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Sonntagskirche | 14.06.2020 | 08:55 Uhr

Tag des Gartens

 

Heute ist der Tag des Gartens. Aber ich möchte Ihnen jetzt gar nicht groß Gartentipps geben. Ich möchte Sie heute mitnehmen auf einen Spaziergang durch einen ganz besonderen Garten. Meinen Seelengarten. Ja genau, ich stelle mir das so vor, dass auch mein Inneres, meine Seele wie ein Garten ist. Man betritt ihn durch ein kleines Eisentörchen mitten in einer Glanzmispelhecke. Das Gartentörchen quietscht ein wenig beim Öffnen. Das liegt daran, dass ich in letzter Zeit zu selten hier war, mir nicht bewusst die Zeit genommen habe, hier vorbei zu schauen.

Ich trete durch das Tor. Der sandige Weg knirscht unter meinen Schuhen. Der Weg ist geschwungen und schon bald verzweigt er sich. Zuerst biege ich nach rechts. Ich stehe an einem kleinen Teich. Ein Holzdeck ragt etwas hinein und darauf steht ein bequemer Liegestuhl mit Kissen. Das Wasser ist klar und ein paar Seerosen schwimmen auf dem Wasser. Hier ist es schön und ruhig. Hier kann ich meine Seele baumeln lassen, mich ausruhen. Es riecht leicht modrig vom Wasser und nach Lavendel. Ich liebe den Geruch von Lavendel. An diesen Ort gelange ich, wenn ich mir im Alltag Zeit zum Abschalten nehme. Ich habe diese innere Ruhe in mir, nur manchmal finde ich sie nicht. Dann ist mein Alltag zu stressig, ich bin aufgewühlt und hektisch. Aber wenn ich die Augen schließe, tief und bewusst atme, kann ich jederzeit hierher kommen. Eigentlich wäre das doch schon genug, ausreichend, ein schöner Garten, Punkt.

Aber mein Seelengarten ist größer. Ich verlasse den ruhigen Teich und gehe weiter. Links am Wegesrand ist plötzlich ein Loch im Rasen. Hier wurde etwas ausgerissen. Die Erde ist noch ganz frisch. Das Loch im Rasen macht mich traurig. Ja, auch das gehört zu meinem Garten: Verlust. Manche Löcher am Wegesrand bleiben offen, tun immer wieder weh, wenn ich daran vorbeigehe. Manche Löcher sind aber auch zugeschüttet. Ich habe neue Pflanzen hineingepflanzt, manche stehen für den Ersatz von etwas, das ich verloren habe. Manche sind aber auch Erinnerungen. Das kleine Beet mit den Dahlien ist zum Beispiel für meinen Uropa. Der liebte Dahlien in all ihren unterschiedlichen Formen und Farben. Und der Stachelbeerstrauch erinnert mich an meine Oma und den weltbesten Stachelbeerbaiser-kuchen. Verlust gehört dazu. Über manchem Loch wächst etwas Neues, manches bleibt offen.

[Weiter geht es über den sandigen Weg und da ist der Gemüsegarten. Oh ja, hier ist immer etwas zu tun. Wie in meinem Leben: Es gibt immer wieder ein Feld zu beackern, Aufgaben zu erledigen, Projekte abzuschließen. Manchmal bin ich hoch motiviert, die Arbeit geht leicht von der Hand und ich sehe die Ernte schon in greifbarer Nähe. Manchmal bin ich frustriert, weil wieder neues Unkraut gewachsen ist, weil sich neue Probleme ergeben haben. Dann hilft es mir, wenn ich mir die Arbeit einteile: Heute sind nur die Zwiebeln dran, morgen das Beet mit den Möhren, nicht alles auf einmal. Eins nach dem anderen.]

Weiter schlendere ich durch den Garten, vorbei an der großen Kräuterschnecke. Es duftet nach Thymian, Oregano, Currykraut, Minze und Salbei. Ja, mein Leben hat so einiges an Würze auf Lager. Tolle Reisen, kulturelle Erlebnisse, sportliche Herausforderungen, oder auch spannende Begegnungen mit anderen Menschen.

Hinter dem großen Nußbaum entdecke ich eine kahle Stelle. Hier ist etwas passiert. Der Boden ist verdorrt, alle Pflanzen eingegangen. Hier riecht es verbrannt. Nicht schön. Ich will mich umdrehen, weglaufen. Diesen Teil meines Gartens mag ich nicht. Verbrannte Erde. Diese dunklen Seiten auszuhalten ist schwer. Aber es gibt sie.

Und dann bin ich in der Mitte meines Seelengartens angekommen. Hier steht eine kleine Kapelle. Mitten im Zentrum meiner Seele. Von hier geht alles aus, hierhin komme ich immer wieder zurück. Von hier aus kann ich alles sehen in meinem Garten, selbst die dunklen Ecken. Von hier aus geht das; und von hier aus ist es sogar ansehnlich – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das ist mein Garten. Und falls Sie heute, am Tag des Gartens Lust, Zeit und Muße haben, dann schlendern Sie doch einfach mal durch Ihren Seelengarten.

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