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Kirche in WDR 2 | 07.07.2020 | 05:55 Uhr

Sündenbock

Fledermaussuppe habe ich noch nie gegessen. Auch Gürteltier – noch nie. Aber die Chinesen schon. Konnte man Anfang des Jahres auf vielen social-media-Kanälen und selbst in manchen Presseartikeln lesen. Die Frage dahinter: Wer ist jetzt eigentlich Schuld daran, dass dieses Corona-Virus über uns gekommen ist? Dass die Antwort dazu viel komplizierter ist, als dass einige Chinesen Fledermaussuppe gegessen haben, war eigentlich von Anfang an klar. Aber die einfachen Lösungen faszinieren ja schon, vor allem, wenn man jemand ganz konkret die Schuld in die Schuhe schieben kann. So konnte Donald Trump im März an zwei Tagen hintereinander erst den Chinesen, dann den Europäern die Schuld für die Ausbreitung des Corona-Virus geben. Die USA und er selbst hatten nichts falsch gemacht. Und ich habe mich natürlich auch selbst dabei ertappt, wie ich in den letzten Monaten Sündenböcke dafür gefunden habe, wenn sich das Virus weiter ausbreitet: die Ü-60-Jährigen, die in Zeiten von social distancing die Baumärkte und Gartencenter bevölkerten, die Jugendlichen, die Grillpartys im Park feierten, und sowieso alle die, die im Nahverkehr rumhusteten, egal wie gut sie andere zu schützen versuchten.

Das Prinzip des Sündenbocks ist aber auch wirklich toll. Immer gibt es da ganz einfache Lösungen, wer Schuld hat, auch außerhalb von Krisenzeiten. Ich zahle zu hohe Steuern, ich muss beim Arzt jetzt länger warten, mein Arbeitsplatz ist weg und mein Fußballverein steigt ab. Schuld sind wahlweise: Die Ausländer. Die Politiker. Die Sozis. Die Jungen. Die Alten. Die Frauen.

Natürlich ist das alles immer etwas komplexer. Aber die Sache mit dem Sündenbock funktioniert eben ganz gut und ist so einfach. Den Ritus gab es schon bei den alten Israeliten. Können Sie in der Bibel nachlesen. Da hat das mit dem Sündenbock aber etwas anders funktioniert, denn am Fest der Versöhnung konnte man in einem Ritual alle seinen eigenen Verfehlungen auf einen Ziegenbock laden – also symbolisch – der dann in die Wüste geschickt wurde. Dabei ging es mehr darum, dass man selbst mit Gott wieder ins Reine kam. Und es war auch ein Ausblick auf das Ende der Welt, wenn jede und jeder selbst vor Gott steht und das eigene Leben noch einmal kritisch anschaut, was und warum da so Einiges schief gelaufen ist.

Die Schuld an etwas zu suchen, was nicht in Ordnung ist, wird dann also gerade nicht zuerst beim anderen, beim Sündenbock gesucht, sondern bei sich selbst. Jesus kam deswegen sogar zu dem Schluss: Urteilt nicht hart über andere, damit ihr nicht genauso hart beurteilt werdet. Sich lieber einmal in den anderen hineinversetzen, um sein Handeln besser zu verstehen.

Vergebung hat genau damit viel zu tun. Und damit, dass ich mir – bei allen Fehlern anderer – mehr Gedanken darüber mache, was ich selbst verbessern kann. Ohne zuerst einen Sündenbock zu suchen.

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