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Kirche in WDR 5 | 26.10.2019 | 06:55 Uhr

Sonntagsfrage

Guten Morgen!  

Als Kind hatte ich manchmal eine beunruhigende Vorstellung; die Vorstellung nämlich, der Himmel könnte so etwas wie ein ewiger Sonntagnachmittag sein.

Eine Zeit also, zu der sich draußen niemand zum Fußballspielen findet und an dem sich drinnen in zu engen Wohnzimmern viele Erwachsene zu lange, und manchmal auch zu laut über Politik oder andere Erwachsenendinge unterhalten.

In so einen Himmel, da wollte ich lieber nicht...

Mittlerweile gibt es Tage und Zeiten, die ich beunruhigender finde als den Sonntag. Und für eine Weile da hing über meinem Schreibtisch eine Postkarte, die mich unter der Woche an genau diesen Tag erinnern sollte.

Sie zeigt ein Bild des amerikanischen Malers Edward Hopper; es heißt „Early Sunday Morning“.

Früher Sonntagmorgen. Zu sehen ist eine Ladenstraße, menschenleer, mit geschlossenen Geschäften, Schaufenster mit unleserlicher Reklame, ein Hydrant auf dem Bürgersteig, halbheruntergelassene Rollos – sonst nichts.

Auf den ersten Blick ist das ein ziemlich totes Bild. Aber wenn du genau hinsiehst, dann siehst du – nein, nichts wirklich anderes und schon gar nichts Neues – aber du siehst dasselbe anders.

 

Auf die Fenster, den Hydrant und den Bürgersteig, da fällt in Hoppers Bild das Licht einer warmen wohl gerade aufgegangenen Sonne. Und dies Licht taucht alles in eine eigenartige Schönheit.

Obwohl – oder weil?– da doch so gar nichts los ist. Obwohl - oder weil - da gar nichts Schönes und Glänzendes zu sehen ist.

Und je länger du hinschaust, desto mehr ist da das Gefühl, dass in diesem Bild, an diesem Morgen, diese Straße und die Dinge auf ihr irgendwie in Ordnung sind - und die Menschen, die vielleicht hinter den Fenstern in ihren Betten liegen auch.

In Ordnung ganz ohne Geschäfte und Geschäftigkeit. Und du vermisst überhaupt nichts.

Early Sunday Morning. Früher Sonntagmorgen. Edward Hopper hatte für dieses Bild übrigens einen anderen Namen vorgesehen. ‚7.th Avenue Manhattan Shops’, wollte er es nennen. Aber bei seinen Freunden und den Galeristen New Yorks und später in der Kunstwelt hat sich - ohne, dass dies je beschlossen worden wäre - dieser andere Name durchgesetzt.

Früher Sonntag Morgen – Early Sunday Morning. Warum eigentlich?

Kann es nicht auch ein früher Montag- oder ein früher Samstagsmorgen sein, an dem eine Stadt, eine Straße in so einem Licht daliegen?

Über den Anfang, den Gott mit der Welt gemacht hat, heißt es in der Bibel:

„Und Gott vollendete am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag“ (1. Mose 2,2+3)  

 

Ein Tag, ein Morgen – getaucht in Ruhe-spendendes Licht. Ich hoffe, dass auch heute am Samstag etwas davon durch meine Minuten und Stunden blitzt.

Aber morgen da darf und soll ich mich einen ganzen Tag an den verrückten Gedanken gewöhnen und soll mir und anderen die Erfahrung gönnen, dass die Welt, die Menschen und Dinge in Ordnung sind, so wie sie jetzt sind.

Ohne, dass Menschen an ihr und an sich herumändern müssten. Mit Terminen und Waren, mit Einnehmen und Ausgeben, Lernen und Lehren, Kaufen und Verkaufen.

Sondern einfach deshalb, weil Gott uns zuvor kommt mit seinem Licht und Segen, mit seinem Lassen und Tun. 

Von Anfang an und jeden Tag neu.

 


Ein schönes Wochenende und einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen,

Ihr Jan-Dirk Döhling.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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