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Kirche in WDR 5 | 04.08.2020 | 06:55 Uhr

Sichtbar oder unnütz?

Gestern Abend habe ich lange mit meiner Freundin aus Schweden telefoniert. Sie arbeitet in einer Kirchengemeinde einer schwedischen Großstadt. Helene macht dort vor allem Familien- und Jugendarbeit. Und in Schweden wie auch hier liegt seit der Coronakrise fast alles brach. Keine Schulgottesdienste, keine Kinder- oder Jugendgruppen oder ähnliche Aktivitäten. Stattdessen kaufen die Kirchenmitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Menschen ein, die wegen einer Infektionsgefahr das Haus nicht verlassen sollen oder wollen. Dafür fahren sie viele Kilometer pro Tag. Wir kamen ins Gespräch darüber, wie Kirche in dieser Krisenzeit wahrgenommen wird. Einen Gedanken von Helene fand ich stark. Sie sagte:  „normalerweise machen die Kirchen ihre Türe bei einer Krise ganz weit auf. Aber jetzt machen wir sie zu. Keiner darf rein. Und es ist gar nicht so schlecht. Wir werden wieder wahrgenommen. Weil wir draußen sind. So viele Menschen zeigen uns ihre Dankbarkeit und Freude darüber. Das ist mehr, als wir sonst bekommen, wenn wir einen Gottesdienst anbieten.“

Helene und ich waren uns einig, dass dies unser Bild von Kirche heute ist. Wozu brauchen wir noch zu viel Formalität und Feierlichkeit. Ja, manchmal ist es schön sie zu erleben. Bei besonderen Festen zum Beispiel: da mag auch ich die Gottesdienste mit allem Drum und Dran. Aber, die Krise hat mir gezeigt, dass  man auch ohne große Kirche, eine Feier sehr spirituell und dicht feiern kann. An Ostern habe ich es selbst erlebt. Es gab keine Gottesdienste. Also haben wir hier im Kinderdorf in Waldniel selber einen gefeiert nur wir als Kinderdorffamilie. Mit Osterfeuer und Fladenbrot, mit Osterkerze und dichten Texten aus der Bibel. Unglaublich war das. Selbst die Neunjährige, die sich schon mal schnell in der Kirche langweilt, sagte, dass es wie Weihnachten sei – so schön! Und damit meinte sie die Stimmung und das Besondere.

Gott war uns nahe.

Wie geht es nach Corona weiter mit der Kirche. Ich finde, an vielen Orten wurden wunderbare Neuanfänge gemacht. Und die sollten unbedingt erhalten bleiben. Es wird schön sein, wieder in vollen Kirchen gemeinsam zu singen und zu beten – schöne Liturgie zu feiern. Aber bitte, erhalten wir uns auch die Kreativität, Glauben zu leben und sichtbar zu machen. In neuen Formen. Über das Internet, in häuslicher Gemeinschaft, im Garten, im Autokino oder wo auch immer. Von mir aus auch ohne Priester, die wird es sowieso immer weniger geben. Bei meiner Freundin in Schweden ist das alles schon viel sichtbarer, als bei uns – da ist die Kirche eine kleine Schar, aber sehr kreativ und aktiv: Mit Frauen und Männern, Jungen und Alten. Als Gemeinschaft – ohne Hierarchie, ohne Diskriminierung. Als Glaubensgemeinschaft im Dienst für die Welt. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Und so hoffe ich, die Kirche behält sich die Offenherzigkeit und Hilfsbereitschaft anderen gegenüber- egal welcher Hautfarbe oder Religion. Eine Kirche, die „draußen bleibt“, wie meine Freundin das sagte, die wird spüren, dass Gott ihr nahe ist. Da bin ich mir sicher.

Einen schönen Tag, wünsche ich ihnen, Ihre Sr. Jordana Schmidt. Von den Dominikanerinnen von Bethanien aus Waldniel.

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