#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr5 

katholisch

Kirche in WDR 5 | 12.05.2021 | 06:55 Uhr

Stoff in ihren Händen

Mein Opa war Schneider – und ich möchte nicht ausschließen, dass ich von ihm eine gewisse Faszination für Stoffe und ihre Muster geerbt habe. Schneiderkreide und Schneiderelle, Schnittmusterrädchen und Stopfei, Nadelkissen und Nähkasten, Blaudruck, Bügelbalg und Bürsten – das zog und zieht mich immer wieder in den Bann – damals, als er noch lebte und diese Gegenstände wie selbstverständlich zum Inventar seines kleinen Hauses gehörten. Und heute eben auch noch.

Ich halte es deshalb auch für durchaus wahrscheinlich, dass mich aus eben diesem Grund vor ein paar Jahren dieser Film so ansprach: „Ein amerikanischer Quilt“. Sperriger Name. Und ich gebe gerne zu: Ich wusste erst einmal gar nicht, was – bitte schön – ein Quilt sein soll. Und als ich es dann erfuhr – nämlich eine große Steppdecke, an der mehrere Frauen gleichzeitig arbeiten – naja, da war sie halt wieder da … die Faszination und die Neugier. Ein Film über’s „Schneidern“ – verwoben mit einem halben Dutzend interessanter, manchmal trauriger, manchmal lustiger, stets bewegender Geschichten. Denn diese Frauen – allesamt schon etwas älter – sitzen an einem Quilt, für den die Quiltmeisterin das Motto ausgegeben hat: „Wo die Liebe wohnt“. Und während die Frauen nun nähen und steppen, erzählen sie jeweils ihre Geschichte von Liebe und Leiden und Leben.

Am langen Ende ging es dann viel weniger um das Handwerkliche. Doch mindestens ebenso beeindruckend war: Jede dieser Frauen arbeitet an ihrem eigenen, ziemlich überschaubaren Stück Stoff. Jede erzählt auch ihre zutiefst eigene Geschichte. Klar, sie haben ein gemeinsames Thema. Aber jede Frau interpretiert das auf eine solche Art und Weise, dass ich ziemlich häufig ziemlich unsicher war, ob sich die Frauen ihres gemeinsamen Themas überhaupt bewusst waren. Doch dann ist da eben die Quiltmeisterin, die Koordinatorin, die, die die Fäden zieht. Die Hinweise gibt, wenn ein Stoff farblich nicht ins Gesamtbild passen würde. Wenn ein Motiv noch angepasst werden sollte, damit es sich harmonischer ins Ganze fügt. Die Quiltmeisterin sorgt dafür, dass aus den ganz und gar eigenen Geschichten, dass aus den zutiefst eigensinnigen und stets eigenwillig angeordneten Stofffetzen – dass daraus eben am Ende ein großes, schönes Ganzes wird. Dass aus den vielen kleinen Kunstwerken ein großes wird, in dem die Eigenheiten und Sonderheiten der einzelnen Teile aber nicht verschwinden. Und wissen Sie was: Ich stelle mir auch Gott immer wieder als eine solche Quiltmeisterin vor. Die das größere Ganze im Blick hat, aber nie meine eigene kleine Geschichte vergisst. Ich stelle mir Gott immer wieder als eine Quiltmeisterin vor, die auch mich mit meinen zerschnittenen Patches, meinen falsch gesetzten Stichen und meinen oftmals verqueren Motiven und Bildern trotzdem so in diesen großen Quilt, diesen Flickenteppich einzufügen weiß, dass ich Teil einer schöneren, größeren Wirklichkeit bin. Dass auch ich beitrage dazu, das große Motto zu unterstreichen, dass die Quiltmeisterin ersonnen hat.

Dass auch Sie den Tag heute und alle weiteren Tage in der Zuversicht beginnen können, ein wertvolles und schönes Stück Stoff in den Händen einer großen Künstlerin zu sein – das wünscht Ihnen Ihr Diakon Claudius Rosenthal

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen