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Kirche in WDR 2 | 19.05.2021 | 05:55 Uhr

Steine schmeißen

„Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen,“ hat seine Oma immer gesagt. Und hat ihm damit beibringen wollen: Kritisiere die anderen nicht, dann kritisieren sie dich auch nicht. Jede Fassade lässt sich leicht zerschlagen – auch deine eigene. Deshalb: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.“

 

Inzwischen hat er diesen Spruch längst hinter sich gelassen. Und ihn durch einen eigenen ersetzt: „Wenn das Glashaus erst mal kaputt ist, kann man prima mit Steinen schmeißen!“ Mittlerweile hat er nämlich gelernt: Wenn ich die Zurückhaltung aufgebe und auf die Fassade pfeife, dann kann ich mich viel besser durchsetzen. Es macht dann auch nichts, die anderen zu verletzen. Mit Worten, die wie Steine sind, und mit Hinterhältigkeiten, die ihr Glashaus erschüttern, diese kleine Welt, in der sie sich sicher fühlen.

 

Mit dieser Einstellung hat er sich in seinem Job durchgesetzt. Jedenfalls so lange, bis sie ihn entlassen haben. Seitdem bleibt ihm vor allem das Internet, um sich auszutoben. Seinem Frust Luft zu machen und seinem Ärger gegen alles und jeden. Politik, Kirche, Flüchtlinge, Corona - Themen gibt es genug. Dass es im Internet ziemlich ungefährlich ist, mit Steinen zu schmeißen, weiß er inzwischen. Glücklich macht es ihn allerdings nicht.

 

Und wenn ihm bewusst wäre, wie vielen Menschen er wehtut, dann könnte er vielleicht verstehen, warum Jesus in der Bibel das Steine-Schmeißen verbietet. Das heißt, eigentlich verbietet er es gar nicht. Jesus sagt zu den Leuten um ihn herum: „Wer von euch ohne Sünde ist, kann gerne den ersten Stein werfen.“ Klingt wie eine Einladung. Aber die Leute machen keinen Gebrauch davon. Sie lassen die Steine liegen. Denn sie wissen genau: Niemand ist ohne Sünde. Oder ohne Schuld. Wir alle sitzen in Glashäusern, die reichlich Kratzer und Sprünge aufweisen. Von dem, was wir ausgeteilt haben. Und von dem, was wir eingesteckt haben.

Jesus weiß das. Deshalb möchte er die Menschen aus ihren Glashäusern herausholen. Weil die gar keinen richtigen Schutz bieten. Und so versucht Jesus, den Menschen das Vertrauen zu vermitteln: Du brauchst dein Glashaus nicht. Weil Gott dich liebt. Trotz deiner Kratzer und Sprünge, deiner Schuld oder dem, was schief gelaufen ist in deinem Leben. Du bist Gott wichtig. Und genau deshalb kannst du das Glashaus hinter dir lassen. Denn das Bewusstsein, geliebt zu werden, schützt dich viel besser. Es engt dich nicht ein. Es macht dich frei. Auch frei von dem Bedürfnis, mit harten Gegenständen zu werfen. Es gibt dir die Möglichkeit, dem anderen zu sagen, was du denkst. Ohne dass ihn das trifft wie ein schwerer Stein.

 

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

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