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Sonntagskirche | 20.10.2019 | 08:55 Uhr

Und was kommt für Pedro dabei heraus?

 Guten Morgen!

Vor vier Tagen war Welthungertag. Seit 40 Jahren werden wir jeweils am 16. Oktober daran erinnert: (1) Weltweit sind 821 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. (2) 821 Millionen. Das ist die Einwohnerzahl von Deutschland mal zehn gerechnet. (83 Millionen - Stand 2018). (3)

Wir leben in einem Land, wo man in den Supermärkten von der Auswahl an Käse-, und Wurstwaren fast erschlagen wird. Die Deutschen leiden unter Übergewicht. Mehr als die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen sind übergewichtig. (4) Während „einer von neun Menschen weltweit jeden Abend hungrig schlafen gehen muss.“ (5) Diese Widersprüchlichkeit macht mich betroffen und lässt mich ratlos zurück.

Deshalb gehören für mich die vierte und fünfte Bitte des Vaterunsers zusammen: „Unser tägliches Brot gib uns heute. [Und:] Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ (Matthäus 6,11-12). Seit längerer Zeit frage ich mich, ob Jesus diese fünfte Bitte um die Vergebung unserer Schuld wohl ganz bewusst hinter die Bitte um das tägliche Brot gesetzt hat. Und ob wir deshalb nicht direkt eine Woche nach Erntedank eigentlich schon den Buß- und Bettag brauchen. Den gibt es zwar im November. Aber nicht mehr als Feiertag. Aus finanziellen Gründen ist er uns genommen worden. Aber aus menschlicher Sicht ist er so unendlich wichtig für uns.

Sicher: Ich darf dankbar alles genießen, was Gott mir schenkt. Gleichzeitig spüre ich bei diesem Dank ein gewisses Unbehagen angesichts der aktuellen Weltlage. Und in meinen Dank mischt sich unwillkürlich die Bitte um Vergebung ein. Ich habe es so unverdient gut und gleichzeitig haben es so viele offensichtlich ebenfalls unverdient schlecht und sind von Hunger, Krieg, Flucht und Armut bedroht.

Das tägliche Brot und die tägliche Schuld gehören untrennbar in unserer Welt zusammen.

Das heißt aber nicht, dass ich nichts tun kann. Ein Buch aus den 80ern (6) bringt es auf den Punkt. Da geht es um unsere Errungenschaften: Autobahnen, Krankenhäuser und so weiter. Und immer fragt der Autor: Und was kommt für Pedro dabei heraus? Erstmal nichts. Pedro lebt in Lateinamerika und ist arm. Er könnte aber auch anderswo leben, wo die Lebensbedingungen schwierig und durch unseren Lebensstil noch schwieriger gemacht werden.

Und was kommt für Pedro dabei heraus? Diese Frage macht nachdenklich. Wie lebe ich und welche Folgen hat das für Pedro. Fast immer negative, kann man sagen. Da werden seine Lebensgrundlagen ausgebeutet. Wie in Bolivien. Für die Gewinnung von Lithium werden Unmengen an kostbarem Wasser verbraucht. Für eine Tonne Lithium sind das ca. zwei Millionen Liter Wasser. (7) Das alles, damit wir Akkus für Smartphones und Elektroautos haben. Was kommt für Pedro dabei raus, wenn es mir gut geht? Wie kann ich so leben, dass ich anderen nicht die Lebensgrundlage entziehe? Mich immer mal wieder fragen: Und was kommt für Pedro dabei heraus. Zum Beispiel beim nächsten Einkauf.

( 1 ) https://welthungertag.de/welthungertag/ (letzter Abruf 5.9.2019)

( 2 ) https://www.welthungerhilfe.de/presse/pressemitteilungen/2018/welthunger-index-2018/ (letzter Abruf 5.9.2019)

( 3 ) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/06/PD19_244_12411.html/ (letzter Abruf 5.9.2019)

( 4 ) „59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen in Deutschland sind übergewichtig.“ https://www.dge.de/presse/pm/so-dick-war-deutschland-noch-nie/ (letzter Abruf 5.9.2019)

( 5 ) https://de.wfp.org/zero-hunger/ (letzter Abruf 5.9.2019)

( 6 ) Fritz Schwarz, Unter allen Stühlen: Dialog mit Pedro, Brendow-Verlag Moers 1985.

( 7 ) Informationen zu den Folgen für die Umwelt durch den Abbau von Lithium sind entnommen dem Report: „Das weiße Gold – Umwelt- und Sozialkonflikte um den Zukunftsrohstoff Lithium“, den Brot für die Welt am 13. November 2018 veröffentlicht hat. Informationen und Downloads dazu unter: https://info.brot-fuer-die-welt.de/blog/lithium-weisse-gold (letzter Abruf 14.09.2019)

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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