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Kirche in WDR 3 | 28.12.2019 | 07:50 Uhr

Unschuldige Kinder

Guten Morgen

Heute feiert die katholische Kirche wie jedes Jahr das Gedächtnis der unschuldigen Kinder. Für mich hat dieses Fest ganz neue Bedeutung bekommen, und zwar durch meinen Aufenthalt im Heiligen Land, wo ich jetzt seit vier Jahren lebe. Das Fest geht zurück auf eine Erzählung des Evangelisten Matthäus. Der berichtet, dass König Herodes (vgl. Mt 2, 16-18) alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren umbringen ließ, um so Jesus, seinen Rivalen den neugeborenen König der Juden zu vernichten.

Was immer damals genau geschehen sein mag, bemerkenswert ist, dass es spätestens seit dem späten 6. Jahrhundert unter der Geburtskirche von Betlehem, nicht weit von der Geburtsgrotte – eine weitere Höhle gibt, die diesen unschuldigen Kindern gewidmet ist. Zahlreiche Ikonen schmücken den Raum, denn er wird heute von der orthodoxen Kirche betreut. Durch ein paar Gitter schaut man auf Gräber und Gebeine. Niemand weiß genau, von wem sie stammen, und auf den ersten Blick erscheint es makaber, dass in unmittelbarer Nähe des Geburtsortes Jesu Totengebein verehrt wird.

Und doch gehe ich – wann immer möglich – mit Besuchern auch in diese Kapelle. Ich finde es gut und richtig, dass hier auch an unschuldige Opfer der Mächtigen erinnert wird. Gerade im Umfeld von Weihnachten, das ja von der Geburt eines Menschen erzählt, der schließlich selbst zum Opfer der Mächtigen wurde.

Als katholischer Christ denke ich bei „unschuldigen Kindern“ heute natürlich zuallererst an den ungeheuerlichen Missbrauchsskandal. Nicht nur wegen des heutigen Gedenktages ist es höchste Zeit, dass gerade in der Kirche endlich, endlich all die unschuldigen Opfer, Kinder und Erwachsene, gehört werden und dass ihnen – so weit möglich – Gerechtigkeit widerfährt. Und dass aufgedeckt wird, wie auch in der Kirche Macht missbraucht werden konnte und kann.

Hier, im sogenannten Heiligen Land, in Israel/Palästina denke ich aber auch an andere „unschuldige Kinder“, Opfer des Konflikts, der schon Jahrzehnte andauert – und an ihre Eltern.

Eine der bewegendsten Erfahrungen in der Zeit, die ich nun hier lebe, ist die Begegnung mit Mitgliedern des sogenannten „Parents Circle“, eines ganz besonderen „Elternkreises“. Dort haben sich Eltern und auch andere Angehörige zusammengefunden, die im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern Kinder verloren haben – und zwar auf beiden Seiten. Über ihren Schmerz haben sie zusammengefunden und entdeckt, dass sie miteinander reden und einen anderen Weg in die Zukunft suchen müssen. Und dann gehen sie paarweise in Schulen, erzählen dort von ihrem Weg zueinander – der jüdisch-israelische Vater, dessen Tochter bei einem palästinensischen Bombenanschlag in Jerusalem umgekommen ist, und die palästinensische Mutter, deren Sohn bei einer Kontrolle von israelischen Soldaten erschossen worden ist.

Ich staune über die Kraft der Versöhnung, die in diesen Männern und Frauen lebendig ist. Und darüber, wie die „unschuldigen Kinder“ dieser Eltern am Anfang einer Geschichte stehen, die fast unglaublich scheint und die für mich zu den wirklichen Wundern im Heiligen Land gehört.

Aus Jerusalem grüßt Sie Georg Röwekamp.

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