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Kirche in WDR 5 | 09.08.2019 | 06:55 Uhr

Theresa Benedicta vom Kreuz - Edith Stein

Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer!

Heute vor 77 Jahren stirbt Edith Stein in der Gaskammer von Ausschwitz-Birkenau. Wenige Tage zuvor waren sie und ihre Schwester Rosa zusammen vielen anderen Juden in die Vernichtungslager deportiert worden aus den Niederlanden. Die waren damals von den Deutschen besetzt.

Wer war Edith Stein und was ist ihre Besonderheit, dass sie heute zu den Heiligen in der katholischen Kirche zählt?

1891 in Breslau geboren, wächst sie in einer jüdisch-orthodoxen Familie auf. Sie studiert Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik und promoviert schließlich mit 25 Jahren. Ihre Habilitation wird mehrfach abgelehnt, weil sie eine Frau ist und damit wird ihre akademische Karriere an der Universität beendet. Durch Beschäftigung mit Schriften der Heiligen Theresa von Avila konvertiert sie schließlich zum Katholizismus und wird getauft. Da ist sie 31 Jahre alt.

1933 tritt Edith dann in den Orden der unbeschuhten Karmeliterinnen in Köln ein. Sie wählt den Ordensnamen Theresa Benedicta vom Kreuz und verfasst philosophisch-theologische Schriften, in denen sie sich unter anderem mit dem inneren Wesen des Menschen befasst.

Im Innersten, so Theresa, bleibt der Mensch ein Geheimnis. Es gibt also etwas in jedem von uns, das wir nicht erklären oder durchdringen können. Bei allem durchschaut der Mensch sein Innerstes nie ganz. Er bleibt sich selbst letztlich ein Geheimnis Gottes, so schreibt sie. Das meint: Es bleibt etwas in mir, das ich nicht verstehen kann, das Gott vorbehalten ist, so wie ich auch seine Wege niemals bis ins letzte verstehen kann.

Theresa nennt ihre Abhandlung Kreuzeswissenschaft. Und das hängt für mich damit zusammen, dass gerade im Kreuz, im Schweren, im Unzumutbaren meines Lebens ein Geheimnis bleibt, das ich nicht verstehe. Denn die Frage nach dem Warum von Leid lässt sich nicht klären. Theresas persönlich Antwort auf diese Ungewissheit waren: Hingabe und Vertrauen an und in ihren Gott, der selbst ein Geheimnis ist.[1]

Sie selbst hat nicht nur philosophiert und theologische Schriften verfasst, sondern die Ernsthaftigkeit ihrer Gedanken auch durch ihr Leben und Handeln bezeugt. Als sie, die konvertierte Jüdin Edith Stein, 1942 mit ihrer Schwester in das Vernichtungslager abtransportiert wird, spricht sie den Satz: „Komm Rosa, wir gehen für unser Volk“.

Aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln gilt sie als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden und zeigt durch ihr Leben und Sterben die enge Verbundenheit zwischen beiden Religionen. 1999 erhebt Papst Johannes Paul II sie deshalb zur Patronin Europas. Mir persönlich zeigt das Lebensbeispiel Edith Steins: Hass und Feindschaft zwischen Menschen und Religionen sollen weder in Europa noch auf der ganzen Welt siegen und das letzte Wort haben, sondern Hingabe und Liebe helfen sie zu überwinden.

Aus Gladbeck grüßt Sie

 

Meike Wagener-Esser


[1] Vgl. Edith Stein, Kreuzeswissenschaft, ESGA 18, S. 133f: „Der Mensch ist berufen, in seinem Innersten zu leben und sich selbst so in die Hand zu nehmen, wie es nur von hier aus möglich ist. Nur von hier aus ist die rechte Auseinandersetzung mit der Welt möglich, nur von hier aus kann er den Platz finden, der ihm zugedacht ist. Bei allem aber durchschaut er sein Innerstes nie ganz. Es ist ein Geheimnis Gottes, das Er allein entschleiern kann, so weit es Ihm gefällt. Dennoch ist ihm sein Innerstes in die Hand gegeben, er kann in vollkommener Freiheit darüber verfügen, aber er hat auch die Pflicht, es als ein kost- bares Gut zu bewahren.“.



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