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Kirche in WDR 2 | 16.03.2021 | 05:55 Uhr

Und dennoch bleibe ich

Ich bin schon immer katholisch. Meine Eltern haben mich taufen lassen, da war ich gerade einmal 13 Tage alt. Nicht, weil sie besonders fromm wären. Das bot sich wohl einfach an. So nach dem Motto „hat man das schon mal erledigt.“ Als Kind bin ich nur an Weihnachten zur Kirche gegangen. Als Jugendliche wollte ich austreten, sobald ich volljährig bin. Als es so weit war, war mir die Kirche zu egal, um auszutreten. Sie war weit weg von meinem Leben, zu weit weg von Gleichberechtigung. Und zu wenig gegenwärtig. Wurde ich gefragt, habe ich gesagt: „Ich glaube an Gott aber die Kirche brauche ich dazu nicht!“ Hätte man meinem 20jährigen Ich erzählt, dass ich einmal als Seelsorgerin in der katholischen Kirche arbeite – ich hätte laut gelacht. Unmöglich!

Bei mir war es nicht die Gretchen-, sondern die Grapefruit-Frage, die mich mit Anfang 20 ins Grübeln gebracht hat. Ich habe mich nämlich gefragt: Welche Bedeutung hat Gott denn wirklich in meinem Leben? Und ich habe festgestellt, dass es bei mir und Gott ein bisschen so war, wie bei mir und den Grapefruits. Ich mag sie. Aber sie kommen in meinem Leben nicht vor.

Ich habe mich damals auf die Suche gemacht: Wie kann ich mit Gott mehr in Beziehung kommen? Ihn mehr in mein Leben lassen? Ich wollte etwas davon schmecken, dass ich glaube. Wollte mehr leben, was ich glaube.

Und schnell war klar: Das geht für mich nur mit anderen Menschen. Ich erlebe Gott vor allem in Kontakt mit Menschen, die ebenfalls nach ihm fragen. Die Antworten probieren. Und das nicht nur in der Theorie, sondern auch ganz praktisch. In der Kirche habe ich viele solcher Menschen getroffen. Deshalb bin ich geblieben.

Und ich gebe zu: Manches in dieser Kirche schmeckt echt bitter. Auch da denke ich an die Grapefruit. Wobei – deren Bitterstoffe sind gesund. Die der Kirche wahrlich nicht… Die Zweifel von damals sind nicht weg. Noch heute denke ich oft: Liebe katholische Kirche – wir sind uns doch ziemlich fremd! Und dann denke ich wieder: Die katholische Kirche, das bin auch ich. Das sind die Frauen, die in unserer Gemeinde ehrenamtlich die Caritasarbeit leisten. Sie helfen etlichen Menschen in Not durch Hilfe bei komplizierten Anträgen, durch Geld, durch ein offenes Ohr. Kirche, das sind die Vielen, die sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagieren. Die alles dafür tun, dass Kinder und Jugendliche wirklich gute Erfahrungen machen können. Das sind die etlichen kirchlichen Beratungsstellen, die so vielen Menschen durch Krisen helfen. Das sind die Schwestern im Kloster Dinklage, die jedem Gast das Gefühl geben: Hier bist Du willkommen – auch wenn Du ganz anders lebst als wir. Ach, ich kann sie gar nicht alle aufzählen: Kirche, das sind so viele!

Aber zurück zur Grapefruit-Frage. Ich gestehe: die esse ich immer noch nicht regelmäßig. Aber: An Gott habe ich mittlerweile derart Geschmack gefunden, dass ich ohne nicht kann. Und auch nicht ohne eine Gemeinschaft, die an ihn glaubt. So unerträglich bitter manches ist, was in dieser, meiner Gemeinschaft, der katholischen Kirche passiert - Dennoch bleibe ich. Denn die Kirche, das sind in der großen Mehrheit   Menschen, die leben wollen, was sie vom Evangelium verstanden haben.

Ich finde, wie viele andere in der Kirche mit mir: das Bittere, das Unerträgliche, das, was so gar nicht nach Jesus schmeckt, das muss benannt werden. Und verändert. Deshalb bleibe ich.

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