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Choralandacht | 19.01. 2019 | 07:50 Uhr

Verleih uns Frieden gnädiglich

Musik 1: eg 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine.

Autorin: Als ich vor 45 Jahren konfirmiert wurde, endete jeder Gottesdient mit dieser Bitte Martin Luthers um den Frieden. Erst gab es den Segen, er hat mich immer aufgerichtet. Und dann diese Melodie mit dieser Bitte um Frieden. Das wirkte immer so ernst und drückte auf meine Stimmung. Anders erlebe ich es, wenn ich das Lied so singe:

Musik 2-Nagel: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten, es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten.

Autorin: Martin Luthers Bitte um den Frieden bleibt hier fast wörtlich erhalten. Doch die Melodie ist anders. Vor etwa 20 Jahren hat Matthias Nagel sie komponiert. Zusammen mit einer Neufassung von „Ein feste Burg“ brachte der Kirchenmusiker aus Ostwestfalen das Lied als Geschenk zu einem Reformationsfest in Essen mit. Der Musiker hatte vermutet, die Gospelversion von „Ein feste Burg“ würde auf große Resonanz stoßen, doch es kam anders: -

O-Ton: Nagel: „Verleih uns Frieden“, diese Balladenmelodie, hab ich gar nicht so hoch angesetzt in der Wertigkeit. Und das war interessanteweise die Melodie, wo nach vier Wochen die Anfragen kamen: Kann man das nochmal singen? Können wir die Noten haben? Damit habe ich nicht gerechnet, dass nach diesem Lied wieder gefragt werden würde.

Autorin: Die eingängige Melodie hatte sich in Köpfe und Herzen geschlichen. So ist das häufig bei Schlagern. Einzelne Zeilen bleiben hängen, der Song wird zum Hit. Matthias Nagel, klassisch gebildeter Kirchenmusiker und heute Popkantor in der Ev. Kirche von Westfalen, spürt Schlagern ab,

O-Ton: Nagel: dass sie etwas enthalten, was uns allgemein …. Anspricht. Sonst hätten sie nicht so einen Zulauf. Insofern nehme ich die Musikform und die Texte zunächst mal sehr ernst und schaue: Wo ist die musikalische und die textliche Botschaft? Es gibt, das ist mir am wertvollsten geblieben, es gibt einige Zeilen, die bei mir hängen bleiben. Eine solche Headline haben wir bei Chorälen ja auch.

Musik 1: eg 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Autorin: In dieser Textzeile hat Nagel die Keimzelle des Luther-Liedes entdeckt.

O-Ton: Nagel: „Verleih uns Frieden“ ist schon ein steiler Satz. Ich denke, den können wir heute mehr denn je gebrauchen. Der hatte sich bei mir einfach festgesetzt dieser Satz. …. 5:24)und dann habe ich eben die Melodie danach geschrieben. Für mich ist die Grundaussage, dass der Friede nur von Gott und gefühlt von oben…. kommen kann: Deshalb geht die Melodie zu Anfang von oben nach unten, hat dieses Hauptmotiv. Und dann kommt

„Herr Gott zu unseren Zeiten“. Das Wort „Gott“ ist wieder hochgesetzt in der Motivik und „zu unseren Zeiten“, das sind wir auf der Erde, ganz klein sozusagen, ist wieder tiefgesetzt.

Musik 2-Nagel: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten.

Autorin: Sehnsucht nach Frieden setzt Nagel musikalisch als Baladenmelodie um. In Pop-oder Rockkonzerten leuchten während solcher Lieder Feuerzeuge auf.

O-Ton: Nagel: Das heißt im Popbereich, dass es ein relativ langsames Tempo ist, ich mach das mal so ein bisschen vor: …. keine große kunstvolle Musik, auf dem Klavier spielt man mit der rechten Hand eigentlich durchgehend Viertel, und links einen so etwas punktierten Bass. Aber diese Ruhe und diese Ebenmäßigkeit der Pop- oder Rockballade hat wirklich eine suggestive Wirkung.

Autorin: Es bleibt nicht bei der poppigen, eingängigen Melodie:

Musik 2-Nagel: „denn du unser Gott alleine, denn du unser Gott alleine.“

O-Ton: Nagel: Da ist auch irgendwie Schluss mit dem lustigen Gott. mit dem Schlagergott, sage ich mal, mit dem Hochglanz-Gott. Wenn wir es wirklich ernstnehmen, was Gott uns anbietet, nämlich den Frieden, dann kann man das nicht mal gerade so im Vorbeigehen mitnehmen, so wie im Kaufhaus, ich vielleicht mal was kaufe, was ich gar nicht haben wollte, sondern muss ich mir ernsthaft Gedanken machen, was Gott uns da anbietet. Und deshalb kriegt das Lied da eine Einfärbung in den Moll-Bereich.

Autorin: Bei mir wirft das Fragen auf. Was bietet Gott uns an? Und wie gehen wir Menschen damit um?

