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Hörmal | 19.05.2019 | 07:45 Uhr

Singen- mein Freiraum

Ich bin elf Jahre, mein Vater sitzt am Schreibtisch und legt eine Kassette ein. Unglaublich. Diese Stimme! Whitney Houston singt aus tiefster Seele: I will always love you. Und sie trifft mich – mitten ins Herz. Ich will, dass sie nicht aufhört.

Eine Woche später habe ich meine eigene Kassette und höre das Lied in Endlosschleife. Ich singe es sogar selbst– aber nur wenn ich Baby sitte – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 

Meine Eltern sagen, früher hätte ich auch gesungen – vor dieser legendären Begegnung mit Whitney. Trotzdem: Für mich hat an diesem Tag etwas Neues angefangen. 

Ich habe angefangen, zu singen. Erst habe ich ein Lied tausend Mal gehört, dann habe ich es tausend Mal gesungen. Erst nur Lieder von Whitney Houston, dann auch von Mariah Carey und anderen Stars aus Pop, Jazz, Folk und Country. Aber: Ich habe nur gesungen, wenn ich allein war: ganz alleine zu Hause im großen Wohnzimmer. Sobald ich den Schlüssel in der Haustür gehört habe, habe ich die Stereoanlage ausgemacht und bin schnell zurück in mein Zimmer. Verrückt, oder! Ich habe ja schließlich nichts Verbotenes getan, aber ich habe partout nicht gewollt, dass mich jemand hört. Irgendetwas etwas über meine Stimme sagt oder die Musik, die ich so geliebt habe. 

Singen – das ist meins. Das gehört mir ganz alleine. Ich will keinen Druck, ich will meine Stimme nicht wie ein Instrument lernen und beherrschen. Wenn ich singe, dann ist alles andere nicht mehr da. Nur noch ich, jeder einzelne Ton und die Melodie. Manchmal noch einzelne Wörter des Songs. Mehr nicht und doch so viel.

 Wenn ich alleine singe, dann weiß ich, das ist jetzt nur für mich. Ich singe auch keine frommen Lieder, ich bin in keinem Kirchenchor. Ich engagiere mich anders, setze mich für Menschen ein als Pfarrerin. Damit ich das kann, brauche ich etwas, das absolut nichts mit Anderen zu tun hat, keinen noch so guten und schönen Zweck erfüllt – einen Raum, in dem ich wirklich frei bin von meinen eigenen Erwartungen, den Ansprüchen anderer. 

Ich glaube, Gott hat mir im Singen diesen Freiraum gegeben und ich glaube, dass Gott will, dass jeder Mensch diesen Freiraum auf seine Art erlebt. Jeder hat vielleicht was anderes, einige zeichnen, andere fotografieren oder kochen oder gehen in den Garten, nur für sich. Ich glaube, wenn wir das tun, dann erleben wir ein Stück davon, was Gott will. Nicht umsonst hat er den siebten Tag als frei erklärt. Dieser Tag ist heilig – da ist alles anders, ein Tag, ein Freiraum nur für uns. Heute ist so ein Tag! Genießen Sie ihre Freiräume, die Gott Ihnen gegeben hat.

 

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