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Choralandacht | 02.03.2019 | 07:50 Uhr

„Sonne der Gerechtigkeit“ (eg 262)

Musik 1: Choral 1. Strophe

Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.

Autorin: Am 30. Januar 1933 wurde er zum Reichskanzler ernannt. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Von den Kanzeln der evangelischen Kirche, die sich die Deutschen Christen nannte, hörte das Volk nun lauter Lobhudeleien auf den Führer Adolf Hitler. Dagegen sangen und beteten die Mitglieder der Bekennenden Kirche „Sonne der Gerechtigkeit“ Nur von Gott erhofften sie sich noch Gerechtigkeit und Heil:

Autorin: Am 31. Mai 1934, gut ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers, verabschiedeten die Delegierten der Bekennenden Kirche die Barmer Theologische Erklärung. Sie wurde richtungsweisend für eine Kirche, die im Sinne Jesu Christi leben wollte, auch in der Zeit des Nationalsozialismus.

Musik 2

Autorin: Die Barmer Theologische Erklärung entstand aus einer Vielstimmigkeit heraus. Denn in Wuppertal-Barmen kamen Delegierte aus ganz unterschiedlichen evangelischen Kirchen zusammen. Sie diskutierten sehr intensiv Um sich am Ende doch eindeutig zu bekennen zu dem, was sie verbindet.

Musik 2

In dieser Zeit und in ganz ähnlicher Vielstimmigkeit entstand das Lied ‚Sonne der Gerechtigkeit‘. Otto Riethmüller hat viele verschiedene Stimmen unterschiedlicher Textdichter aus verschiedenen Zeiten und Lebensräumen gesammelt und den einzelnen Bitten jeweils das ‚Erbarm dich Herr‘ hinzugefügt. Vielstimmigkeit gegen die einfachen, allzu einfachen Antworten und Versprechungen der Nationalsozialisten.

Musik 1: Choral 2. Strophe

Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, dass sie deine Stimme hört, sich zu deinem Wort bekehrt. Erbarm dich, Herr.

Autorin: Vielstimmig wird es zugegangen sein damals, wenn sich Jugendliche trafen in den evangelischen Gemeindehäusern, in denen Otto Riethmüller Pfarrer war. Der konnte gut mit ihnen umgehen und sie bei ihrem Erwachsenwerden im Glauben begleiten. Ab 1928 arbeitete er in Berlin. Bald aber merkte er sehr deutlich, wie leicht sich auch Jugendliche für die Lichtgestalt Adolf Hitler begeistern ließen. Dagegen wollte er sie stark machen. Das wurde sein Hauptanliegen. Die Beschäftigung mit den biblischen Texten und das Singen neuer Lieder war für ihn dabei das Wichtigste. Viele Jugendliche, die ihn kennenlernten, blieben gerne dabei. Leider nicht alle.

Musik 1: Choral 3. Strophe

Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann; sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt. Erbarm dich, Herr.

Autorin: Heute wie damals versuchen Gruppen Jugendliche für sich zu gewinnen, mit verächtlichen Aussagen, durch Manipulation, durch scheinbar kluge Sprüche oder falsche Versprechungen. Heute wie damals versuchen sie, den christlichen Glauben für sich zu nutzen und behaupten z.B., das christliche Abendland retten zu wollen. Ich frage mich: Wer überhaupt ist in der Lage, etwas zu retten? Und was soll da wozu vor wem gerettet werden?

Musik 1: Choral 4. Strophe

Tu der Völker Türen auf; deines Himmelreiches Lauf hemme keine List noch Macht. Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.

