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Kirche in WDR 4 | 13.09.2019 | 08:55 Uhr

Versöhnungsgeschichten

Guten Morgen.

Eine Kirche wandert ins Museum. So konnte man es den Medien entnehmen. Das klingt nach Auslaufmodell: Eine Kirche hat ausgedient und wird nun zum Ausstellungsstück in einem Freilichtmuseum (1) und erinnert so an vergangene Zeiten. Das kann man denken, wenn man die Geschichte hinter der Geschichte nicht kennt. Doch die ist so:

1951 wurde in Overath im Rheinisch-Bergischen-Kreis im Rahmen eines internationalen Kirchbauprogramms eine Holzkirche errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche schlichte Holzkapellen in Serienproduktion gebaut. Man brauchte diese Kirchen für die Vertriebenen und Geflüchteten. Sie waren in großer Zahl nach Westdeutschland gekommenen. Damals war Overath weitgehend katholisch. Von den 1.800 evangelischen Gemeindegliedern waren 90% Flüchtlinge aus dem Osten. Für sie wurde die frisch erbaute Holzkirche zur neuen Heimat in der Fremde. Ein sehr schönes Zeichen, dass diese Kirche später den Namen „Versöhnungskirche“ erhielt. Darin drückt sich aus, was Christen glauben: Gott schenkt immer wieder Kraft zur Versöhnung, Kraft zum Neuanfang - nicht nur in der neuen Heimat, sondern auch zwischen ehemaligen Kriegsgegnern. Eine solche Versöhnungskirche soll aus gutem Grund der Nachwelt erhalten bleiben. Sie ist kein Auslaufmodell, sondern ihre Geschichte ist Anstoß für viele neue Versöhnungsgeschichten.

Zum Beispiel diese: Mitte August, kurz vor dem 80. Jahrestages des Überfalls der deutschen Truppen in Polen, besuche ich meine alte Heimat in Masuren/Polen. Einer Kirchengemeinde konnte ich dabei ein besonderes Geschenk mitbringen: Einen Abendmahlskelch. Er war in den Wirren des Krieges - auf welchen Wegen auch immer - aus der Dorfkirche verschwunden, und er tauchte vor einigen Monaten in einem deutschen Auktionshaus auf. Der neue Besitzer erfuhr von der Geschichte dieses Kelches und war schnell bereit, ihn abzugeben. Er sollte 74 Jahre nach dem Krieg dem Eigentümer, der masurischen Gemeinde, wieder zurückgegeben werden. Mehrere deutsche Kirchengemeinden finanzierten den Ankauf und die Restaurierung des Abendmahlskelches. Es war ein bewegender Moment, als ich ihn der Gemeinde in Masuren überreichen konnte.

Christen glauben: Gottes Geist ermutigt uns zum Brückenbau und schenkt uns Kraft zur Versöhnung. Eine Versöhnungskirche – also das Gebäude – das kann ins Museum wandern. Eine Kirche, die für Versöhnung eintritt, die wird dringend gebraucht. Wenn im Gottesdienst mit Brot und Wein Abendmahl gefeiert wird, ist das immer auch ein Versöhnungsfest. Gott lädt an seinen Tisch die Menschen aller Nationen ein und bringt sie zusammen. Die Holzkirche im Museum steht mit Orgel und Altar weiterhin für Gottesdienste zur Verfügung. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder Kraft finden, Versöhnung zu riskieren.
Ihr Präses Manfred Rekowski aus Düsseldorf. 

https://www.ekir.de/www/mobile/service/einweihung-31695.php

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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