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Kirche in WDR 4 | 31.08.2019 | 08:55 Uhr

Du bist du!

Guten Morgen.
Du bist du! So geht der Refrain eines Liedes, das sich zum Schlager bei Taufen gemausert hat. Schmissig und eingängig singt man es dem Säugling zu und irgendwie auch sich selbst: Du bist du, ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Niemand fühlt und denkt und lacht genau wie du: Du bist du!
Diese Worte sind eine Liebeserklärung an das zarte, puderduftende Wesen, das noch so unfertig ist und gleichzeitig so vollkommen. Wir wissen nicht, was aus dir wird, Kind – vielleicht ein Wunderkind, vielleicht ein Unglücksrabe. Aber egal, was aus dir wird, du bist du, genial und einzigartig.

Zärtliche Worte, in die die Eltern ihre sehnsüchtig ängstlichen Wünsche legen, dass das Kind seinem unvorhersehbaren Schicksal standhalten wird: „Du bist reich, egal ob mit, ob ohne Geld“, singen sie. Aber das ist eben nicht egal! Ohne Geld ist man arm, nicht reich, und oft genug entwürdigt dazu. Die Taufe mit ihren Liedern und Worten darf da nicht zum religiösen Zuckerguss werden, den man über die Bitternisse des Lebens streicht.

Darum empfinde ich die Beliebtheit des „Du bist du“-Liedes zweischneidig. Für mich hat es was damit zu tun: Mit diesem allgegenwärtigen Zwang und Drang, die eigene Größe, Einzigartigkeit und Originalität herauszustreichen. „Ich bin ich, ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Niemand denkt und fühlt und handelt so wie ich.“ O Gott, wie anstrengend! So vom „Du“ ins „Ich“ gewendet, wird das Lied eine Hymne eines unglücklichen Narzissmus. Denn bei aller Bewunderung für die Größe jedes Menschen: Ich bin nur in wenigen Dingen genial und in den meisten so mittelmäßig wie die anderen. Bei aller Bewunderung der Einzigartigkeit jedes Menschen ist es ja auch so: Ich bin wie alle anderen. Ich fühle so wie du, ich denke so wie du, ich lache so wie du.

Dieses Wissen ist der Schlüssel zum biblischen Nächstenliebegebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (3. Mose 19, 18, Markus 12,31 u.ö.) Den Nächsten kann man nur lieben, wenn man verstanden hat: Egal, wie fremd er ist: Er hat Schmerzen wie ich, wenn man ihn schlägt. Er hat Hunger wie ich, wenn er kein Brot bekommt. Er hat Angst wie ich, wenn man ihm etwas antut. Und er sehnt sich nach Anerkennung, wie ich. Wer man eigentlich ist, weiß man nicht einfach. Zum „Ich“ werde ich erst in dem Moment, in dem ich einem Du begegne, einem Anderen, mit dem ich übereinkommen muss, einem Anderen, der mich braucht, einem Anderen, der mir so fremd ist und zugleich doch wie ich: Mensch. Gottes geniales Geschöpf.

Neben dem „Du bist Du“ gibt es noch ein anderes Lied, das ich bei Taufen gern mit dem „Du bist du“ zusammen singe. Es heißt: „Gut, dass wir einander haben, gut dass wir einander seh’n.“ Das zu wissen: Wenn ich kein Geld habe. Wenn ich krank bin. Wenn ich trauere. Das ist die größte Hilfe, die wir einander geben können.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Silke Niemeyer aus Lüdinghausen.

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