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Kirche in WDR 2 | 09.10.2020 | 05:55 Uhr

Und wenn die Angst kommt?

Autor: Dass ich diese Krebserkrankung hatte, habe ich erzählt, oder? Das ganze Jahr 2019 habe ich damit zugebracht. OP, Antikörper, Chemotherapie, das volle Programm. Jetzt ist die Krankheit überwunden, Gott sei Dank, es geht mir gut.

Aber manchmal kommt sie noch mal wieder, die Angst. Neulich zum Beispiel. Eine Hautentzündung. Es könnte da einen Zusammenhang geben mit der Krebserkrankung, sagt mein Hautarzt. Ich soll mir einen Termin bei einem Experten machen. Chefarzt der Hautklinik. Ganz großes Kino. Und: große Angst. Auf der Rückfahrt fluche ich. Schreie gegen die Windschutzscheibe, schlage aufs Lenkrad. Hört das denn nie auf? Kann ich nicht einfach mal Ruhe haben? Ein paar Monate, ein paar Jahre vielleicht?

Das Leben ist so verletzlich. Das habe ich längst gelernt. Niemand garantiert dir das: ein paar ruhige Monate, ein paar schöne Jahre. Das kann schnell gehen: Plötzlich krank, plötzlich an der Grenze des Lebens.

Ich habe gedacht, nach so einer Krankheit habe ich ein bisschen Erfahrung damit. Pustekuchen. Plötzlich ist sie wieder da, die Angst, mit voller Wucht kracht sie in mein Leben. Wie ein riesiger Betonklotz, eine Straßensperre. Ich stehe davor und komme nicht weiter. Der Termin beim Experten ist in zwei Tagen. Ich kann nicht schlafen. Ich schreibe einer Freundin. Das tut gut.

„Mein Lieber, lass uns mal diesen Betonklotz angucken“ schreibt sie. „Ein richtiger Klotz, ja? Und du kommst nicht vorbei. Ich muss Dir sagen: Ich kann ihn auch nicht heben. Oder für dich aus dem Weg räumen. Diese Angst ist da und sie wiegt schwer. Aber soll ich Dir was verraten? Es ist keine Wand, erst recht kein geschlossener Raum. Wenn Du einverstanden bist, nehme ich Dich jetzt bei der Hand und führe dich an der Seite vorbei. OK? Das geht nämlich. Wir gehen rechts vorbei, sehen ihn plötzlich nicht mehr von vorn, sondern von der Seite. Und jetzt heb mal die Augen und schau nach vorn! Da ist die Straße! Bäume links und rechts. Leute kommen uns entgegen. Eine Frau telefoniert und lächelt versonnen vor sich hin. Sie wirkt völlig unbeschwert. Rechts toben zwei Kinder auf diesen kleinen Spielgeräten. Ein Schaukelpferd wippt hin und her. Auch sie: völlig unbeschwert. War da was? Wir sind ganz unmerklich ein paar Schritte weiter gegangen. Dreh dich mal um! Der Betonklotz liegt schon hinter uns. Was sagst du dazu?“

Ich kann endlich schlafen. Die Angst tatsächlich erst mal hinter mir lassen. Zwei Tage später ist der Termin. Es gibt Entwarnung. Ein Antibiotikum und eine Salbe, das ist alles. Und die Angst? Wenn sie wiederkommt?

„Fürchte dich nicht, ich bin bei dir. Ich halte dich an meiner Hand,“ sagt Gott (Jes 41,10). Vielleicht führt er mich dann wieder ein Stück weiter. An der Angst vorbei.

 

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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