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Kirche in WDR 3 | 29.09.2020 | 07:50 Uhr

Tabgha - Brot teilen

Guten Morgen!

Es muss ein besonderes Erlebnis gewesen sein, als Paul Karge im Frühjahr 1911 in Tabgha am See Gennesaret im damaligen Palästina Ausgrabungen vornahm. Diese Grabungen von Karge, der später Professor für Kunde des christlichen Orients in Münster wurde, fanden heimlich statt – zum einen, weil es einen Streit mit den Nachbarn um die Grundstücksgrenze gab, zum anderen, weil er keine Grabungslizenz hatte. Plötzlich entdeckte er zwischen den alten Mauern den Rest eines Fußbodenmosaiks. Je mehr er an Sand und Erde beiseiteschob, desto deutlicher wurde, was es darstellte.

Er selbst schrieb darüber in einem Brief:

Sprecher: „Ich fand genau in der Achse der Kirche hinter dem Hauptaltar die Darstellung eines ungefähr 30 cm hohen Korbes mit vier Hostien, welcher rechts und links von je einem Fisch flankiert wird. Das Ganze ist vielfarbig in Mosaik ausgeführt, jede Hostie trägt ein Kreuz. Ist das nicht höchst interessant?“

Tatsächlich, das war nicht nur interessant, sondern eine Sensation: Das alte, bis dahin nur aus Pilgerberichten bekannte Heiligtum war gefunden, wo man spätestens seit dem 4. Jahrhundert die wunderbare Brotvermehrung durch Jesus verehrt hatte!

Als Repräsentant des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, auf dessen Gelände Karge grub, bin ich seit gut vier Jahren mitverantwortlich für diesen Ort am See Gennesaret. Dort steht inzwischen eine neue Kirche auf den Grundmauern eines byzantinischen Vorgängerbaus. Sie zählt zu den wichtigsten und beliebtesten Pilgerzielen im Lande. Deutschsprachige Benediktiner betreuen, zusammen mit philippinischen Schwestern, diesen Ort, heißen Besucher willkommen, beten und arbeiten hier.

Das Mosaik ist inzwischen zu einer Art Ikone des Heiligen Landes geworden. Auf unzähligen Bildern, Tellern, Tassen, T-Shirts ist es verewigt: Der Korb mit den Broten, die zwei Fische rechts und links. Und oft frage ich mich: Warum ausgerechnet dieses Bild?

Natürlich – es ist eine wunderbare, knappe Zusammenfassung dessen, worum es geht, kein Versuch die Szene mit Jesus, den Aposteln und der Menschenmenge darzustellen – was oft kitschig wirkt und auch leicht in die Irre führt. Denn wir werden nie wissen, was damals am See genau geschah, bevor Menschen anfingen, Geschichten von der Brotvermehrung zu erzählen. Wir können aber ihre Botschaften für heute verstehen – gerade mit Hilfe einer solchen abgekürzten bildlichen Zusammenfassung.

Die erste Botschaft ist ganz einfach: „Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt“ [1], heißt es in einem Lied. Wenn Menschen anfangen, das Wenige, das sie haben, zu teilen, können sie oft feststellen: Es ist viel mehr da als sie dachten. Andersherum gedacht: Aus Angst, selbst zu kurz kommen, müssen andere oft hungern. Es reicht nicht für alle. Hauptsache ich zuerst. Dabei geht es auch anders: Ich muss einfach nur teilen.

Die zweite Botschaft des Bildes hängt zusammen mit einer Merkwürdigkeit in der Darstellung: In dem Korb liegen nicht fünf Brote, wie das Evangelium schreibt, sondern nur vier. Warum? Sollte der Künstler eines vergessen haben? Nicht vorstellbar!

Die Erklärung, die die Mönche vor Ort geben, ist verblüffend. Sie sagen: Das fünfte Brot liegt auf dem Altar! Tatsächlich finden sich schon in der biblischen Erzählung selbst Anspielungen auf das Brotbrechen der ersten Christen wie beim Abendmahl: Jesus nahm die Brote, segnete sie, brach sie und reichte sie seinen Jüngern… Übersetzt heißt das: Immer wenn Christen sich um diesen oder einen anderen Altar versammeln, geht die Geschichte von der Brotvermehrung weiter: Sie teilen ein wenig Brot – und glauben, erfahren, dass es um mehr geht, dass hier noch ein anderer Hunger gestillt wird, nach Gemeinschaft und Sinn.

Nicht wenige Leute erleben das in Tabgha, im Heiligen Land: Sie spüren neu die Sehnsucht nach etwas anderem. Sie erleben aber auch, dass es wenig braucht um diese Sehnsucht zu stillen. Geteilt ist es mehr als genug. Ein Korb mit Brot, zwei Fische, am Ufer des Sees. Was braucht es mehr? Ein wunderbares, kleines Bild für das, was zählt.

Aus Jerusalem grüßt Sie Georg Röwekamp.

[1] Text: Wilhelm Willms, aus: Fest der Hoffnung, Peter Janssens: Musik Verlag Telgte, 1976.

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