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Kirche in WDR 3 | 10.08.2019 | 07:50 Uhr

Sternschnuppen

„Schnell, wünsch Dir was!“ ruft mir meine Tochter unter sternenklarem Himmel zu.

Glitzernd saust eine Sternschnuppe durch den dunklen, wolkenlosen Nachthimmel im August. Und noch eine, und noch eine. So schnell komme ich mit dem Wünschen gar nicht nach.

Guten Morgen!

Meine Tochter und ich waren Zeugen dieses sagenhaften Sternschnuppenregens. Er ereignet sich jedes Jahr um den zehnten August herum. Dieses Phänomen versuchen Menschen schon seit vielen Jahrtausenden zu erklären. In der Antike galten Sternschnuppen als Götterzeichen. Im Volksmund nennt man sie Laurentiustränen, in Erinnerung an den 10. August, an dem in der katholischen Kirche der Heilige Laurentius verehrt wird. Die Sterne sollen angeblich über den Märtyrertod des Heiligen geweint haben. In der Astronomie werden Sternschnuppen als Perseiden bezeichnet, als ein Meteorstrom, der seinen scheinbaren Ursprung im Sternbild des Perseus hat.

Gleich welche Bezeichnung ich für dieses Himmelsphänomen heute wähle, mich fasziniert jedes mal, dass trotz aller wissenschaftlicher Erklärungen die Verbindung der Sternschnuppen mit den persönlichen Wünschen bestehen bleibt – auch in unserer wissenschaftlich aufgeklärten Zeit. So sagte Astro Alex, der bekannte Astrophysiker und Raumfahrer Alexander Gerst, dass er sich ab und zu mal etwas gewünscht habe bei den vielen Sternschnuppen, die er im Weltraum gesehen habe.

Wieso ist das so, habe ich mich gefragt? Wir wissen doch ganz genau, dass Sternschnuppen in Wirklichkeit Weltalltrümmer sind. Kleine Gesteine oder Staubkörner dringen in die Erdatmosphäre ein und verglühen dort aufgrund der Reibung mit Luftmolekülen. Bei diesem Vorgang wird einige Energie der Staubteilchen auf die Luftmoleküle übertragen, die daraufhin leuchten. Energieübertragung, mehr also beobachte ich heute Abend nicht. Und deshalb soll ich mir etwas wünschen?

Doch es bleibt ein letzter magischer Moment: Denn wann so ein Molekül in die Erdatmosphäre eindringt, das liegt nicht in meiner Hand. Und ich kann nur staunend zuschauen. Diese Magie des Augenblicks macht das Phänomen Sternschnuppen für mich bis heute so besonders.

Es stimmt: Ich kann mir das alles mit Naturwissenschaft erklären, doch bleibt bei allem eine Faszination, ein Staunen über dieses Naturspektakel hinaus, dem ich mich nicht entziehen kann. Albert Einstein hat das so ausgedrückt: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. (…) Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot.“[1] Eben das möchte ich mir bewahren: Staunen können über diese Welt, nicht abgeklärt sein, sondern offen dafür, immer wieder von ihrer Schönheit und Größe überwältigt zu sein. In dem Staunen Können liegt für mich ein Moment der Gottesahnung, da komme ich – trotz aller naturwissenschaftlicher Erkenntnis – mit meinem menschlichen Verstand an Grenzen.

Ich hoffe heute Nacht wieder einige Sternschnuppen sehen zu können. Wenn ich erfolgreich sein sollte, steht mein Wunsch jedenfalls schon jetzt fest: Weiterhin staunen zu können.

Aus Gladbeck grüßt Sie

 

Meike Wagener-Esser


[1] Ursprünglich lautet der Satz von Albert Einstein in "Wie ich die Welt sehe", 1931:"Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen." Albert Einstein: Mein Weltbild. Hrsg. von Carl Seelig. Europa Verlag, Zürich Wien: 1953, S. 10 Erstdruck (nach Carl Seelig): "Forum and Century," vol. 84, pp. 193-194; Living Philosophies, Bd. 13, New York 1931.



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