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Kirche in WDR 3 | 10.05.2019 | 07:50 Uhr

Tag des (freien) Buches

Guten Morgen.

Es ist genau heute, im Jahr 1933.

In der Reichshauptstadt Berlin und an vielen anderen Orten in Deutschland lodern Scheiterhaufen aus Büchern. Einige Wochen wird das dauern. Zumeist in Universitätsstädten verbrennen Studenten und Professoren alles so genannte „Undeutsche“. Was den neuen Herren an der Macht nicht genehm ist, soll verschwinden. Hunderttausende Bücher werden vernichtet. Darunter Werke von Heinrich Mann, Erich Kästner und Kurt Tucholsky, um nur einige zu nennen. Erich Kästner selbst berichtet: "Ich stand vor der Universität eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen (…) Begräbniswetter hing über der Stadt. (...) Es war widerlich." (1)

Leider leisten sie kaum Widerstand – die Buchhändler und Verleger. Manche Bürger denken, ach das ist "studentischer Bierulk". Sogar im Ausland verkennt man den Ernst der Lage und beurteilt die Bücherverbrennungen als "Ausdruck studentischen Übereifers". (2) Nur wenige Jahre später wird wahr, was Heinrich Heine schon 1820 eine seiner Hauptfiguren sagen ließ: "Das war ein Vorspiel nur. Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." (3)

Damit wir die Geschichte nicht vergessen und die Zeichen der Zeit deuten lernen, gilt der heutige Tag seit 1947 in Deutschland als „Tag des (freien) Buches“.

Nun müsste man das natürlich ausweiten auf die sozialen Netzwerke und Internetplattformen. Wo immer Autorinnen und Autoren sich frei äußern. Wo ich mich frei äußern will. Da braucht es Freiheit und Regeln. Klar, manchmal ist ein Veröffentlichungsverbot nötig - dazu gibt es in unserem Land klare Gesetze. Diese garantieren die Menschenwürde und richten sich gegen Volksverhetzung. Ansonsten – ist sehr viel Freiheit garantiert.

 

Und diese Freiheit der Presse und der Publizistik ist ein sehr hohes Gut. Genauso wie die Freiheit, alles hinterfragen zu dürfen - selbst die Bibel. Denn das Buch der Bücher ist aus vielen verschiedenen Büchern zusammengesetzt. Einige Bücher wurden nicht aufgenommen in die Bibel. Sie sind teils verschollen, teils bekannt. Die Wissenschaftler fragen sich: Welche Gedanken hat wer warum unter den Tisch fallen lassen. Spannende Fragen der Zeitgeschichte und der Theologie.

Interessant ist auch: In der Bibel selbst finden sich Hinweise darauf, dass erste christliche Autoren in ihrer damaligen Gesellschaft ihre Meinung nicht frei äußern konnten. In der so genannten Offenbarung oder Apokalypse des Johannes erfahren wir davon. Die Apokalypse liest sich wie ein Science Fiction Krimi, ist aber keiner. Sie ist eine verschlüsselte Botschaft über den Zustand der damaligen Zeit. (4) Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. Es regiert Kaiser Domitian. Und der will als erster römischer Kaiser schon zu Lebzeiten als Gott verehrt werden. Wer das nicht tut, wird gnadenlos verfolgt. Die Christen geraten dadurch in einen Konflikt. Sie haben nur einen Gott und können dem Kaiser nicht als Gott huldigen. Und so werden viele von ihnen zu Märtyrern. Und weil es im Römischen Reich gefährlich ist, direkt zu reden, benutzt Johannes Zeichen und Bilder aus der jüdischen Apokalyptik. Die Machthaber jener Zeit stellt er verschlüsselt dar. Ein sehr provokatives Buch. Sprengstoff. Geradeheraus hätte niemand die Zustände benennen können. Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer zeigt in seinem Buch „WORTmacht und MACHTworte“ wie wichtig Bücher in einer heutigen Diktatur waren und sind. In der ehemaligen DDR muss Friedrich Schorlemmer viele verbotene Bücher verstecken. Er lässt verbotene Literatur einschmuggeln. (5) So wie die Jugendlichen, die zur gleichen Zeit damals Gebete und Lieder der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé in die DDR und die Osteuropäischen Länder schmuggelten. Texte, die Christinnen und Christen beider Konfessionen Nahrung und Stärkung wurden. In einer Umwelt ohne Gott.
Freie Meinungsäußerung in den verschiedenen Medien – unverzichtbar. Haben wir acht darauf.

 

Es grüßt Sie, Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin in Düsseldorf.

 

Quellen:
( 1 ) https://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/10-Mai-1933-Buecherverbrennungen-in-Deutschland,buecherverbrennung2.html (letzter Abruf 28.04.2019) 

( 2 ) http://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&lang=de&manu_id=513&tag=10&monat=5&weekd=&year=2019&weekdnum=&dayisset=1&lang=de (letzter Abruf 28.04.2019) 

( 3 ) = (1) 

( 4 ) https://www.die-bibel.de/bibeln/bibelkenntnis/inhalt-und-aufbau-der-bibel/neues-testament/offenbarung/ (letzter Abruf 28.04.2019) 

( 5 ) Friedrich Schorlemmer: WORTmacht und MACHTworte, RADIUS-Verlag GmbH Stuttgart, 2018, S. 122.

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