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Hörmal | 04.04.2021 | 07:45 Uhr

Suchen

Frohe und gesegnete Ostern!

Als kleines Kind fand ich es ganz toll, am Ostersonntag im Garten Ostereier zu suchen zusammen mit meinen beiden Geschwistern. Die sind ein paar Jahre älter, und sie fanden damals natürlich viel schneller die Ostereier als ich und damit auch mehr. Weil das für Zoff sorgte – kann man sich ja denken –, hatten meine Eltern die Eiersuche dann bald wieder abgeschafft. Naja – und die Geschichte vom Osterhasen, der die Eier versteckt habe, die glaubten meine älteren Geschwister und ich eh schon nicht mehr. Uns war bald klar, dass dahinter die Eltern steckten, die das alles arrangiert hatten. Das ist so wie die Geschichte, dass an Weihnachten das Christkind die Geschenke bringt. Solcher Kinderglaube muss irgendwann einmal platzen. Und dann – wenn es gut läuft – sollte schon eine bessere, eine tiefere Erklärung kommen, warum es Geschenke an Weihnachten gibt und was dahinter steckt, dass Ostern Eier gesucht werden. Gut, an Weihnachten geht es darum, dass Gott sich den Menschen schenkt, indem er selber Mensch wird. Und deshalb schenken die Menschen einander etwas.

Aber Eiersuche an Ostern? Da geht es wohl kaum nur darum, dass hier eine Belustigung für Alt und Jung stattfinden soll. So erklärt das jedenfalls bereits eine Doktorarbeit vom Ende des 17. Jahrhunderts, die auch mit der Vorstellung von dem eierlegenden Osterhasen aufräumt: Das sei bloß eine Fabel, die unter anderem in Westfalen den naiveren Gemütern und den Kindern erzählt würde.

Aber was könnte denn noch dran sein an der Eiersuche? Ich denke, es geht weniger um die Eier, aus denen ja eigentlich neues Leben schlüpft und damit ein Bild ist für die Auferstehung, für ein neues Leben nach dem Tod, was an Ostern gefeiert wird. Es geht mehr um die Suche an sich. Denn wer sucht, der vermisst etwas bzw. dem fehlt noch etwas. Die Kinder suchen die Ostereier, weil sie gerne Süßigkeiten haben wollen oder sich freuen an den bunt gefärbten Eiern. Junge Menschen suchen nach einer Ausbildungsstelle, nach einem Partner oder einer Partnerin, Wissenschaftler suchen Lösungen, zum Beispiel aus der Pandemie mit all ihren Konsequenzen. Manche Menschen suchen einen neuen Arbeitsplatz oder nach Erklärungen für ihr Schicksal usw. usw. Die Suche treibt uns an in unserem Mensch-Sein, weil es immer etwas Neues zu suchen gibt.

Interessant ist, dass auch die biblischen Texte zum Osterfest vom Suchen sprechen. Am Ostermorgen, so heißt es, sind Frauen zum Grab Jesu gekommen, um seinen Leichnam mit Öl einzubalsamieren. Dazu hatte am Tag der Hinrichtung wohl die Zeit gefehlt, weil der Sabbat, der Ruhetag anfing. Jetzt aber sind sie gekommen und suchen diesen Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Und was finden sie? Kein Osterei – sondern: Das leere Grab. Tja. Und damit sind sie nicht am Ziel ihrer Suche. Sie müssen wohl weitersuchen.

Und genau das finde ich sehr bemerkenswert: Weitersuchen, nicht aufgeben mit der Suche, weil immer noch etwas fehlt. Und dieses Etwas ist aus christlicher Sicht eben mehr als alles was ich hier auf der Erde finden kann. Es ist größer, als ich es mir vorstellen kann, ist ein Leben in Fülle über alle Endlichkeit, alles Sterben, allen Tod hinaus. Bei allem, was ich hier auf Erden an Erfüllung finde, hält speziell die Ostersuche eine Perspektive offen: Das Eigentliche kommt erst noch. Also: Auf der Suche bleiben – geben Sie sich nicht nur mit Eiern zufrieden – und das nicht nur an Ostern.

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