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Kirche in WDR 2 | 29.05.2019 | 05:55 Uhr

Klatschmohn

Klatschmohn ist wunderschön und grad sieht man ihn endlich wieder überall. Dieses Rot! Leider ist Klatschmohn aber eine sehr zerbrechliche Schönheit. Er blüht nämlich nur genau da, wo er wächst. Dieses Knallrot vom Klatschmohn, das können Sie nicht mitnehmen. Pflückt man Klatschmohn und stellt ihn in die Vase, hängen die Blüten schon nach kurzer Zeit runter und fallen sehr bald ab.

Daher: Für den selbstgepflückten Blumenstrauß vom Wiesenrand ist er nicht geeignet. Und es ist ja auch um jede dieser tollen roten Blumen schade, die dann am Feld- und Wiesenrand oder an Häuserecken fehlt. Ich jedenfalls verteidige jedes Jahr meinen Klatschmohn zwischen den Terrassensteinen vor den Unkrautvernichtungsblicken der Vorübergehenden. 

Meine große Klatschmohnliebe liegt übrigens in der Familie. Für mich ist sie verbunden mit einer Erinnerung an meine Großtante Fitti, die sowieso wundervoll, mutig und klug war und von der es viel zu erzählen gäbe. Doch heute gehts um ihre Klatschmohnliebe, die so legendär war, dass ihre Nichte, meine Mutter, in einem ihrer letzten Frühsommer, als sie für längere Zeit krank war, wusste, was zu tun war. Vor die Tür kam die alte Dame leider nicht mehr. Beim besten Willen nicht. Also wusste ihre Nichte, meine Mutter, dass es Zeit für die große Ausnahme war. „Komm Kind, wir fahren zur Tante und nehmen den Umweg. Da entlang, wo zwischen Straße und Feld ganz viel Klatschmohn steht. Es ist ein Notfall, Kind. Wenn Tante Fitti nicht mehr zum Klatschmohn kann, muss der Klatschmohn ein einziges Mal zu ihr kommen.“

Wir haben ein Küchentuch angefeuchtet und es in einer Tüte mitgenommen. Wir haben eine Handvoll des kostbaren Rots gepflückt und die Stengel vorsichtig ins Tuch gebettet für den Rest der Strecke in den Süden der Stadt. Und wir waren uns des Ernstes, der Feierlichkeit und der Fröhlichkeit der Lage bewusst, als wir die Blumen überreichten. „Ach Kinder, ihr seid verrückt. Und wundervoll.“ So ähnlich klingt der Seufzer und blinzelt das Strahlen der wundervollen Tante Fitti bis heute bei mir nach.

Die Liebe zu unseren Nächsten, die blüht meist am Wegesrand. Und sie ist zerbrechlich. Und kostbar. Und Klatschmohn pflückt man nicht. Ich liebe ihn, wo er hervorlugt. Und manchmal denke ich dann an Tante Fitti.
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