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Kirche in WDR 3 | 07.07.2020 | 07:50 Uhr

Singen macht Heil

Heute ist Dienstag. Schönen guten Morgen. Dienstag bedeutet normalerweise: Probe vom Kirchenchor. In Zeiten von Corona natürlich undenkbar – bis auf weiteres ist die Chorprobe abgesagt.
Und ich muss sagen, ich vermisse sie wirklich schmerzlich. Das überrascht mich selbst ein bisschen, denn wie oft bin ich müde und genervt dienstags von der Arbeit gekommen und hatte eigentlich keine besondere Lust meinen Feierabend im Gemeindehaus zu verbringen. Da wo die Stühle immer schon so ordentlich in Reih und Glied stehen, wenn ich leicht verspätet ankomme. Wo der Chorleiter erwartungsvoll am Klavier sitzt, wenn grad noch die letzten Noten verteilt werden.
Wie oft habe ich mich auf meinen Platz gesetzt und gedacht: Hoffentlich geht die Zeit schnell rum, ich will eigentlich nur nach Hause.

Und jetzt, wo ich dienstags nicht zur Probe gehe, fällt mir auf, wie sehr mich das gemeinsame Singen jede Woche aufs Neue aufgeladen, fast schon heil gemacht hat.

Ich erinnere mich heute daran, wie ich während der Chorprobe oft gedacht hab‘, ich bestünde nur aus meiner Stimme, die unbedingt die Töne treffen will. Und aus meiner Atmung, die sich, ja ganz anders als im normalen Leben, komplett nach Atemzeichen auf dem Notenpapier richtet. Oder aus meinen Augen, die die Notenabfolge lesen und den Blick nicht abwenden wollen, denn sie wissen, dann geht’s schief. Und natürlich aus meinen Ohren, die dem Klavier, meiner Stimme, der Stimme meiner Mitsänger zuhören.

Wann in meinem Alltag bin ich sonst so fokussiert?
In der Chorprobe sind alle Sinne gefragt, und ich kann zwei Stunden lang, selbst wenn ich wollte, an überhaupt nichts anderes denken als das Singen.

Außerdem kommt bei den Proben immer so ein Gefühl von „aufgehoben sein“ auf.
Ich habe, wie alle im Chor, einen angestammten Platz. Rechts von mir sitzt Anne, hinter mir Sabine. Beiden höre ich gerne zu. Und wir sind zusammen eine ganze Gruppe von Frauen derselben Stimmlage. Und genauso geht es auch allen anderen, die im Bass oder im Tenor ihre Einzelstimme einüben. Alle haben einen festen Platz in ihrer Gruppe. Das fühlt sich richtig gut an.

Und dann ist da dieser Moment, wenn wir als Chor bei einem neu eingeübten Lied endlich den ersten vierstimmigen Versuch wagen. Wenn der Chorleiter sagt: So, jetzt stehen wir mal auf, Konzentration, wir versuchen das jetzt mal zusammen.
Das ist jedes Mal so besonders, wenn alles Einzelne zu einem Gemeinsamen wird.

Singen im Chor, das macht mich tatsächlich heil. Ich erinnere mich an die vielen Dienstagabende, an denen sich wie von Zauberhand meine Nervosität und Angespanntheit in Luft aufgelöst hat. Nach der Chorprobe bin ich immer irgendwie leichter nach Hause gegangen.

Weil ich wieder mal erleben durfte, dass ich Teil eines Ganzen bin. Dass ich meinen festen Platz habe, dass es auf mich und meine Konzentration ankommt, dass ich wichtig bin. Aber auch, dass nicht alles allein auf meinen Schultern liegt, dass ich auch mal abgeben kann und getragen werde.
Dass wir nur zusammen etwas richtig Schönes hervorbringen.
Ich freue mich am heutigen Dienstag sehr auf den Tag, an dem all das wieder möglich sein wird.

Ihre Verena Tröster
- heute mit besonderen Grüßen an den Kirchenchor St. Cäcilia in Köln Langel.

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