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Kirche in WDR 5 | 31.08.2020 | 06:55 Uhr

Verwandelte Klage

Zwei Männer am Strand von Kreta. Hinter ihnen rauscht das Meer. Abgekämpft sehen sie aus. Besonders der Ältere: verschwitzt, zerzaust. Beide haben sie gerade ihre gesamte Existenz verloren. Da beginnt der Ältere zu tanzen. (Einspielen Sirtaki-Lied) Er hebt seine Arme, als wolle er die Welt umarmen. Schleppend setzt er einen Fuß vor den anderen und wird immer beschwingter. Immer schneller tanzt er  – dann ruft er den anderen hinzu. Sie lachen, wirbeln im Takt der Musik und feiern das Leben – im Angesicht des Scheiterns.

Vielleicht haben Sie spätestens mit Einsetzen der Musik die Film-Szene erkannt. Sie stammt aus dem Film Alexis Sorbas. Und diese Tanz-Szene hat den Schauspieler Anthony Quinn unsterblich gemacht. (Musik-Ende)

Wahrscheinlich ist es in diesem Jahr etwas heikel, Ihnen vom eigenen Urlaub zu erzählen – zumal, wenn der Urlaub im Ausland war. Aber ich möchte Ihnen doch von einem Moment in meinem Kreta-Urlaub erzählen. Ende Juli war ich dort – wider Erwarten. Und wie immer habe ich dort, auf Kreta, auch das Morgengebet gebetet. Manchmal treffen mich beim Beten Worte direkt ins Herz und stoßen Gedanken an. Und das war auch an jenem Morgen am Strand von Kreta so. Da trafen mich die folgenden, uralten Worte: „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“. Sie stammen aus dem 30. Psalm und ich hatte sie mir nicht ausgesucht – sie waren dran an diesem Tag bei meinem Morgengebet.

An Alexis Sorbas habe ich erst später gedacht. An diesem Morgen am Strand von Kreta fühlte ich mich einfach ertappt oder besser noch durchschaut: Denn: Manches, über das wir die vergangenen Tage im Urlaub gesprochen haben, hatte den Charakter der Klage. In Corona-Zeiten war das auch im Hotel zu spüren: einige Gäste klagten über die Vorschriften, auf allen öffentlichen Wegen, auch im Speisesaal, Mund- und Nasenschutz zu tragen. In diversen Gesprächen über Tische hinweg höre ich das in verschiedenen Variationen: wie lange soll das noch so gehen. Die Unterbrechung vieler Lebensgewohnheiten sorgt für Klagen. Und die fehlende Klarheit zehrt sichtlich an den Nerven. Und ich fragte mich in diesem Moment am Strand, wie viele der Klagen eigentlich Luxusklagen sind. Vielleicht sogar Selbstanklagen angesichts der eigentlich unfassbaren Situation, in der Pandemie im Urlaub auf Kreta sein zu dürfen. Die Psalmworte am Strand von Kreta führten mich zu dem Gedanken: Gott, wie schön wäre es, wenn sich das Klagen in Tanzen verwandeln würde.

Corona und wirkliche Trauer lässt sich auch nicht wegtanzen, das ist klar. Aber der häufig anzutreffende Klagemodus, der könnte schon in ein anderes Licht rücken. Vielleicht wäre es gut, die ein oder andere Klage in Bezug auf Beruf, Privatleben oder die Corona- Bedingungen mal bewusst unter die uralten Worte des Pslam 30 zu stellen. Dieser Text spricht von der Kraft, die Verhältnisse zu wandeln und ist zugleich überraschend realistisch. Er beschreibt nämlich zunächst knallhart und mit starken Worten die Erfahrung von Unsicherheit: Aber hören Sie selbst einmal:

Sprecher:

Im sicheren Glück dachte ich einst, ich werde niemals wanken. ...

Doch dann hast du dein Gesicht verborgen, da bin ich erschrocken.

Zu dir, Herr, rief ich um Hilfe. Ich flehte meinen Herrn um Gnade an. ...

Höre mich, Herr, sei mir gnädig, Herr, sei du mein Helfer!

Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt,

hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.

Darum singt dir mein Herz und will nicht verstummen,

Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Als ich diese Zeilen am Strand von Kreta betete, da hatte ich meinen eigenen Alexis-Sorbas-Moment. Ganz ohne Tanz. Mit Blick auf die Weite des Meeres dachte ich: wie gut, dass es in den Psalmen immer wieder solche Verse gibt, über die ich beim Gebet stolpere. Wie gut, dass Gott Impulse schickt in meinen allzu klein gewordenen Horizont.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen Michael Bredeck aus Paderborn.

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