Aktuelles

Beiträge auf wdr3 

evangelisch

Kirche in WDR 3 | 25.10.2019 | 07:50 Uhr

Schutzengel

Guten Morgen!

Zuerst fällt mir das rosa Stoffding auf, vorne auf der Karte. Eine Figur mit Tüllkleid, roten Bäckchen, Knopfaugen und zwei Drahtschleifen, die hinter auf dem Rücken hervorglitzern.

„Sieht ein bisschen wie Lillyfee aus, der Gute“ - denke ich - „Aber vielleicht ist es auch eine sie?“ Ich klappe die Karte auf und lese:

„Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen und auf den Händen tragen.“ Eine Karte zur Geburt eines kleinen Mädchens. Das liegt jetzt so winzig im Maxicosi in meinem Arbeitszimmer. Ihre Eltern haben sie mitgebracht zum Taufgespräch. Und der Spruch von den Engeln, der soll ihr Taufspruch werden.

„Ja, das wünscht man sich, nicht wahr, dass einer aufpasst, wo man selbst nicht da ist“, sage ich. Und der Vater ergänzt: „Und festhält, wo Du sie loslassen muss.“  – Er  guckt rüber zu seiner Frau und dann zum Maxicosi. Und ich denke an die vielen OPs, die das Kind, so klein wie es ist, schon durchmachen musste - und die Eltern eben auch.

„Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen und dich auf den Händen tragen.“ (Psalm 91 Vers 11)

Viele, fast alle Eltern, die ihr Kind taufen lassen, suchen sich diesen Spruch aus und gewiss geht es da nicht um das bisschen Glitzer und Feenstaub, sondern es geht ums Ganze. Um Gott, der da ist: im Operationssaal und am Stauende hinter einer Kurve, der da ist zwischen den Fugen unseres Könnens und Versagens, der einspringt in die Lücken, die wir lassen und die wir reißen - oder es eben nicht tut.

Denn – und genau das macht es so schwer mit den Engeln - so wahr die Erfahrung von Rettung und Schutz ist, so bitter wirklich ist oft auch das andere: Das Fehlen Gottes und seiner Engel, wie wir sie erhoffen und sie gerade jetzt bräuchten.

In der Bibel, da ist der Vers von den Engeln, die Gott zum Hüten und Tragen ausschickt, zweimal überliefert. In Psalm 91 und dann noch einmal, nachdem Jesus als Erwachsener getauft wurde. Da hat ihn - so wird erzählt - gleich darauf der Teufel heimgesucht und versucht, ihm Gott auszureden und ihm die Lust an der Macht einzuflüstern. Und Jesus muss alleine klar kommen – ganz ohne himmlischen Beistand.

Engel lassen sich in dieser Geschichte erst blicken als alles vorbei ist. Oder sind jedenfalls dann erst zu sehen. (Matthäusevangelium Kapitel 4 Verse 6+11).

Es gibt ein Engelsgedicht von Günther Grass, das mir viel bedeutet. Es kommt ohne Glitter aus, aber nicht ohne Brüche. Von zerdepperten Scheiben handelt es und von durchkreuzten Plänen, von Enttäuschungen und von Stürzen ins Ungewisse - und von dem, der auch dann noch trägt.

Das Gedicht heißt „Mein Schutzengel“: 

„Er schüttet mich aus:

das Kind mit dem Bade

 

Ich springe nicht gerne:

wer springt fällt in Gnade

 

Soviel ich auch stemme:

er zinkt die Gewichte.

 

Will ich mit der Tante:

beschützt er die Nichte

 

Zerwerfe ich Scheiben:

er handelt mit Kitt.

 

Und geh ich verloren:

mein Finder geht mit.“

 

(Günther Grass, Lyrische Beute, Steidl Verlag, Göttingen 2004, Seite 117.)


Einen behüteten Tag wünscht Ihnen,
Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

 

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen