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Kirche in WDR 5 | 12.07.2019 | 06:55 Uhr

Symphonisches

 

Guten Morgen!

Wie das Leben so spielt, dazu eine kleine Erzählung, die mir ein befreundeter Psychologe erzählt hat.                                 

Ein Mann und eine Frau, die in einer Beziehung leben, sind in eine schwierige Phase geraten. Kaum ein Tag, an dem sie nicht streiten. Und irgendwann wird beiden klar: so geht das nicht weiter. Sie gehen zu einer Partnerberatung. Und dort entdeckten sie etwas, was unbeachtet geblieben ist: Er und auch sie spielten ein Musikinstrument. Dass sie das nicht voneinander wussten, ist vielleicht so ähnlich, wie es manchmal erst bei der Goldhochzeit rauskommt, dass beide beim Frühstück eigentlich die jeweils andere Hälfte des Brötchens gerne gehabt hätten. Sie spielte Klavier und er Violine. Und in dieser Entdeckung finden sie eine neue Chance für ihre Beziehung. Nun verbringen sie regelmäßig eine gemeinsame Zeit, in der sie miteinander musizierten.

Mit einander Musizieren ist ja wirklich etwas Heilendes. Es verbindet, es erfreut, es tut gut. Selbst dann, wenn wir nur miteinander singen. Es hat mich schon als Kind immer tief berührt, wenn ich auf der Straße an einer Kirche vorbeikam, und aus dem Inneren war der Gesang einer Gemeinde zu hören.

Und es fand darum bei mir offene Türen, als vor Jahrzehnten der Schweizer Theo-loge Hans Urs von Balthasar ein Buch herausbrachte mit dem Titel: „Die  Wahrheit ist symphonisch.“  Ich war damals noch mitten im Theologiestudium und besuchte kurz darauf in der Bonner Beethovenhalle Gustav Mahlers  „Symphonie der Tausend“.

Wer einmal eine Symphonie nicht nur gehört, sondern auch selbst erlebt hat, kann ahnen, was gemeint ist. Ein Symphonieorchester aus vielen verschiedenen Instrumenten, die von  vielen verschiedenen Menschen gespielt werden. Und jeder, der da musiziert, steht ganz auf Du und Du mit seinem Instrument. Jeder ist ganz bei sich und zugleich mit allen anderen im gemeinsamen Musizieren. Niemand muss sich einem anderen unterwerfen. Und es kommt auch keiner einem anderen in die Quere.

Es ist das Symphonische, worin allen Vereinfachern vorgeführt wird, dass ein Einbahnstraßen und Monologe eben so wenig hilfreich sind wie autoritäre Machtworte, wenn es um so etwas wie Wahrheit geht. Ein Streitgespräch zwischen Orchester und Dirigent könnte uns im besten Fall zeigen, was gemeint ist mit Streitkultur.  Das Symphonische ist nicht denkbar ohne eine Vielzahl unterschiedlicher Instrumente und Stimmlagen. Es ist nicht denkbar ohne eine Vielzahl unterschiedlicher Tempi und Rhythmen und menschlicher Charaktere.

Und jeder komponierte symphonische Satz zeigt einzigartig und neu immer wieder: es gibt einen Zusammenhalt der selbst bei Kontrapunkt und Dissonanz noch geheimnisvoll wirksam ist.

Was aus dem gemeinsamen Musizieren jeweils herauskommt, haben wir nicht in der Hand. Auch wenn Komponist und Komposition bereits ausgewählt sind und an der Partitur nicht gerüttelt wird. Es bleibt letztlich offen. Die Zahl der verschiedenen Interpretationen ist unendlich. Es ergibt sich aus dem Atmosphärischen. Es ist immer neu, immer frisch und keines ist einem anderen gleich. Wenn unser Glaube von jenem Geist spricht, der weht, wo er will und der uns zugleich in die ganze Wahrheit einführt, dann finde ich hier das Bild dazu.

Es grüßt Sie Pfarrer Friedhelm Mensebach aus Köln

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