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Hörmal | 09.02.2020 | 07:45 Uhr

Vergleich

„Ich will aber einen schöneren Zug haben. Viel schöner, als der Junge dort.“ In der Sitzreihe hinter mir in der Bahn zerbricht gerade eine kleine, große Welt. Die Tränen fließen. Die Mutter müht sich redlich. Dabei hat es so gut angefangen. Keine Frage: Lange Bahnreisen sind für Kinder ein Graus. Keine Bewegung. Keine Abwechslung. Puh. Dann komm die Schaffnerin und alle Kinder bekommen eine kleine Kunststoff-Lok oder einen Waggon. Erst mal super. Auspacken, staunen. Guck mal Mama. Toll. Und dann geht der Blick zur anderen Seite. Der Junge dort hat auch was bekommen. Aber der hat eine Lok. Eine richtige Lok. „Ich will auch eine Lok haben. Warum habe ich nur so einen langweiligen Waggon?“ Die Mutter ist zugewandt. „Bestimmt bekommst du beim nächsten Mal auch eine Lok.“ Aber der Trost hilft nicht. „Ich will aber einen schöneren Zug haben. Und dann soll der andere Junge weinen.“ „Na, da bist du aber ganz schön traurig.“ „Ja. Und dann will der andere Junge bestimmt zwei Züge haben. Und dann, und dann will ich aber sechs Züge haben. Und dann habe ich echt ganz viel mehr.“

Erstaunlich. Der Kleine durchschaut die Mechanismen, die auch das Leben der Großen bestimmen. Er weiß genau, wie das weitergehen wird. Einer überbietet und übertrumpft den Anderen.

Der kleine Junge hat das durchschaut – aber es gelingt ihm nicht, aus der Spirale herauszukommen. Die Lösung kommt, als der Vater die Mutter ablöst. Das Gespräch geht auf spanisch weiter. Ich verstehe es nicht mehr, merke nur, dass durch den Vater ein neues Moment in die Situation kommt. Das hilft dem Kleinen, aus der Spirale herauszukommen.

Bei uns Erwachsenen geht es nicht um Spielzeug-Lokomotiven. „Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot.“ Der Werbespot ist längst zum Klassiker geworden. Er funktioniert, weil wir uns so gut darin wiedererkennen. Und das geht weit über das persönliche Leben hinaus. „Mein Wirtschaftswachstum. Meine Bomben. Meine Macht.“

Wir haben es weit gebracht mit unserer Steigerungslogik. An den Rand des Abgrunds. Wie der kleine Junge im Zug haben wir das durchschaut. Aber es geht uns wie ihm: Wir kommen einfach nicht raus aus der Spirale, die sich unaufhaltsam immer weiterdreht.

Ein Ausdruck macht die Runde, der in unserem Sprachgebrauch kaum noch vorkommt. Er ist tief im biblischen Sprachgebrauch verwurzelt: „Sich genügen lassen.“ Sich genügen lassen kann, wer genug hat. Genug zum Leben und zum Sterben. Der kann getrost und mutig heraustreten aus der Spirale des „Höher! Weiter! Schneller!“

Können Sie das hören, heute Morgen – als Impuls, der hilft, dass Sie jedenfalls für diesen Tag aus der Spirale des Höher-Weiter-Schneller herauskommen: „Du bist reich beschenkt. Das genügt für ein gutes Leben. Freu dich dran.“

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

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