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Kirche in WDR 3 | 16.06.2021 | 07:50 Uhr

Starke Typen

Guten Morgen,

„Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel“ Dieser Satz aus dem Buddhismus steht auf einer Karte, die ich zum Geburtstag bekommen habe. Der abgebildete Weg führt über einen Holzsteg mit Geländer zu einem Leuchtturm. Vielleicht ist damit die Erleuchtung gemeint, die Menschen suchen, die auf zenbuddhistischen Pfaden unterwegs sind.

Seit fast anderthalb Jahren frage ich mich immer wieder mal, was mein Weg mit und durch die Pandemie ist. Ich frage mich natürlich auch, welcher Weg der richtige für die Menschen weltweit ist.

Neulich war ich walkend unterwegs. Das mache ich immer gerne, und wenn ich zurück bin, fühle ich mich richtig gut. Stark. Getreu meinem Motto ‚Mach deinen Körper stark‘. Denn mit einem starken Körper bin ich ja auch meinen seelischen Belastungen besser gewachsen. ‚In einem starken Körper wohnt ein starker Geist‘ ist das philosophische Sprichwort, das das zum Ausdruck bringt.

Doch in letzter Zeit fühle ich mich oft so ganz anders. Neulich dachte ich beim Walken plötzlich an das Bild von den Fröschen, die in den Milchtopf gefallen sind. Der eine meint, alles Strampeln ist vergeblich. Und geht unter. Der andere strampelt und strampelt bis die Milch zu Butter geworden ist und er aus dem Topf springen kann. Ich fühle mich manchmal wie der erste Frosch. Alles erscheint mir so sinnlos. Natürlich weiß ich mit meinem Kopf, welchen Sinn es hat, dass ich alle AHA-Regeln befolge. Aber mein Gefühl sagt mir regelmäßig: Das ist alles zu viel. Das schaffe ich nicht. Das schaffen wir nicht. Das ist alles viel zu anstrengend.

Und ich denke an so viele andere Menschen, die ihren Sport oder ihr Hobby lange nicht ausüben konnten oder noch immer nicht ausüben können: Tanzen, Schwimmen, Fußball oder andere Mannschaftssportarten oder das Singen. Sie alle haben es doppelt schwer.

Oder wie mag es wohl den Menschen gehen, die nun schon seit einem Jahr in einer kleinen Wohnung wohnen und sich all das nicht leisten können, was mein Mann und ich uns leisten können.

Ich denke an die Menschen in den Flüchtlingslagern. Zum Beispiel die Menschen aus Burundi, die in Tansania Zuflucht gefunden haben. Und die nun auf engstem Raum und unter ganz schlimmen Bedingungen leben müssen. Denn in ihrer Heimat gibt es nicht enden wollende politische Unruhen. Covid 19 fragt auch dort nicht nach Ländergrenzen.

Ich blicke wieder auf die Karte auf meinem Schreibtisch mit dem Leuchtturm und dem Weg. Wenn ich den Leuchtturm sehe, dann denke ich an das erste Schöpfungslicht. Dieses Licht brachte mein Leben und das Leben aller anderen Menschen hervor. Gott hat uns geschaffen als Menschen, lebensfähig. Ausgestattet mit allem, was wir zum Leben brauchen und frei. Und auf unseren Wegen, die wir zu gehen haben, sind wir begleitet von Gottes Licht und Gottes Liebe.

Das hilft mir, mich nicht unterkriegen zu lassen – nicht von der Pandemie und nicht von anderen Belastungen. In allen schweren Situationen kann ich das sein, als was ich von Gott geschaffen bin, Mensch. Als Ebenbild Gottes hast er uns gut ausgestattet: Ich kann lieben, mich konzentrieren, mich entscheiden, Dinge reflektieren, mich vernünftig verhalten – alles gute Fähigkeiten, um Belastungen zu überstehen.

 

Dass Sie gesund bleiben oder werden, an Körper und Seele, das wünscht Ihnen,

Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

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