden Jahres das tägliche Rosenkranzgebet.

Gerne wird der Rosenkranz der Marienfrömmigkeit zugeordnet. Aber: In Wirklichkeit ist er eine biblische Meditation des Lebens Jesu aus dem Blickwinkel der ersten Christin, der Gottesmutter Maria. Die Wiederholungen sind wie das gleichmäßige Fließen eines Stromes. Die Perlen der Gebetsschnüre halten die Betenden im gleichen Rhythmus. Die meditative Gebetsform ist aber kein Gebetsmarathon. Der Rosenkranz ist so etwas wie der ganze Glaube in einer Hand, ein konzentriertes Neues Testament, eine „Blindenschrift der Bibel“ (Kardinal Meisner). Der Rosenkranz ist eine im Volksglauben gewachsene schlichte und zugleich tiefgreifende Meditation, die man durch Einüben erlernen und schätzen lernen kann.

Na klar, Ungeübte brauchen ein bisschen Mut, diese Gebetsform auszuprobieren. Aber Meditation, ob in der Gruppe oder allein, belohnt. Ich bete ihn regelmäßig und ich kann Ihnen sagen: In der Hektik unserer Zeit ist der Rosenkranz eine wohltuende Erholung.

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