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Kirche in WDR 4 | 09.06.2021 | 08:55 Uhr

Schulfreundinnen

Ein Teil meiner Schulzeit habe ich in Franken verbracht, genauer gesagt in Nürnberg und Fürth. Zu meinen Schulfreundinnen hab ich eigentlich keinen Kontakt mehr, nur mit Anja schreibe ich mir hin und wieder, aber wir haben uns seit bestimmt 15 Jahren nicht mehr gesehen. Trotzdem ist sie mir in Erinnerung geblieben, weil mit ihr immer alles so super fröhlich und irgendwie sehr pragmatisch gewesen ist: Der Deutsch-LK, die Partys, das Zusammensein in den Freistunden.

Unser Abi liegt nun 16 Jahre zurück, und kürzlich war ich mal wieder in Franken, meine Mutter besuchen. Es war unendlich kalt, und ich hatte keine Idee, was ich mit den Kindern unternehmen sollte. Und dann hab ich Anja einfach bei Facebook geschrieben: „Sag mal, findest du nicht auch, dass heute der ideale Tag ist, um bei Regen in einen Wildpark zu gehen? Mit den Kindern?“

Ich weiß nämlich, dass sie mindestens auch schon ein Kind hat.

Cool, wie sie ist, hat sie direkt angerufen.

 

Und sie sagte nur lachend: „Saugeile Idee, ich würde total gern, aber ich kann körperlich nicht.“

Darauf ich: „Wieso, hast du gerade ein Kind gekriegt?“

Sie: „nein, aber in vier Wochen kommt das nächste und ich kann mich kaum noch bewegen.“

 

Und so ging das Gespräch weiter. Wir haben so gelacht. Es war wie vor 15 Jahren: schlagfertig, spontan, direkt.

Und dann hat sie gemeint: „Wenn du nächstes Mal kommst, treffen wir uns, und wenn wir einfach nur in einen Drogeriemarkt gehen.“

Das Telefonat ging weiter, es war so kurzweilig. Und es ging eben nicht um das höher, schneller, weiter, dass man oft mit Menschen hat, die man von früher kennt. Sondern es ging um das Konkrete: wie wir mit den Kindern in der Pandemie zurechtgekommen sind, wie schwer ihr das Schreiben der Doktorarbeit gefallen ist. Es war verrückt und herrlich.

 

Und dieser Vorschlag „lass uns einfach in den Drogeriemarkt gehen“ hängt seitdem in der Luft. Weil das - nicht nur seit der Pandemie - eben ein echter Ausflug sein kann, wenn man in der richtigen Gesellschaft ist.

So wie es früher war, wenn ich entspannt um die Häuser zog, mit tollen Freunden, und wir dann nur Platz in einer schlechten Bar gefunden haben - und siehe da: es wurde der perfekte Abend, von dem wir bis heute erzählen.

Und Anja ist einfach auch so eine tolle Gesellschaft - auch heute noch, wo wir nach eineinhalb Jahrzehnten so ehrlich miteinander sprechen, wie es im Leben selten ist. Über das älter werden, das müde sein - und trotzdem mit einem Humor, dass ich Tränen lachen muss.

Oft ist das Zurückblicken ja anders: das früher steht im Zentrum: wer ist mit wem glücklich geworden? Wer ist schon geschieden? Wer hat sich geoutet?

In dem Telefonat ist mir klar geworden, weshalb ich Anja immer so besonders geschätzt habe. Weil sie nicht vergleicht. Sie bleibt bei sich, sie macht andere groß.

Trotzdem haben wir jetzt wieder lange nix voneinander gehört. Das zweite Kind ist längst geboren.

Und ich hab eben einfach nur einen leisen Segen gesprochen, dass es ihm und seiner Mama gutgehen soll. Weil sie beide einfach große Gottesgeschenke sind.

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