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Kirche in WDR 4 | 29.01.2020 | 08:55 Uhr

Trauerjahr

Autorin: Guten Morgen.

Margret sitzt am Frühstückstisch und zündet wie an allen anderen Tagen im vergangenen Jahr eine Kerze an. Doch heute macht sie was, was sie schon lange nicht mehr getan hat. Sie schreibt einen Brief. An Günter. Ihren Mann. Heute vor einem Jahr ist er plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben.

Margret hatte sich schon länger vorgenommen, heute an seinem Todestag einen Brief zu schreiben.
Hörbar atmet sie ein und aus, richtet sich auf dem Küchenstuhl nochmal bewusst auf und beginnt ihren Brief:

Sprecherin: (ältere Stimme)

Lieber Günter,

Nun ist es ein Jahr her, als Du gingst.

Ein Jahr schon.

Ein Jahr ohne Dich. Jedes Fest. Jeder Geburtstag ohne Dich war schlimm.

Weil Du so gefehlt hast.

Keiner war da, der mir gesagt hat, dass ich hübsch aussehe, als ich mich für den 70. von Moni fertiggemacht habe. Na gut, da war auch keiner der gedrängelt hat, dass ich mich beeilen soll. Aber auch das hat mir gefehlt. 

Genauso wie dein Genörgel über mein loses Mundwerk.

Wie oft hast Du gesagt, ich soll nicht zu allem meinen Senf dazu geben. Und wie oft hast DU mich getröstet, als ich mir damit Probleme eingehandelt habe. Nun, wo Du nicht mehr bist, halte ich mein loses Mundwerk viel häufiger als je zuvor. Weil ich Angst habe, dass da keiner ist, der mich nachher tröstet…

Das erste Jahr ist jetzt um, und ich weiß nicht ob das zweite Jahr besser wird.

Alle haben sich längst wieder in ihrem Alltag eingerichtet. Das Leben geht weiter…wie oft musste ich mir das in diesem Jahr von den anderen anhören. 

Und dass ich loslassen soll.

Lieb gemeinte Ratschläge, die sich angefühlt haben wie Tiefschläge mitten in die Magengrube.

Ich weiß gar nicht wie ein Leben ohne Dich geht. Du warst mein Fels in der Brandung und gleichzeitig hattest Du keine Angst, mir Deine Schwächen zu zeigen. Dafür habe ich dich immer besonders geliebt.

Nein, ich kann Dich nicht loslassen. 

Ich denk´ gern an Deine Trauerfeier. An alle die da waren. Wir haben so viel über Dich geredet. Alte Geschichten, kleine Anekdoten, Trauriges, Schönes. Es war bunt gemischt, wie unser Leben eben auch. 

Ich denk´ oft an den Moment, als wir die Urne runtergelassen haben. Martin hat sie getragen. Und ich musste daran denken, wie du ihn früher getragen hast, am Tag nach seiner Geburt und man Dir Dein Vaterglück so ansah und wie glücklich mich das machte.

Und wenn ich über all das nachdenke, dann weine ich oft. Und dazu fallen mir die Worte immer wieder ein, die der Pfarrer am Grab gesprochen hat aus der Bibel: 

Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten, hat er gesagt. 

Und deshalb gebe ich mich meinen Tränen hin, weil ich die Hoffnung habe, dass sie nicht umsonst sind. Dass der Schmerz in meinem Herzen mir doch gerade das zeigen will:

Dass mit dem Tod nicht alles aus ist und wir miteinander verbunden sind.

Manchmal habe ich Angst, diese Hoffnung ist zu schön, um wahr zu sein. 

Aber dann spür ich, dass nicht alles aus sein kann. Deine Liebe ist mein Beweis dafür. Und daran halte ich fest! Solange lass ich Dich nicht los und erinnere mich weiter jeden Tag an Dich, aber ich kann weiterleben mit meiner Hoffnung. 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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