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Kirche in WDR 3 | 01.05.2021 | 07:50 Uhr

Solidarität ist Zukunft

Guten Morgen,

wenn heute nicht eh schon Wochenende wäre, dann hätten viele Menschen frei. Denn heute ist der 1. Mai, der Tag der Arbeit. Eigentlich irgendwie widersprüchlich – frei und Arbeit – aber egal. Wichtig ist, dass es diesen Tag gibt, und zwar nicht nur als einen Feiertag der Gewerkschaften, sondern als einen Gedenktag, bei dem es um das Rechte Verhältnis von Mensch und Arbeit geht.

Zulange war der Mensch nur für die Arbeit da, wurde ausgebeutet. Und leider gibt es solche Ausbeutung heute immer noch: Ich denke an die Minenarbeiter in Südafrika oder die Näherinnen in Indien, die für einen Hungerlohn arbeiten. Ich selbst bin engagierter Gewerkschafter und dazu Christ. Allerdings muss ich auch feststellen, dass das Verhältnis von Kirche und Arbeiterschaft geschichtlich gesehen nicht immer unproblematisch war, sondern eher gestört.

Noch 1975 stellten die deutschen Bischöfe in einem gemeinsamen Dokument selbstkritisch fest: „Den Arbeitern das Recht zuzuerkennen, ihre berechtigten Forderungen notfalls im Arbeitskampf durchzusetzen, fiel und fällt heute noch vielen Priestern und Laien schwer.“[1]

Von einer Entfremdung und einem fortwirkenden Skandal ist in dem Dokument die Rede. Umgekehrt wurde ein wirklichkeitsgetreues Verständnis für die gesellschaftlichen Probleme der Beschäftigten gefordert. Und wenn ich es richtig betrachte, dann gibt es doch viele Berührungspunkte und gemeinsame Interessen von Kirche und Arbeiterschaft: Beide setzen doch auf Solidarität. Und für beide steht der Mensch im Mittelpunkt – unabhängig von seinem sozialen und rechtlichen Status – unabhängig von Klasse, Rasse, Nation oder Geschlecht. Dieses Menschenbild ist wie ein großes Versprechen und verpflichtet, sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Mensch darf dem andern doch nicht egal sein. Niemand darf doch nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht sein. Bemerkenswert ist für mich, dass sowohl im Neuen Testament wie im Grundsatzprogramm des Deutschen Gewerkschaftsbundes dieses Menschenbild verankert ist, das von allen eine Solidarität einfordert.

Und als Grund dafür gilt eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Der Mensch ist ein Sozialwesen. Er kann ohne andere Menschen nicht leben.

Keiner hat sich nach der Geburt selbst gefüttert, sondern war auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, um überleben zu können. Keiner kann aus sich heraus sprechen, sondern nur weil er zuvor angesprochen wurde. Und auch im weiteren Leben gilt: Manchmal braucht man Hilfe von anderen, und manchmal ist man selbst derjenige, der zur Hilfe gerufen wird.

Der 1. Mai ist eben nicht nur ein Tag der Parolen. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung und praktisches Tun. Wie schwierig das ist, zeigt sich zum Beispiel in der Altenpflege. Die Caritas wirbt für eine Aufwertung sozialer Berufe, verweigert aber einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag. Der hätte für die gesamte Pflegebranche Mindestniveaus etwa für Gehälter und Urlaubsansprüche definiert.

Wohl gemerkt: Die Beschäftigten der Caritas haben einen Tarifvertrag, bei anderen, privaten Anbietern, gilt der nicht.

Meine Empfehlung: Zurück an den Verhandlungstisch. Es geht doch um das Gemeinwohl, um soziales und wirtschaftliches Miteinander, um Geben und Nehmen.

Tarifverhandlungen sind eben nicht nur ein Wunschkonzert, sondern es müssen Kompromisse gefunden werden.

Und wenn ich die Botschaft Jesu ernst nehme, dann steht der Mensch im Mittelpunkt. Das gilt für Arbeitgeber und Beschäftigte.

Am Tag der Arbeit grüßt Sie Hans Ulrich Nordhaus aus Cappenberg.


[1] Beschluss: Kirche und Arbeiterschaft Zugriff am 1.03.2021 unter: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Synoden/gemeinsame_Synode/band1/synode.pdf

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