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Kirche in WDR 3 | 25.01.2019 | 07:50 Uhr

Strohstern gefunden

Ich habe noch einen gefunden. Einen Strohstern. Und eigentlich hatte ich ihn die ganze Zeit vor der Nase in dem Haus, in dem ich als Kinderdorfmutter mit sechs Kindern lebe. Dabei hatte ich das Haus doch schon „Entweihnachtet“. So nenne ich immer den Tag, an dem aller Weihnachtsschmuck entfernt wird. Der Tannenbaum wird den Pferden zum abnagen gebracht, die Weihnachtssterne und –basteleien von den Fenstern gegen Winterdekoration ausgetauscht, die Krippe abgebaut, die sich bei uns über eine ganze Biertischgarnitur hinzieht und alles kommt wieder an seinen Platz. Denn da wo die Krippe im Flur stand, steht normalerweise ein Sofa, auf dem wir gerne mal eine Geschichte lesen oder auf den Schulbus warten. Und da wo in der Weihnachtszeit die Engel jubilierten hängt ein jetzt wieder ein Blumenbild.

Das Haus kommt mir nach diesem Weihnachts- Abschmuck immer ganz leer vor. Nach all dem Bunten und Hellen in jedem Raum, ist das ungewohnt. Ich schwanke in meinen Gefühlen zwischen „Gott sei Dank alles so wie vorher“ und „ach wie schade, mir fehlt was“. Und dann gibt es immer eine Wette: Die- oder derjenige, die noch etwas Weihnachtliches findet, bekommt eine Weihnachtssüßigkeit (von denen essen wir auch meist noch bis in die Fastenzeit hinein). Diesmal bin ich es gewesen. Der kleine Strohstern hing an einem Magneten, direkt am Türpfosten vor dem Büro. Jede von uns geht da zigmal am Tag dran vorbei. Ganz offensichtlich – und ganz offensichtlich übersehen. Bis gestern.

So ging es uns auch mitten im Sommer, als eines der Kinder noch ein Plastik-Osterei in unserer Hortensie fand. Durch die gewachsenen Blätter konnten wir es nicht mehr abbekommen ohne dass wir es kaputt gemacht hätten – und so durfte es bleiben - bis zum Winterschnitt kurz vor Weihnachten. Und selbst dann lag es noch länger auf der Terrasse, weil es niemand wegräumen wollte. Die Kinder meinten: „das ist doch nicht schlimm, Jordana, dann denken wir doch immer an die Auferstehung“. Ich musste schmunzeln: Was für fromme Kinder ich doch habe. Aber Recht haben sie.

Genauso sollte es eigentlich mit dem Strohstern sein. Ich habe ihn viel zu früh entdeckt. Weihnachten ist gerade mal einen Monat her. Da klingen mir im Kopf sowieso noch die Weihnachtslieder, die auch von meinen beiden Jüngsten täglich noch gesungen oder gesummt werden. „O Tannenbaum“ und „Ihr Kinderlein kommet“ ist durchaus im täglichen Repertoire. Letztes Jahr stimmte sogar meine damals Fünfjährige nach Ostern an: „Wir sagen euch an, den lieben Advent“. Zugegeben, nach Ostern war es letztes Jahr wettermäßig dem Advent nicht unähnlich und wir hatten, meine ich, sogar eine Kerze angezündet. Und das Lied „Maria durch den Dornwald ging“ sang ich beim Zubettbringen bis Ostern – dann weigerte ich mich. So mischen sich bei uns die Feste und ich glaube, das ist sogar richtig gut. Warum haben wir eigentlich nur zu Weihnachten so eine besondere Stimmung, die uns dazu bereit macht, anderen etwas Gutes zu tun, etwas zu spenden oder Päckchen für die Tafel zu packen. Warum nur im Advent Plätzchen backen und es uns gemütlich machen, Freunde einladen? Ist Weihnachten und Ostern nicht immer dann, wenn wir daran denken, was Gott für uns tut?

Mensch werden und sich für uns aus Liebe hingeben? Sie merken, jetzt werde ich fromm. Aber das bin ich ja auch. Aber selbst ich habe dieses Besondere nicht immer vor Augen oder in meinem Kopf. Dazu brauche ich Erinnerungsstücke…..ich glaube, ich hänge den kleinen Strohstern wieder auf – und das Ei liegt ja auch noch bei der Terasse.

In diesem Sinne: Frohe Ostern, frohe Weihnachten und Halleluja!

Ihre Sr. Jordana Schmidt aus dem Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel

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