O-Ton: Nagel: Frieden und Gerechtigkeit, ich denke wir haben als Menschen, wenn wir den freien Willen … wirklich in Anspruch nehmen wollen und ernst nehmen, dann hat Gott uns angeboten: Liebe Menschen, ihr könnt für die Dauer eurer Lebenszeit in Frieden miteinander leben. Das ist ein einfaches und starkes Angebot. Und wir scheinen es nicht zu verstehen.

Autorin: Gottes Angebot ist so stark, weil es gewaltsame Stärke ablehnt. Barmherzig und nicht allmächtig kommt Gott als Mensch Jesus zu uns Menschen. Er lässt sich auf Menschen ein, die von der Mehrheit damals abgelehnt werden: Bettler, Kranke, Fremde, arme Kleinbauern und Fischer, auch Männer und Frauen, die sich in Schuld verstrickt haben, die Ehebrecherin, den korrupten Steuereintreiber. Jesus hinterfragt Mehrheitsmeinungen. Dadurch macht er sich Feinde. Sie wehren ihn ab, verspotten und töten ihn. Er zieht keinen Schutzpanzer an und richtet keine Waffe gegen die, die ihn angreifen. Mir fällt das schwer. Wenn ich angegriffen werde, ist mein erster Impuls, mich zu verteidigen und zu wehren. Gottes Frieden annehmen, heißt, sich anders zu schützen, Konflikte anders zu lösen, auf Gewalt zu verzichten.

O-Ton: Nagel: Und auch was hinter sich lassen. Das hat ja Luther quasi auch gesagt. „Es ist doch ja kein andrer nicht“; diese schöne doppelte Verneinung und dieses „doch ja“ das ist schon ne echte Bestätigung, das ist ne steile Aussage auch es ist doch ja kein anderer nicht, also versuch mal anders Frieden zu erreichen. Das schaffst du sowieso nicht, außer wenn du den göttlichen Frieden annimmst, der dir angeboten wird.

Autorin: Das „doch ja“ hat Matthias Nagel umgestellt zum „ja doch“ – so wie wir es umgangssprachlich heute nutzen. Und noch eine Änderung gibt es am Ende des Liedes: Auf die Friedensbitte folgt ein dreiteiliger Liedruf:

Musik 2-Nagel: Halleluja. Kyrie eleison. Herr Gott, erbarme dich. Halleluja, Kyrie eleison. Herr Gott erbarme dich.

O-Ton: Nagel: Zunächst mal hab ich an die Begriffe himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt gedacht, also dieses Wortpaar verwendet man ja auch oft umgangssprachlich. Und dann gibt es das tatsächlich auch schon in dem Lied „Christ ist erstanden“, in der 3. Strophe, da kommt das Kyrie eleison am Ende vor und die dritte Strophe beginnt mit dem Halleluja. Das liegt einfach nahe zusammen in unserer lutherischen Messe.

Autorin: Halleluja, lobt Gott! Denn er weckt Jesus vom Tod auf. Damit bestätigt er Jesus, der nicht gewalttätig geworden ist. Kyrie eleison, Herr erbarme dich und hilf mir, mich an Jesus zu orientieren. Oder an Männern und Frauen, die heute neue Wege gehen und Frieden stiften. So wie Kathrin Ollrogge. Sie hat mich beeindruckt. Vier Jahre lang reiste die Potsdamer Künstlerin durch die fünf ostdeutschen Bundesländer. Auf den Marktplätzen baute sie zwei Sessel und einen Holztisch auf und lud die Menschen, die vorbeikamen, bei Kaffee und Kuchen zum Gespräch ein. „Hauptsache Zuhören“ hieß ihr Projekt. Sie wollte die persönlichen Geschichten der Menschen erfahren. Viele fühlen sich als Opfer der Wiedervereinigung. Kathrin Ollrogge hielt Wut und Ärger aus. Sie hörte von Träumen, die sich nicht erfüllten, von dem Eindruck, überhört und übersehen worden zu sein. Kathrin Ollrogge verteidigte nicht, was ist. Sie hörte weiter zu, ließ andere Standpunkte als ihren eigenen zu. Sie riskierte, verletzt zu werden. Vielleicht hat das Wunden geheilt und bei einzelnen so etwas wie Frieden bewirkt.

Musik 2-Nagel: Halleluja. Kyrie eleison. Herr Gott erbarme dich. Halleluja, Kyrie eleison. Herr Gott erbarme dich.

Autorin: Da kommt Gottvertrauen rüber. Das macht mir Mut. Die fröhliche, zuversichtliche Melodie gibt mir Energie. Gern singe ich diese Schlusszeilen zweimal. Ich muss dabei unwillkürlich lächeln. Ich freue mich und singe Halleluja, weil Gott mir Frieden anvertraut wie ein Geschenk. Ich singe: Herr, erbarme dich. Hilf mir, dein Geschenk auszupacken, dein Angebot anzunehmen und so zu leben, dass es friedlicher wird in der Welt.

Musik 2- Nagel: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr, Gott zu unsern Zeiten. Es ist ja doch kein anderer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine. Halleluja. Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich.

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