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Kirche in WDR 3 | 23.03.2019 | 07:50 Uhr

Die Wahrheit ist...

Die Wahrheit ist …

Elternsprechtag, viele Jahre her: Ich bin guter Dinge. Mein Kind ist schließlich ein tolles Kind. Phantasievoll. Mutig und ehrlich. Gerade heraus. Es ist ausgesprochen sozial, versteht zu vermitteln, wenn es knirscht. Und Gewalt kennt es nicht – Probleme werden besprochen. Mein Kind ist ein tolles Kind.

Dann, beim Elternsprechtag, die Konfrontation mit einer Wirklichkeit, die mich erschüttert: Die Lehrerin redet nicht von „phantasievoll“.  Sondern von „verträumt“ und „verschlafen“. Sie sagt nicht „mutig“ – sondern „frech“. Nicht „ehrlich“ – sondern „undiplomatisch“. Nicht „sozial“ – sondern „angepasst“. Nicht „friedfertig“ – sondern „nervend“, weil immer alles diskutiert wird.

Im ersten Moment bin geschockt. Kann die Art und Weise, wie ich auf mein Kind schaue, tatsächlich so falsch sein? Und so richtig ins Zweifeln komme ich dann, weil ich genügend  Kinder kenne, von denen ich sagen würde: „Da fehlt es an Erziehung.“ Aber wo die Eltern mir sagen, dass sie die besten und tollsten Kinder überhaupt haben. Bin ich da vielleicht gar nicht so anders? Habe auch ich einen etwas verklärten Blick auf die eigene Wirklichkeit? Vielleicht nicht nur auf mein Kind – sondern auch auf mich selbst?

Eine einfache Antwort auf diese Frage habe ich leider nicht gefunden. Aber zwei Dinge helfen mir da immer wieder: Erstens das unerschütterliche Festhalten daran, dass mein Kind zunächst einmal so, wie es ist, gewollt und geliebt ist. Da mag nicht alles perfekt sein. Da mag es auch Baustellen geben, an denen zu arbeiten ist. Aber grundsätzlich steht da erst einmal ein ganz großes „Ja“. Nicht nur zu meinem Kind. Sondern ich bin überzeugt: Der liebe Gott sagt auch zu mir so unbedingt „Ja“. Zu jedem sagt er bedingungslos „Ja“. Ich, Sie – jeder von uns ist gewollt und geliebt.

Und ein Zweites gibt es dann noch. Denn ich bin überzeugt, dass das eine Erfahrung ist, die viele machen: Dass einerseits die Mächtigen der Welt – die Lehrer in der Schule, die Vorgesetzten bei der Arbeit, die Meinungsmacher in der Nachbarschaft – dass die ein Bild von mir haben. Dass die mir mit diesem Bild das Leben manchmal auch ganz schön schwer machen können. Weil sie mir etwas nicht zutrauen – oder mir zu viel zumuten. Weil sie mir etwas unterstellen – oder sich über mich stellen. Aber mich beruhigt eben, dass der liebe Gott mich vielleicht doch ganz anders betrachtet. Dass der sieht, was ich wirklich denke und fühle, was ich kann und was ich will.

Mich hat dieser Elternsprechtag damals an zwei große Fragen herangeführt: Erstens, was ist Wahrheit? Das, was die Mächtigen für wahr erklären? Und zweitens, wer bin ich? Der, für den die Großen und Starken mich halten? Mein Glaube sagt mir da: Ruhig bleiben. Denn da ist eine Instanz, die einen weiteren Blick hat. Da gibt es einen Gott, der alles in den Blick nimmt.

Wissen Sie: Ich bin noch in einer Generation groß geworden, da wurde auf die Kirche geschimpft, weil die mit der Vorstellung vom Jüngsten Gericht den Menschen Angst machen wolle. Ehrlich gesagt: Mir würde es Angst machen, wenn es ein solches Gericht nicht gäbe. Wenn die ganzen Wahrheitsverbieger sich nicht irgendwann rechtfertigen müssten. Wenn nicht irgendwann Recht gesprochen würde. Mir ist klar: Ganz ungeschoren werde ich da wohl auch nicht davon kommen. Weil auch meine Sicht der Dinge ganz sicher nicht immer die richtige ist. Aber die Vorstellung, dass am Ende tatsächlich ein gerechtes Urteil für alle steht und der Richter mich liebt – die ist doch ungemein tröstend und ermutigend, oder?

Ich bin Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden und ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende. 


 

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