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Kirche in WDR 4 | 18.06.2021 | 08:55 Uhr

Schweige und höre

Guten Morgen,

ich kann sie einfach nicht mehr hören, diese Unheilspropheten. Auch jetzt, da es manchmal bessere Aussichten gibt, frage ich mich oft: Wann kommt die nächste Hiobsbotschaft? Oder: Welcher Unheilsprophet kommt morgen um die Ecke? Ich glaube, so haben die Menschen damals vor fast 3000 Jahren auch auf den Propheten Amos reagiert. Er - Schafzüchter und Maulbeerfeigenzüchter aus Tekoa -hat sich seine Aufgabe nicht selbst ausgesucht. Gott hat ihn auf seinen Weg geschickt. Und so zieht er durch Dörfer und Städte im Nordreich Israels, um den Menschen das absehbare und endgültige Aus zu verkünden.

 

Sprecher: „Ihr seid zu ungerecht untereinander“, „Ihr habt Gott vergessen“, „Ihr beleidigt Gott mit eurem Handeln und mit euren Gottesdiensten“.

 

Autorin: Das hatten schon viele vor Amos gesagt, aber auf sie hatte niemand hören wollen. Es ist ja auch bequem so. Ich kann die Menschen verstehen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, schwertun mit Veränderung. Hinzu kommt, dass ich oft auch gar nicht gut beurteilen kann, wer Recht hat und wer nicht. Manchmal frage ich mich, was Amos mir heute sagen würde.

 

Sprecher: Schweige und höre. Schweige und höre. Und steh zu deiner Unfähigkeit. Gib endlich zu, dass du nichts zu sagen hast.

 

Autorin: Eigentlich ist es doch meine Devise: Reden nur aus gutem Grund. Redselig - es fallen mir sofort einige Besserwisser ein und Vielredner, selbsternannte Propheten auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt, Influencer in den sozialen Medien oder Politiker, die es immer wieder in die Nachrichten schaffen. Soll ich denen denn das Feld überlassen? Ich kann es nicht hören, was Amos da sagt. Schweige und höre. Wenigstens Widerspruch will ich mir erlauben.

 

Sprecher: Schweige und höre. Schweige und höre. Und steh zu deiner Unfähigkeit. Gib endlich zu, dass du nichts zu sagen hast. Nichts über Gott und nur wenig über die Welt.

 

Autorin: Gott hatte den Propheten Amos auf den Weg geschickt, um das Ende des Nordreiches des damaligen Israels anzusagen. Er wollte die Menschen wenigstens gedanklich darauf vorzubereiten, dass es kein Ausweichen gibt.

Für heute gilt: Wie unser Ende kommen wird, wie das Ende der Welt oder wann, wir wissen es nicht. Aber dass es kommt, das ist sicher.

 

Sprecher: Mensch, du bist endlich. Und deine Fähigkeiten sind begrenzt. Schweige und höre.

 

Autorin: Angst vor Gott muss ich keine haben. Denn ich kenne so viele biblische Geschichten, in denen ich Gottes Liebe spüre, Gottes Fürsorge, Gottes Begleitung und Schutz. In der konkreten Situation der Bedrohung. Und ich kenne so viele biblische Geschichten, die von Gottes Barmherzigkeit erzählen.

Befreit aber von Angst kann ich die Ansagen des Propheten Amos gut und ganz neu hören. Denn: „In Zeiten von Autokraten und selbst ernannten Machtmenschen ist allein der Gedanke von Gott als Richter, der sich an seine eigenen Gesetze hält, ja schon ein kritischer Kommentar zur Zeit.“ (1) Genau hinzuhören hilft sehr.

 

 Meint Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.

 

 (1) Bahr Petra, Das große Verschwinden. In: DIE ZEIT 48/2018.

 

  

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

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