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Kirche in WDR 5 | 22.03.2019 | 06:55 Uhr

Scheitern dürfen

Scheitern dürfen

Unser Küchentisch sieht immer aus wie Hulle: Jeder legt dort ab, was er mit nach Hause bringt oder was gerade wichtig ist. Meine Tabletten liegen da, die Beileidskarte für den Trauerfall, die Schularbeit des Sohnes oder der Bogen aus der Fahrschule meiner Tochter. Wer zu uns nach Hause kommt, der muss eigentlich nur einen Blick auf diesen Tisch werfen und er weiß, was gerade bei uns Sache ist. Welche Themen gerade „oben auf“ liegen.

Das heißt aber auch: Da liegen manchmal Sachen, die vielleicht gar nicht so sehr für andere bestimmt sind. Oder die wenig Anlass zur Freude geben. Wenn da also mal nicht die Zweien und Dreien aus einem Test da liegen, die man vielleicht sogar gerne zeigt – sondern eine „Fünf“. Nun ist meine eigene Biographie aber viel zu gebrochen, als dass ich da eine besondere Strenge an den Tag legen dürfte. Um so mehr hat mich deshalb ein Gespräch zwischen meinem Sohn und seinem Freund berührt. Ich habe das eher zufällig mitbekommen. Es ging um schlechte Noten. Der Freund wusste wohl, dass er die letzte Klassenarbeit vergeigt hatte – und mein Sohn war sich ebenso sicher, dass es ihm nicht besser geht. Der Freund überlegte nun, wie er diese Tatsache an seinen Eltern vorbeimogeln konnte. Und meinen Sohn hörte ich da sagen: „Ach weißt du, eine Vier oder eine Fünf – das macht bei uns nichts.“

Wie Recht er damit hatte. Und wie schön er damit zusammengefasst hat, was der liebe Gott auch uns immer wieder sagt: Eine Vier oder Fünf – das macht bei mir nichts. Etwas gewaltig vergeigt zu haben – das macht bei mir nichts. Mal so richtig ins Klo gegriffen zu haben – das macht bei mir nichts.

Selbstverständlich ist das unangenehm. Und ich muss dieses Scheitern, dieses Versagen oder auch das Schlechte, was ich da getan habe, auch nicht schön reden. Aber: Ich muss mir auch keine Sorgen machen, wenn ich alles das auf den großen Küchentisch im Himmel lege. Weil ich darauf vertrauen kann, dass ich auch in diesem Scheitern und Versagen, in dem, was mir nicht gelingt und wo ich das Falsche will und tue – dass ich auch da gemocht und gewollt, geliebt und behütet bin. Ich darf das alles in Seine Hände legen und darauf vertrauen, dass Er das Zerbrochene kittet und das Verwundete verbindet.

Warum ich dieses Vertrauen haben darf? Ach, wissen Sie: Wenn ich so in die Vergangenheit und Gegenwart unserer Kirchen schaue, dann sind da ganz viele solcher Geschichten des Scheiterns und Versagens. Da gibt es ganz vieles, was nicht gut, nicht heil, nicht segensreich war. Da gibt es ganz viele Brüche. Ja, es ist wahrscheinlich sogar so, dass nur die wenigsten Geschichten solche sind, die zielstrebig von der Geburt in die Heiligkeit geführt haben. Diese Geschichten erzählen viel häufiger von Umwegen und von Sackgassen. Aber viel wichtiger als alles das ist eigentlich, dass sie uns damit nicht nur erzählen, dass es keinen Heiligen ohne Vergangenheit gibt – sondern vor allem keinen Sünder ohne Zukunft.[1]

In diesem Sinne: Kommen Sie gut in den Tag! Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden. 


[1]                Der Satz wird unterschiedlichen Urhebern zugeschrieben – meist dem Kirchenlehrer Augustinus. Da ich diese Quelle aber nicht verifizieren konnte, sei auf Oscar Wildes „Eine Frau ohne Bedeutung“ verwiesen. Dort lässt Wilde im 3. Akt Lord Illingworth in einer Auseinandersetzung mit Lady Hunstanton sagen: „Der einzige Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Sünder ist, dass jeder Heilige eine Vergangenheit hat und jeder Sünder eine Zukunft.“

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