Autorin: In meinem evangelischen Religionsunterricht geht es ziemlich vielstimmig zu: Da sind Jugendliche, die sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagieren. Es gibt Jugendliche, die sich als nicht-gläubig bezeichnen. Sie sitzen neben anderen, die sich als sehr stark gläubig bezeichnen. Jugendliche, die ihre familiären Wurzeln in Afrika haben und Muslime sind dabei, drei Jugendliche singen manchmal im Kirchenchor mit, ein Hindu ist dabei, alle waren sie schon mal zum Gottesdienst bei uns in der Kirche, viele sogar in Taizé. Wir haben darüber gesprochen, welche Bedeutung der christliche Glaube und die Kirche für sie haben. Marco sagte: „Kein Mensch hat das Recht, sich als göttliche Instanz aufzuspielen.“ Und Morena fügt hinzu: „Der Glaube an Jesus Christus schützt davor, anderen zu viel Glauben zu schenken.“ Für Tamara ist die Jugendgruppe wichtig. Sie sagt: „Weil man da die Möglichkeit hat, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, auch über religiöse Themen, wozu man im normalen Alltag vielleicht nicht so kommt.“ Frederick klärt diese Fragen lieber im Religionsunterricht und genießt es, in der Kirche Freunde zu treffen und gemeinsam was zu machen.

Musik 1: Choral 5. Strophe

Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, und lass reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen sä'n. Erbarm dich, Herr.

Autorin: Wer Vielstimmigkeit verbietet, damit er der eigenen Meinung Gehör verschaffen kann, der oder die handelt gegen den Willen Gottes. Denn schon in einer der ersten christlichen Gemeinden war klar, bei der Taufe geht es um die Einheit, die Unterschiedlichkeit und Vielfalt verbindet:

Sprecher: Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Autorin: Das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen funktioniert nicht immer reibungslos. Das weiß auch schon der Apostel Paulus. Er vergleicht die christliche Gemeinde mit einem Körper. Es gibt viele Glieder, die unterschiedliches können, aber nur zusammen sind sie ein Leib.

Sprecher: (…) Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib! So gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib! So gehört es doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.

Autorin: Wenn wir im Chor vielstimmig singen, dann ist das nicht immer leicht. Manchmal treffen Töne zusammen, die sich reiben. Dann frage ich mich schon, ob ich gerade richtig bin. Meistens sind die Reibungen gewollt und lösen sich bald wieder in wohlklingende Harmonien auf. Beim Chorsingen musste ich lernen, die eigene Stimme stark zu machen und gleichzeitig gut auf die anderen zu hören.

Musik 1: Choral 6. Strophe

Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft. Erbarm dich, Herr.

Autorin: Leicht war es noch nie, sich für das Miteinander der Verschiedenen einzusetzen. Schließlich soll wahr werden, wovon die ganze Menschheit träumt: Frieden. Klar, es gibt ja auch so viele nicht-friedliche Orte. Aber eines Tages werden sie friedlich wirken, himmlisch, paradiesisch. Und es wird vielstimmig zugehen. Dann, wenn wir einmal alle gemeinsam am Tisch sitzen im Reich Gottes, wo dann die Sonne der Gerechtigkeit scheint, von der wir heute noch träumen müssen.

Hin und wieder klingt aber auch hier schon etwas an davon: wenn Menschen mit Worten um Wahrheit ringen, wenn sie um der Gerechtigkeit willen ihre Stimme erheben oder: wenn sie vom Frieden singen.

Musik 1: Choral 7. Strophe

Lass uns eins sein, Jesu Christ, wie du mit dem Vater bist, in dir bleiben allezeit heute wie in Ewigkeit. Erbarm dich, Herr.

Musikangaben

Musik 1

Büro-Archiv 081,

WDR-Archiv: 51409841

CD-Titel:Choräle für die Kirche

Track-Titel:Sonne der Gerechtigkeit

Track-Nr.Track 7

Komponist:unbekannt

Texter:unbekannt

Chor:Vokalensemble Sennestadt

Leitung:Dorothea Schenk

Verlag:WDR-Kompilation

LC-Nr.:---

Label: Z2323 Eigenproduktion

Länge der verwendeten Musik:3:17

Musik 2

Büro-Archiv 148,

CD-Titel:Choräle auf sechs Saiten, Du meine Seele singe

Track-Titel:Sonne der Gerechtigkeit

Track-Nr.8

Komponist:1566 böhmische Brüder, Bearb.: R. Börner

Texter:C. David

Leitung:Andreas Claus

Verlag:cap!-music

Bestell-Nr.: 07371

LC-Nr.:06860

Label: cap!-music

EAN:4021934117943

Länge der verwendeten Musik: 0.33

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