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Sonntagskirche | 28.06.2020 | 08:55 Uhr

Spargelsilvester

Wenn Sie noch nie etwas vom „Spargelsilvester“ gehört haben, dann kann das daran liegen, dass Sie nicht vom Niederrhein kommen wie ich. Spargelsilvester war am letzten Mittwoch. Am 24. Juni ist der Gedenktag des heiligen Johannes. Und damit endet die Spargelsaison. Hier am Niederrhein, wo viel Spargel angebaut wird, kenne ich den Johannitag auch als „Spargelsilvester“. Das Spargeljahr geht zu Ende.  Ab jetzt gibt es für dieses Jahr keinen frischen Spargel mehr.

Der Spargel ist für die Deutschen ja ein besonderes Gemüse. Dieses Jahr machte er gleich mehrfach Schlagzeilen in der Corona-Krise. Besonders macht ihn aber nicht nur sein Geschmack, sondern sein Anbau. Erst einmal dauert es allein drei Jahre vom Anlegen eines Spargelfeldes, bis überhaupt das erste Mal geerntet werden kann. Da ist nix mit im Märzen der Bauer und im Sommer geerntet. Das dauert.

Was wir dann vom Spargel essen, das sind die jungen Triebe. Bis zu sechsmal in einer Saison bildet die Spargelwurzel neue Triebe und versucht, diese an die Oberfläche zu bringen. Aber jedes Mal, wenn die Erde sich über der Spargelspitze auftun will, zack, wird geerntet. Die Erntehelfer buddeln die jungen Triebe aus und stechen die noch im Erdreich ab. Eigentlich ganz schön gemein, den Spargel immer genau dann wieder abzuernten, wenn der gerade mal die Sonne sehen will. Aber: der Spargel gibt nicht auf. Die Spargelwurzel geht nicht ein und verdorrt, nein, sie versucht es nochmal. Ganz schön hartnäckig

Jetzt, nach dem Spargelsilvester, dürfen die Triebe endlich ans Licht. Man sieht dann hier am Niederrhein überall wie auf den hügeligen Feldern grüne Spargelbüsche wachsen. So sammelt die Pflanze Nährstoffe, um im nächsten Jahr wieder neue Triebe zu produzieren.

Vielleicht mag ich deshalb den Spargel so sehr, weil der sich nicht unterkriegen lässt. Und da frage ich mich: Wann ist das bei mir selber so? Wann gebe ich nicht beim ersten Scheitern auf, versuche es immer wieder neu? Bei mir war das zum Beispiel so, als ich mich um meinen aktuellen Job beworben habe. Ganze 32 Anläufe hat es gebraucht bis ich endlich meine Zusage in der Tasche hatte. Da habe ich nicht aufgegeben, auch nicht bei der Partnersuche, oder bei der Suche nach der eigenen Wohnung. Wenn mir das Leben mal wieder so richtig schön die kleinen Triebe abrasiert, dann ist das alles andere als schön. Aber wenn sich der Spargel immer wieder aufrichten kann, dann doch auch ich. Was der Spargel aus seinen Wurzeln zieht, das ziehe ich aus meinem Glauben: Egal wie dunkel es gerade um mich herum wird, ich weiß, dass ich wieder ans Licht komme, dass irgendwann der Durchbruch da ist und ich erkenne „Jetzt war es lange genug dunkel, nun wird es gut“. Daran glauben wir Christen und dieser Glaube ist auch hartnäckig. Ein Glaube, der sich nicht entmutigen lässt: Es kommen wieder Zeiten in denen wir blühen, wo es grün und hell ist, wir Kraft sammeln und Freude erfahren.

Schade, dass wir Menschen nicht immer genau wissen, wann dieser Tag kommt. Beim Spargel ist das sicher: Ab dem 24.Juni darfst Du ans Licht. Bei mir selber ist das unterschiedlich, manchmal lösen sich meine Sorgen schneller auf als ich es erwartet hätte, manchmal ist die Durststrecke ewig lang. Aber das Gute ist: Ich bin nie allein. Ich darf darauf vertrauen, dass ich in gute Erde gesetzt wurde, dass Gott für mich sorgt, auch wenn ich das in meiner Dunkelheit nicht immer sehe. Ich kann es spüren. Im Gebet, wenn ich mich ganz Gott anvertraue und mir sicher bin: Es kommt der Tag an dem auch ich wieder ans Licht durchbreche.

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