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Kirche in WDR 3 | 29.11.2019 | 07:50 Uhr

Totengedenken


Guten Morgen!

Mein Vater hatte für das Totengedenken, wie es bei uns in dieser Jahreszeit praktiziert wird, kein Verständnis. Der November ist ja bekanntlich ein Friedhofsmonat. Die Gräber werden auf Vordermann gebracht, mit neuen Pflanzen bestückt, Kerzen aufgestellt und der Grabstein aufpoliert. Viele Angehörige sehen darin einen letzten Dienst an den Verstorbenen. Für manche Alleinstehenden ist aber auch der Gang zum Friedhof ein sozialer Akt. Man trifft Leute, die ein ähnliches Schicksal ereilt hat, die einen lieben Menschen verloren haben und die jetzt allein sind.

Mein Vater empfand den Kult um die Gräber immer als etwas Spießiges und Kleinbürgerliches. Allerheiligen bezeichnete er spöttisch als „Persianersonntag“, weil da zum Friedhofsgang die Pelz- und Wintermäntel erstmals aus dem Schrank geholt und zur Schau getragen würden, wie er meinte. „Wenn ich sterbe, dann vergrabt mich in irgendeiner Kiste auf der nächsten Wiese“, hat mein Vater noch gemeint. Und dann starb mein Vater – viel zu früh. 25 Jahre ist das nun her. Unsere Familie hat ihm diesen Wunsch nicht erfüllt. Denn für uns war es wichtig, einen Ort des Gedenkens an unseren Vater zu haben. Er bekam ein richtiges Grab mit einem kostbaren Grabstein, worauf sein Name mit seinen Lebensdaten geschrieben stand.

Nun, nach 25 Jahren wurden die Worte meines Vaters noch einmal aktuell. Denn da gilt es sich bekanntlich zu entscheiden, ob die Nutzungszeit des Grabes verlängert wird, oder nicht. Und nach einem viertel Jahrhundert ist die Trauer noch da, aber gewandelt. Meine Schwester sagte daher zu mir: „Papa ist in meinem Herzen und nicht auf dem Friedhof.“

Ich habe mich damit schwerer getan. Geholfen hat mir eine Äußerung der heiligen Monika, der Mutter des Augustinus. Diese sagte kurz vor ihrem Tod zu ihren beiden Söhnen: „Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorgen um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!“[1]

Wie gesagt, für mich, war die Entscheidung nicht leicht. Aber: Wir haben das Grab meines Vaters nun nach 25 Jahren einebnen lassen. Und wenn ich ehrlich bin, ist das ganz in seinem Sinn. Denn wo immer ich bin, die Verstorbenen – und gerade auch mein Vater – sind mir nirgendwo näher als dort, wo ich an sie denke.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Jan Hendrik Stens aus Köln.


[1] Augustinus, Confessiones, Lib. 9, 10-11: CSEL 33, 215f. 218f.

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